Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Rechenzentren und Netzbetreiber: Russland greift digitale Seele der Ukraine an

Russland richtet seine Waffen nicht nur gegen ukrainische Strom- und Wasserversorger, sondern systematisch auch gegen Rechenzentren und Internetanbieter.
/ Andreas Donath
3 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Russland greift zivile Infrastruktur der Ukraine an. (Symbolbild) (Bild: Pexels/Алесь Усцінаў)
Russland greift zivile Infrastruktur der Ukraine an. (Symbolbild) Bild: Pexels/Алесь Усцінаў

Nach Auskunft des ukrainischen Digitalministeriums waren in der Hauptstadt Kyjiw und der umliegenden Region allein durch Drohnenangriffe am Mittwoch und Donnerstag rund 100.000 Haushalte vorübergehend vom Internet abgeschnitten, wie der britische Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster). Einen Tag später traf ein weiterer Angriff die Büros von Datagroup, einem der größten Telekommunikationsunternehmen des Landes. Vier Menschen kamen dabei ums Leben.

Informationsfluss abschneiden, um Land ins Chaos zu stürzen

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha teilte auf der Plattform X mit, Russland ziele auf große Rechenzentren, um den Informationsfluss zu unterbrechen. Ähnliche Angriffe habe es zwar schon vorher gegeben, doch das Ausmaß der jetzigen Kampagne markiere eine deutliche Eskalation. Es gehe nicht mehr nur um Zerstörung. Es gehe darum, die digitalen Strukturen eines Staates zu durchtrennen, stellt der Guardian fest.

Sabotage bis nach Polen hinein

Die koordinierten Angriffe auf die Konnektivität überschreiten längst die ukrainischen Grenzen. Am Donnerstag meldeten die polnischen Behörden, dass eine Starlink-Satellitenstation in Zentralpolen, die ihrerseits das ukrainische Internet versorgt, in Brand gesetzt wurde. Die lokalen Behörden werteten den Vorfall als Sabotageakt mit Verbindungen nach Moskau. Der Guardian berichtet, dass dies auf eine abgestimmte Strategie hindeute, multiple Schichten der ukrainischen Kommunikationsnetze gleichzeitig abzuschalten.

Eine dezentrale Infrastruktur unter Beschuss

Die ukrainische Internetinfrastruktur ist vergleichsweise dezentral aufgebaut, was einzelne Schläge bislang wirksam abmilderte. Umfassende Gesamtausfälle ganzer Städte blieben so weitgehend aus. Die Behörden haben im Laufe des Krieges zudem darauf hingewirkt, dass Mobilfunk- und Internetanbieter Notstromaggregate bereithalten.

Der Blogger und ehemalige Regierungsberater Serhij Sternenko forderte die Bewohner Kyjiws auf, sich ab jetzt auf den Winter vorzubereiten. Er riet dazu, Starlink-Terminals oder andere Kommunikationsmittel zu beschaffen. Russlands Ziel gehe weit über die Energieinfrastruktur hinaus, warnte Sternenko. Es gehe um die totale Zerstörung der Rechenzentren und Internetbetreiber.

Schwerindustrie wird vernichtet

Die Angriffe auf die digitale Infrastruktur sind eingebettet in eine breitere Eskalation gegen die ukrainische Wirtschaft. In den vergangenen Wochen richteten sich Raketenangriffe und strahlgetriebene Drohnen gegen Lagerhäuser, Tankstellen, Häfen und weitere zivile Einrichtungen. Die Schwerindustrie erleidet ebenfalls massive Zerstörungen. Ein ukrainischer Beamter sagte dem Guardian, die Ukraine habe in diesen Monat lediglich eine einzige Tonne Stahl produziert.


Relevante Themen