Rebel Moon - Teil 2: Sternenkrieg um einen Bauernhof

Dass wir ein paar Stunden nach Sichtung kaum mehr etwas über die Handlung von Rebel Moon: Teil 2 – Die Narbenmacherin erzählen könnten, liegt vor allem daran, dass es eine Geschichte mittlerweile fast gar nicht mehr gibt. Nachdem Heldin Kora (Sofia Boutella) in Teil 1 durch die ganze Galaxie geflogen ist, um eine kleine Gruppe Außenseiter zusammenzutrommeln, verbringt das Team nun erst einmal glückselige Zeit mit Farmarbeit auf dem Mond Veldt.
Sie erwarten, überspitzt gesagt, in aller Gemütlichkeit die Ankunft des wiederbelebten Schurken Admiral Atticus Noble, um gemeinsam mit den örtlichen Bauern dessen Armee zurückzuschlagen und das friedliche Dorf vor Plünderung und schlimmerem zu bewahren.
Anders als im offensichtlichen Kurosawa-Vorbild Die sieben Samurai(öffnet im neuen Fenster) erleben wir die normalen Bürger hier jedoch nie ausreichend lange für den Kampf üben oder sehen unseren Heldentrupp mehr als bloß sporadische Vorbereitungen treffen – dabei rückt immerhin eine hochtechnisierte Weltraumarmee mit schweren Geschützen an.
Dass sich die Widersacher mit ihrer enormen Überlegenheit an Truppenzahl und Feuerkraft dennoch nicht durchsetzen können, lässt uns genauso verwirrt zurück wie die weiterhin offengebliebene Frage, weshalb die titelgebende Narbenmacherin überhaupt ausgerechnet Narbenmacherin heißt.

Die Liste fehlender oder unschlüssiger Erklärungen voller Unstimmigkeiten, um das Geschehen von Rebel Moon logisch nachvollziehen, vielleicht mal ein wenig echte Spannung dabei empfinden zu können, ist lang. Dabei wird anfangs sogar noch einigermaßen viel geredet.
In der ersten Stunde versucht Autor und Regisseur Zack Snyder vieles nachzureichen, was im Film davor hätte erzählt werden müssen. Es gibt eine Abfolge mehrerer Rückblicke, in denen die Heldengruppe rund um Kora nacheinander und teilweise zum wiederholten Male darlegt, weshalb jeder einzelne von ihnen persönliche Gründe hat, sich gegen die bösen Schergen aus der Mutterwelt zu wehren.
Belanglose Vergangenheitskunde
In Fachkreisen nennt man diese plumpe Art, Zuschauer in viel zu kurzer Zeit mit unnatürlich vielen Informationen zu überschütten, Exposition-Dump bzw. Lore-Dump. Das macht hier einen erheblichen Teil der Handlung aus, jedoch ohne es mit wichtigem Erkenntnisgewinn zu rechtfertigen oder zwischen den Segmenten elegante Brücken zu schlagen.
Rebel Moon: Teil 2 ist wieder ähnlich dürftig erzählt und generisch gestaltet wie Teil 1, macht allerdings manches trotzdem besser. Mehr Zeit auf Veldt zu verbringen, gedreht an einem realen Schauplatz mit hohem Anteil echter Kulissen, verringert zumindest minimal den künstlichen Gesamteindruck des fiktiven Universums.
Nicht mehr so blendend
Beim Vorgängerfilm mit seinen ständigen Schauplatzwechseln quer durch die Galaxie war nicht zu übersehen, dass die Schauspieler eigentlich immer fast an denselben Stellen im virtuellen Studio stehen bleiben konnten, während für die nächste Szene bloß ein paar digitale Hintergründe ausgewechselt wurden.
In Actionszenen hat Snyder jetzt die vorher viel zu dick aufgetragenen Lens-Flare-Blitze und bunten Mündungsfeuer merklich reduziert, die uns in Teil 1 so gestört hatten. Besonders seine vielen langen Zeitlupenmomente können wir deswegen im neuen Film klarer mitverfolgen. Mitunter sehen die jetzt sogar oft tatsächlich gar nicht schlecht aus.
Vorausgesetzt, wir stören uns nicht an der von Snyder seit Sucker Punch präferierten Videospiele-Grundoptik, die oft nach Gears-of-War -Zwischensequenz aussieht, wobei das Bild in oranges Sonnenlicht gehüllt oder häufig zusätzlich ganz in goldbraune Farbe getunkt wird. Aber das ist letztendlich noch am ehesten reine Geschmacksfrage.
Auf fast völlig verschwommene Kameraeinstellungen mit viel zu kleinen Schärfebereichen greift der Regisseur, der hier erneut sein eigener Chefkameramann war, ebenfalls viel seltener zurück als bei Teil 1.




