Rechnertausch: Kann ein Raspberry Pi 4 einen Mac Mini von 2011 ersetzen?

Nach zehn Jahren muss ich meinen Mac Mini (2011) leider ersetzen. Ein Raspberry Pi 4 bietet sich dafür an: Er ist modern und kann wie Mac OS aussehen. Ob das reicht?

Ein Praxistest von veröffentlicht am
Wir haben uns gefragt, ob der Raspberry Pi kann, was ein alter Mac Mini kann.
Wir haben uns gefragt, ob der Raspberry Pi kann, was ein alter Mac Mini kann. (Bild: Montage: Golem.de)

Der Umstieg von Apple auf ARM läuft ganz gut, der neue Chip verspricht vor allem hohe Leistung. Er wird seine Zielgruppe finden, aber für viele Anwender muss es gar nicht immer der schnellste und neueste Computer sein. Für sie ist wichtig: ein bisschen Rechenpower und ein günstiger Preis. Kommt noch ARM dazu, landet man schnell beim Raspberry Pi. Wir haben versucht, einen alten Arbeits-Mac, einen Mac Mini von 2011, durch das ARM-getriebene System-on-a-Chip (SoC) zu ersetzen.

Der Raspberry Pi 4 B ist ein kleiner, leistungsfähiger Computer, den es in Varianten mit bis zu 8 GB RAM gibt. Der Prozessor ist ein moderner Quad Core Cortex-A72 im ARM-v8-Design mit 64 Bit. Er bringt Bluetooth, WLAN und USB 3 mit und das zu einem Preis von unter 100 Euro. Der Stromverbrauch ist gering, es genügt ein USB-C-Netzteil mit 3 Ampere, was mit den 5 Volt Spannung zusammen gerade einmal 15 Watt ergibt - wobei immer noch genügend Raum ist, um USB-Geräte ohne eigene Stromversorgung an dem kleinen Computer zu betreiben.

Von den Eckdaten her spricht also alles dafür, dass der Pi 4 nicht nur alltägliche Aufgaben wie E-Mails schreiben und Textverarbeitung erledigen, sondern auch mit komplexeren Programmen für Bildbearbeitung wie zum Beispiel Gimp umgehen kann.

Heute reicht für vieles ein sechs Jahre alter Rechner

Für zahlreiche Anwendungen ist kein Monsterrechner der neuesten Generation nötig. So lange es nicht um Computerspiele, große Projekte oder professionelle Videobearbeitung geht, reicht heute zumeist das, was sich früher schnell als unbenutzbar herausstellte: ein fünf, sechs oder mehr Jahre alter Computer. Noch vor einiger Zeit machte allein ein aktuelles Betriebssystem solch ein Gerät extrem langsam. Viele dürften schmerzlich in Erinnerung haben, wie lahm ein älteres Windows-XP-Notebook nach einem Upgrade zu Windows 7 wurde, und wie sich selbst die Textverarbeitung dann reichlich Zeit nahm, getippte Zeichen auf den Bildschirm zu bringen.

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Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute ist sogar ein zehn Jahre alter Computer eigentlich noch sehr gut nutzbar. Die Leistung reicht oft für ein modernes Betriebssystem, ein Upgrade mit mehr RAM und SSD statt Festplatte ist günstig und schnell erledigt. Für Internet, Textverarbeitung, E-Mails und zum Schauen von Videos reicht so ein Computer auf jeden Fall aus.

Trotzdem ist es nicht immer klug, auf einen alten Rechner zu setzen - selbst wenn die Prozessorleistung reicht. Wichtig ist nämlich auch, dass er zukünftige Treiber und Betriebssysteme unterstützt, die Schnittstellen nicht veraltet sind und er in Relation zur Leistung keinen zu hohen Stromverbrauch hat.

Das ist unser Mac Mini

Um es ganz konkret zu machen, nehmen wir einen Arbeitscomputer, einen Mac Mini, Modell Mid-2011. Die CPU ist eine im 32-nm-Prozess gefertigte Sandy Bridge i5-2415M, Dual Core mit Hyperthreading. Der Arbeitsspeicher ist auf 8 GB aufgerüstet, die ursprünglich verbaute 500-GB-Festplatte wurde durch eine 1-TB-SATA-SSD ersetzt. Für einen Monitor stehen HDMI und eine der ersten Versionen eines Thunderbolt-Ports bereit.

