Realistische KI-Videos: Disney wirft Bytedance "virtuellen Raubüberfall" vor
Das Hollywoodstudio Disney hat Bytedance wegen des KI-Modells Seedance 2.0 ein Unterlassungsschreiben geschickt. Das Filmstudio verwies dabei darauf, dass in den per KI erzeugten Clips unerlaubt Figuren etwa aus Star Wars und dem Marvel-Universum vorkamen, wie in Branchenkreisen nach einem Bericht des Magazins Axios(öffnet im neuen Fenster) bestätigt wurde.
"Trotz der öffentlich bekannt gemachten Einwände von Disney missbraucht Bytedance die Figuren von Disney, indem es diese reproduziert, vertreibt und abgeleitete Werke mit diesen Figuren erstellt. Der virtuelle Raubzug von Bytedance auf das geistige Eigentum von Disney ist vorsätzlich, weitreichend und völlig inakzeptabel" , schrieb David Singer, der externe Anwalt von Disney.
Seedance 2.0 hatte diese Woche zunächst mit einem per KI erzeugten Video die US-Filmbranche aufgeschreckt. In dem KI-Video sind die Hollywood-Stars Tom Cruise und Brad Pitt im Kampf auf einem Hausdach zu sehen . Der Chef des Branchenverbandes Motion Picture Association (MPA), Charles Rivkin, forderte Bytedance auf, Urheberrechte zu wahren.
Immer bessere KI-Videosoftware
Das in China ansässige Bytedance-Unternehmen hatte erst kürzlich das US-Geschäft von Tiktok an neue Investoren abgegeben , die Kontrolle über die Video-App im Rest der Welt aber behalten.
In den vergangenen Jahren sind die Fähigkeiten von KI-Software immer besser darin geworden, Videos aus Textvorgaben zu erzeugen. So brachte der ChatGPT-Entwickler OpenAI im vergangenen Jahr mit Sora 2 eine Software heraus, bei der sich Nutzer nach einem kurzen Scan mit dem Smartphone auch selbst in kurze Videoclips einbauen können.
Filmschaffende sorgen sich um ihre Jobs
Disney gewährte OpenAI eine Lizenz zur Nutzung der Figuren des Studios in den Sora-Videos und investierte eine Milliarde US-Dollar in die KI-Firma. Gegen andere Entwickler gingen Disney und weitere Hollywood-Unternehmen rechtlich vor, es ging um den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung.
Der bekannte Drehbuchautor Rhett Reese sorgt sich wegen des Videos mit Cruise und Pitt um seinen Job . Er schrieb an Drehbüchern mit, unter anderem bei mehreren Deadpool-Verfilmungen und an Zombieland. Er fürchtet nun, dass bald Filme mit Hollywood-Qualität von einer einzigen Person am Computer erstellt werden könnten.
Netflix zeigt keine Angst vor KI
Netflix-Inhaltschefin Bela Bajaria sieht die KI-Entwicklung dagegen gelassen. Auch wenn der Clip mit Cruise und Pitt eine "coole Actionszene" gewesen sei – "es ist nicht wirklich das, was Leute mit Geschichten verbindet" , sagte sie dem US-Fernsehsender CNBC(öffnet im neuen Fenster) . Emotionen und die Kunst des Geschichtenerzählens könne man nicht ersetzen.
Für Netflix wiederum werde es "nie darum gehen, etwas billiger zu machen" , versicherte die Managerin des Streaming-Riesen. Bei dem Dienst wurde KI bisher punktuell in einigen Produktionen eingesetzt.
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.