Ob diese handwerklichen Verbesserungen bewusst so entschieden wurden oder den Drehumständen an echter frischer Luft zu verdanken sind, können wir hier nicht beantworten.
Sehr wohl hingegen, dass Teil 2, immer wenn Snyder Spektakel zeigen will, eindeutig besser aussieht und deswegen als kurzweiliger Sci-Fi-Actionfilm, ohne tolle Handlung, mit vielen echt aussehenden Explosionen und ein paar eingestreuten Laserschwert-Duellen, irgendwie ok vor sich hin geguckt werden kann. Die Charakter-Rückblicke sind derweil so unfreiwillig komisch, dass auch das ein Stück weit unterhält. Alles zusammengenommen also schon mal viel mehr, als wir Positives über den Vorgänger hätten sagen können.
Hat Netflix gehofft, wir würden den Film vergessen?
Als die Veröffentlichung von Rebel Moon: Teil 2 immer näher rückte, wir aber kaum mehr Neuigkeiten davon hörten, festigte sich bei uns zunehmend der Eindruck, Netflix hätte sich am liebsten gewünscht, die Fachpresse würde den Film einfach übersehen und vergessen.
Wurde der Vorgänger noch bei internationalen Pressevorführungen vorab in Kinos gezeigt, erhielten jetzt bloß ein paar wenige Journalisten kurz vor knapp einen Online-Screener zur Sichtung.
Viel Geld für zwei zerquetschte Tomaten
In Amerika hat es außerdem ein Fan-Event mit Vorführung in Anwesenheit von Zack Snyder gegeben, von dem aus sich anschließend, wenig überraschend, ein paar wohlwollend formulierte, erste Social-Media-Kommentare über den Film im Netz verteilten(öffnet im neuen Fenster) . Wir konnten Die Narbenmacherin, wie die meisten anderen Kollegen, dagegen erst zum regulären Start am 19. April um 9 Uhr früh ganz normal bei Netflix gucken.
Den zweiten Film für die berichtende Presse viel restriktiver zurückzuhalten als noch den ersten, lässt tief blicken, wie sehr Netflix die durchweg enttäuschenden Bewertungen von Teil 1 gestört haben müssen. Beide Rebel-Moon-Parts zusammen hat sich der Streamingdienst immerhin rund 166 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) kosten lassen und Zack Snyder spricht auch jetzt noch von mehreren Folgefilmen, einem Videospiel und möglichen Serien auf Basis seines ambitioniert gestarteten Sci-Fi-Universums.
Nach außen hin betonen Snyder und Netflix stets, Rebel Moon: Teil 1 sei laut firmeneigenen Zuschauerzahlen ein großer Erfolg(öffnet im neuen Fenster) . Was statistisch gesehen stimmen mag, aber wenn damit langfristig ein großes Franchise nach Vorbild von Star Wars und Marvel aufgebaut werden soll, geht es immer auch um das Image einer Serie, das wiederum nicht geringfügig auf die Außenwahrnehmung ihres Streaming-Dienstes abfärbt.
Beim ersten Rebel Moon sind selbst User-Reviews ( etwa auf Metacritic(öffnet im neuen Fenster) ), soweit wir uns online einen groben Überblick verschaffen konnten, überwiegend ernüchternd ausgefallen. Teilweise genau so vernichtend wie die der Berufskritiker. In der Gesamtwahrnehmung für außenstehende hat sich zweifellos etabliert: Rebel Moon ist einer der größten Netflix-Flops.
Trotz Hinauszögerns der Pressemeinungen hat nun auch Die Narbenmacherin von Fachjournalisten wieder im Durchschnitt einen tiefroten Meta-Score(öffnet im neuen Fenster) sowie eine beinahe völlig zerquetschte Tomate bei Rotten Tomatoes(öffnet im neuen Fenster) erhalten.
Selbst wenn am Anfang das Interesse groß schien. Wie lange haben Zuschauer wirklich Lust auf ein ewig breit getretenes Sci-Fi-Universum, das bereits jetzt kaum jemandem großen Spaß zu machen scheint? Und wie lange möchte Netflix sich das noch leisten, wenn die Ergebnisse wiederholt einem derart teuren Image-Schaden gleich kommen? Reine Zuschauerzahlen kann der Dienst gewiss mit anderen, besseren Projekten günstiger generieren.




