Der Autor meint
Wer das Projekt Phoenix aka die dPhoenix Suite länger verfolgt hat, musste früher oder später zu dem Verdacht kommen, dass der Hersteller offenbar Open Source nicht richtig verstanden hatte. Dataports Verantwortliche hatten offenbar stets eher die zweite Umsatzmilliarde im Visier, als einen wertvollen Beitrag zur Open-Source-Landschaft der deutschen Verwaltung zu leisten.(öffnet im neuen Fenster) Dass der initiale Auftraggeber dann frustriert ausstieg, heute aber – ohne Dataport Phoenix – Vorreiter und Aushängeschild der Open-Source-IT Deutschlands wurde, spricht Bände.
Zwar haben sicher einige Stellen, vor allem aber die im Projekt Phoenix beteiligten Open-Source-Firmen, von den Investitionen durch Dataport profitiert. Derlei mag als positive Wirtschaftsförderung gesehen werden, fraglich ist dabei jedoch, wer die beteiligten Firmen ausgewählt hat, nach welchen Kriterien und warum gerade sie und nicht auch Konkurrenten bedacht wurden. Von Code, den Dataport selbst erstellt hat ( Glue Code , um die Komponenten der Suite aneinander anzubinden), ist auch heute, Millionen Euro später, keine Spur zu sehen.
Ohne Dataport wohl auch kein Zendis
Dataport ist raus aus der Nummer, und das ist vermutlich auch gut so, schade um das viele Geld. Ebenfalls schade ist, wie wenig Messbares am Ende dabei verblieben ist. Einzig der Fork Opendesk, den das Zentrum für digitale Souveränität in Bochum (Zendis; Eigenschreibweise: ZenDIS) international erfolgreich weiterführt, dürfte von den Aktionen der norddeutschen Behörde profitiert haben.
Ob das so auch möglich geworden wäre, hätte Dataport nicht so viele engagierte Strategen und Planer massiv verärgert?
Auf jeden Fall zeigt das Zendis(öffnet im neuen Fenster) immer wieder, mit Opencode(öffnet im neuen Fenster) oder jüngst Container.gov.de(öffnet im neuen Fenster) , wie wertvoll strategisch sinnvoll geplante und mit viel Open-Source-Know-how eingesetzte Steuermittel wirken können.
Wo Dataport der Ruf der Steuergeldverschwendung vorauseilte, genießt das Zendis, das weit weniger Mittel zur Verfügung hat, seinen Sympathievorteil als OSS-Arbeitsmuskel der Verwaltung.
Markus Feilner(öffnet im neuen Fenster) ist Berater für Open-Source-Strategien aus Regensburg. Seit dem Jahr 1994 arbeitet er mit Linux, seit 2000 mit eigener Firma, die sich auf die OSI Layer 8 bis 11 spezialisiert hat. Er war stellvertretender Chefredakteur des Linux-Magazins und der Heise iX sowie Team Lead Documentation bei Suse.
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