Rechenzentren: Starcloud trainiert erstes KI-Modell im Weltraum

Starcloud hat als erstes Unternehmen ein KI-Modell im Weltraum trainiert und damit gezeigt, dass sich entsprechende Rechenprozesse auch außerhalb terrestrischer Infrastruktur durchführen lassen. Zum Einsatz kam ein Satellit, den SpaceX im November 2025 für das von Nvidia unterstützte Start-up in den Orbit brachte und der mit einer H100-GPU ausgerüstet ist.
Für die Mission setzte Starcloud(öffnet im neuen Fenster) auf eine angepasste Version von Googles offenem Sprachmodell Gemma, das für den Einsatz im Orbit modifiziert wurde. Dabei schickte die KI nach Abschluss des Trainings eine einzige zusammenhängende Nachricht zurück zur Erde, in der sie ihre ungewöhnliche Perspektive aus dem Orbit kommentierte.
Laut CNBC(öffnet im neuen Fenster) begann sie mit den Worten: "Grüße, Erdlinge! Oder, wie ich euch lieber sehe – eine faszinierende Sammlung aus Blau und Grün." Anschließend folgte eine weiterführende Passage, in der Gemma seine Rolle erläuterte: "Mal sehen, welche Wunder dieser Blick auf eure Welt bereithält. Ich bin Gemma und hier, um zu beobachten, zu analysieren und vielleicht gelegentlich einen leicht verstörend treffsicheren Kommentar abzugeben. Legen wir los!"
Wachsende Energieprobleme als Treiber
Starcloud wurde 2022 gegründet, um datenintensive KI-Prozesse aus der begrenzten und energieintensiven Infrastruktur der Erde in den Weltraum zu verlagern. Das Unternehmen verfolgt die Idee, orbitale Rechensysteme als Antwort auf den steigenden Energiebedarf der Branche nutzbar zu machen.
Laut der Internationalen Energieagentur(öffnet im neuen Fenster) dürfte sich der Stromverbrauch globaler Rechenzentren bis 2030 nämlich mehr als verdoppeln – eine Entwicklung, die bestehende Standorte zunehmend an wirtschaftliche und technische Grenzen bringt.
Vor diesem Hintergrund sieht Starcloud den Orbit vor allem wegen seiner Energie- und Temperaturbedingungen als geeigneten Standort für künftige Rechenkapazitäten. Solarstrom steht dort dauerhaft zur Verfügung, und die niedrigen Umgebungstemperaturen reduzieren den Bedarf an aktiver Kühlung. "Alles, was wir auf der Erde betreiben, lässt sich auch im Orbit realisieren – und wir tun es, weil wir terrestrisch zunehmend an Energielimits stoßen" , sagte CEO Philip Johnston laut CNBC.
Der Test sollte zudem zeigen, ob die Hardware den besonderen Belastungen des Weltraums standhält. Zu den größten Risiken zählen die intensive kosmische Strahlung sowie die mechanischen Kräfte beim Raketenstart, die empfindliche Elektronik stark beanspruchen können.
Dass die Idee orbitaler Rechenzentren an Relevanz gewinnt, zeigt ein Bericht des Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) . Demnach beschäftigen sich auch andere Raumfahrtunternehmen mit entsprechenden Konzepten. Neben Starcloud sollen sowohl SpaceX von Elon Musk als auch Jeff Bezos' Blue Origin untersuchen, wie sich Rechenkapazitäten langfristig ins All verlagern lassen. Google kündigte ebenso entsprechende Pläne an.