Kommt es auf die Länge an?
Zack Snyder wird uns selbstverständlich in den kommenden Monaten wieder und wieder vorhalten, eigentlich hätten wir Rebel Moon ja noch gar nicht richtig gesehen. Die noch mal längeren , unzensierten Director's Cuts seiner sowieso schon jeweils mehr als zweistündigen Filme, würden alles verändern .
Es gäbe da noch so viel mehr zu entdecken, zu erzählen, wofür die Zeit vorher nicht gereicht habe. In einem ganz anderen Licht würden wir die ersten beiden Filme dann sehen. Wir glauben ihm das nicht, weil wir es Zack Snyder auch gar nicht mehr zutrauen.
Kein Fundament für eine Zukunft
Sein Director's Cut von Justice League ist dafür kein Argument. Bei diesem Projekt war er mittendrin ausgestiegen, woraufhin Joss Whedon für die Kinoversion nicht nur die gesamte Nachproduktion, sondern darüber hinaus den Dreh neuer Szenen übernommen hat.
Heraus kam ein tatsächlich sehr anderer Film, als Snyder ihn ursprünglich begonnen und größtenteils gefilmt hatte. Als er Jahre darauf zum Start von HBO Max in den USA die Chance erhielt, seine von Fans herbeigesehnte Vision der Justice League nachträglich fertigstellen und veröffentlichen zu dürfen, war das ein wirklich eigenes, anderes, neues, überlanges Werk. Weit über die Ausmaße üblicher Director's Cuts hinaus.
Unsere Hauptkritikpunkte an Rebel Moon waren ohnehin nie, die Filme seien zu kurz oder gar zu vollgepackt, um alles Nötige erzählerisch gut unterzubringen. Oder die Action wäre nicht blutig und brutal genug. Beide Filme schaffen es einfach in keiner ihrer insgesamt 255 bereits jetzt vorhandenen Minuten, jegliche Substanz für nachhaltiges Zuschauerinteresse aufzubauen.
Sei es Spannung, sei es kreatives Design, sei es erzählerische Dramaturgie oder einfach nur beeindruckendes Bildspektakel. All das fällt in den Grundversionen der Filme über die Maße flach aus, obwohl Zack Snyder uns diese Fassungen ja bereits als von ihm für gut befundene Produkte vorgesetzt hat.




Woher sollen wir da die Fantasie nehmen, dass derselbe Regisseur nun auf einmal imstande dazu sei, per verlängerter Schnittfassung doch noch ein Gespür für alles an den Tag zu legen, was er vorher konsequent hat vermissen lassen?
Rebel Moon: Teil 2 ist nur noch kurzweiliges vor sich hin ballern, nachdem schon der erste Teil nichts packendes zu erzählen wusste. Visuell ein wenig angenehmer, aber Actionszenen sowie die Kulissengestaltung bleiben mehrere Klassen schlechter und uninteressanter als beispielsweise in Dune , Foundation , beim Mandalorian oder aktuell in Amazons Fallout-Serie .
Sollten weitere Rebel-Moon-Folgen kommen, gibt es momentan keine vielversprechenden Ansätze oder überhaupt ein nutzbares Fundament, auf das sich von hier an weiter aufbauen ließe.
Rebel Moon: Teil 2 – Die Narbenmacherin ist am 19.04.2024 weltweit bei Netflix erschienen.



