Realtime-Bidding: Werbenetzwerke im Visier der Datenschützer

Echtzeit-Auktionen für Internetwerbung arbeiten mit teilweise sehr sensiblen Nutzeretikettierungen. Drei europäische Datenschutzaufsichtsbehörden müssen nun entscheiden, ob diese Praxis von Google und anderen Anbietern zulässig ist.

Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Bei den Auktionen von Werbeplätzen werden sensible Nutzerdaten mitversteigert.
Bei den Auktionen von Werbeplätzen werden sensible Nutzerdaten mitversteigert. (Bild: Paulo Whitaker/Reuters)

Googles Werbenetzwerk versieht Nutzer mit Etiketten, um Werbeanzeigen möglichst individuell ausspielen zu können. Dabei ist dem Suchmaschinenkonzern nichts heilig: politische Präferenzen, Spiritualität, Drogenkonsum, Geschlechtskrankheiten, Krebs oder psychische Probleme - für alle Lebensumstände gibt es ein Etikett, eine Marketingkategorie. Diese knapp 2.300 Etiketten reicht Google im Rahmen der Echtzeit-Werbeauktion an Tausende Geschäftspartner weiter. Ob diese Praxis mit den Vorgaben der europäischen Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) übereinstimmt, wird derzeit von mehreren europäischen Datenschutzaufsichtsbehörden geprüft.

Inhalt:
  1. Realtime-Bidding: Werbenetzwerke im Visier der Datenschützer
  2. Eine Frage der Verantwortlichkeit

Diskutiert wird die Nutzeretikettierung bereits seit fast zehn Jahren in verschiedenen Fachkreisen. Zu einer verbindlichen Entscheidung der Aufsichtsbehörden ist es bisher aber nicht gekommen.

Beschwerde gegen Echtzeit-Werbeauktionen

Der Internetforscher und Buchautor Johnny Ryan, der für den Browserhersteller Brave arbeitet, Jim Killock von der Open Rights Group und Michael Veale vom University College London hatten vergangenen Herbst eine Beschwerde gegen die Echtzeit-Werbeauktion, englisch "real-time bidding", eingereicht, mit dem "Google und andere" ihrer Auffassung nach gegen die DSGVO "in großem Maßstab und systematisch" verstoßen.

Als Beweis listen die Beschwerdeführer die von Google und der IAB verwendeten Marketingkategorien auf. Sie argumentieren, dass Nutzer ihre ausdrückliche Einwilligung für diese Art der Datenerhebung erteilen müssen. Denn man könne nicht davon ausgehen, dass die Nutzer wüssten, dass die Werbetreibenden sie mit politischen, religiösen oder medizinischen Etiketten versähen - und diese dann noch mit einer unüberschaubaren Zahl von Werbepartnern teilten.

Europaweite Entscheidung angestrebt

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Der Beschwerde hat sich auch inzwischen die polnische Bürgerrechtsorganisation Panoptykon Foundation angeschlossen. Sie liegt damit den Datenschutzaufsichtsbehörden in Irland, Großbritannien und Polen vor. Die Beschwerdeführer wollen damit eine europaweit geltende Entscheidung der Aufsichtsbehörden herbeiführen.

Die Beschwerdeführer kritisieren die mangelnde Transparenz der Auktionssysteme, dies es Nutzern unmöglich machten, ihre Rechte wahrzunehmen. "Es gibt keine Möglichkeit, diese Marketingkategorien zu verifizieren, zu berichtigen oder zu löschen, denen wir zugeordnet werden", sagt Katarzyna Szymielewicz von Panoptykon. Für sie steht daher fest: "IAB und Google müssen ihre Systeme umgestalten, um dieses Versagen zu beheben."

Die Frage ist nur, ob Werbenetzwerke den Prozess einer ausdrücklichen Einwilligung ökonomisch überleben würden. "Die Browser würden mit gruseligen Anfragen überschwemmt werden, in denen völlig unbekannte Firmen nachfragen, ob sie intime Informationen verarbeiten dürfen", schreibt das Online-Magazin Techcrunch und kommt zu dem Schluss: "Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Leute damit einverstanden wären." Schon die schiere Datenmasse lässt an einer praktikablen Einwilligungslösung zweifeln: So schätzt die New Economics Foundation, dass Werbeunternehmen im Schnitt 164-mal am Tag ein Profil eines durchschnittlichen Internetnutzers in Großbritannien an andere Unternehmen senden.

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Eine Frage der Verantwortlichkeit 
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