Das klingt erstmal nach einem brauchbaren System für die Alltagsnutzung. Allerdings gibt es ein paar Probleme: Zum einen ist es das letzte Mac-Mini-Modell, das kein USB 3 mitbringt. Die vier USB-Ports an der Rückseite sind USB-2-Ports. Wer einen USB-3-Stick oder gar eine externe SSD zum fixen Datenaustausch anschließen möchte, kann sich auf Wartezeiten einstellen, wenn die Daten auf das Laufwerk tröpfeln. Aber auch externe Festplatten haben bei diesen Anschlüssen eine langsame Transfergeschwindigkeit.

Damit ließe sich jedoch leben, denn externe High-Speed-Geräte sind zum Beispiel beim Schreiben von Texten gar nicht nötig. Die Backups laufen automatisch im Hintergrund über das Netzwerkkabel auf eine Festplatte und zum lokalen Dateiaustausch stehen Netzlaufwerke zur Verfügung. Wird doch einmal Peripherie jenseits von Tastatur oder Maus angeschlossen, dauert es eben mal ein klein wenig länger - es werden jedenfalls keine Datenmengen im Terabyte-Bereich über die Ports bewegt.

Neuer Apple Mac Mini mit Apple M1 Chip (8 GB RAM, 256 GB SSD)

Das größte Problem ist aber: Das fast zehn Jahre alte Gerät von Apple ist schon vor ein paar Jahren offiziell als obsolet eingestuft worden - und damit ist es vorbei mit neuen Betriebssystemversionen. Für diesen Mac Mini war das Ende aller OS-Updates mit X 10.13 alias High Sierra erreicht, auch wenn es bereits bei den Vorgängerversionen immer wieder neue Features gab, die von der Hardware nicht unterstützt wurden, zum Beispiel Airdrop, Handoff, Instant Hotspot und Allgemeine Zwischenablage. Ganz wichtig: Seit der Veröffentlichung von Mac OS 11 Big Sur im November 2020 liefert Apple auch keine Sicherheitsupdates für High Sierra mehr.

Es hilft nichts: Wir brauchen Ersatz

Aus diesen Gründen braucht es also Ersatz für den Mac Mini. Einen neuen Mac-Rechner zu kaufen, ist im Moment nicht sehr interessant, da Apple mitten im Technologiewechsel von Intel hin zum eigenen Apple Silicon steckt. Die Erfahrung aus der Vergangenheit sagt aber, dass sowohl die letzten Modelle mit alter Technologie als auch die ersten Modelle mit neuer Technologie langfristig meist kein guter Deal sind.

Die alten Varianten fallen schneller aus dem Support - auch was Programme von Drittanbietern angeht. Die Modelle mit neuer Technologie müssen hingegen erst einmal technisch reifen: Indiz dafür ist, dass die M1-Chips in Mac Mini, Mac Book Air und Mac Book Pro bisher nur in den Low-End-Modellen stecken und sich trotz der eigentlich in den Leistungsmerkmalen sehr unterschiedlich gehaltenen Modellreihen kaum voneinander unterscheiden.

Deshalb die Idee, einen Raspi Pi 4B als Ersatz auszuprobieren. Auch hier gibt es einen ARM-Prozessor wie bei den neuen Macs, wobei der Vergleich allerdings nicht ganz fair ist. Zwar basiert Apples M1 ebenfalls auf der Architektur ARM v8, vermengt diese aber mit einer Menge Eigenentwicklungen - von der GPU über eine NPU bis hin zu verschiedenen integrierten Controllern. Inwieweit kann also der Billigrechner mit Linux den Mac Mini von 2011 ersetzen, der ja inzwischen immerhin fast zehn Jahre alt ist?

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Zusammenbau und Betriebssystemauswahl des Raspberry Pi 4 
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Crass Spektakel 25. Apr 2021

Und da irrst Du: Die LTS-Releases für nicht unterstützte Hardware sind bisher tatsächlich...

Crass Spektakel 24. Apr 2021

Für alle genannten Anwendungsbeispiele ist ein Mac aber auch ungeeignet oder wenigstens...

Crass Spektakel 24. Apr 2021

Das sehe ich genau so. Der Pi4/400 erreicht bei allem ausser Spiele und Videobearbeitung...

Crass Spektakel 24. Apr 2021

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