RE Camera im Hands On: HTCs Action-Kamera in Inhalator-Form

HTC hat mit der RE Camera seine erste Action-Kamera vorgestellt, die wasserdicht ist und mit zahlreichem Zubehör erweiterbar sein soll. Ungewöhnlich ist die Form des displaylosen Gerätes: Sie erinnert mehr an ein Asthmaspray als an eine Kamera.

Der gebogene Body der Kamera lässt sich bequemer halten als etwa eine Action-Kamera von Gopro ohne zusätzliches Gehäuse. Das verhältnismäßig große Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 und einem Ablichtungswinkel von 146 Grad sitzt an der kurzen Seite der Biegung.
Einschalten muss der Nutzer die RE Camera nicht explizit: Über einen Sensor merkt sie, wenn sie in die Hand genommen wird, und schaltet sich selbst ein. Weitere Einstellungen können über die RE-Camera-App vorgenommen werden, die es sowohl für Android als auch für iOS geben soll.







Ein Display hat die RE Camera nicht, die Bedienung direkt am Gerät selbst erfolgt über nur zwei Knöpfe. Der Hauptknopf lässt sich gut mit dem Daumen erreichen, wenn die Kamera in der Hand gehalten wird. Ein kurzer Druck nimmt ein Foto auf, ein langer Druck ein Video. Über verschiedenfarbige LEDs wird der Betriebsmodus angezeigt.
Zeitlupe auf Knopfdruck
In den Slow-Motion-Modus schaltet der Nutzer mit Hilfe eines zweiten Knopfes, der sich auf der Vorderseite der Kamera direkt unter dem Objektiv befindet. Die Auflösung beträgt 16 Megapixel, der CMOS-Sensor hat eine Größe von 1/2,3 Zoll. Videos kann die Kamera mit 1.080p bei 30 fps oder 720p bei 60 fps aufnehmen.
Diese Aufnahmebedingungen wurden bereits von der letzten Gopro-Generation übertroffen. Mit der Hero hat Gopro zudem gerade erst eine sehr preisgünstige Action-Kamera für Einsteiger eingeführt, die ebenfalls mit diesen Auflösungen und Bildraten aufnehmen kann.
HTC möchte gegenüber der Konkurrenz mit der Anbindung an das Smartphone punkten: Aufgenommene Fotos und Videos können mit der App direkt auf das mobile Gerät geladen und beispielsweise im Internet geteilt werden. Eine Verbindung über WLAN nach 802.11a/b/g/n ist ebenfalls möglich.
Koppelung mit dem Smartphone
Die Kamera wird hierbei mit dem Smartphone über Bluetooth LE verbunden, ein Einstellungsmenü ermöglicht anschließend etwa die Änderung der Auflösung oder eine automatische Auslösung.
Die Micro-SD-Speicherkarte wird am unteren Ende der RE Camera eingesteckt, mitgeliefert wird eine 8-GByte-Karte. Verwendet werden können Karten mit einer Speicherkapazität von bis zu 128 GByte. Ebenfalls am unteren Ende befindet sich ein 1/4-Zoll-Stativgewinde. Dieses ist aus Kunststoff, der Nutzer sollte also darauf achten, die Stativschraube nicht zu überdrehen - ein Schaden am Gehäuse wäre dann sehr wahrscheinlich.
Mikrofon und Lautsprecher - aber kein Display
Das Mikrofon befindet sich am oberen Ende des Kameragehäuses, sollte also im Normalfall nicht vom Nutzer mit einem Finger abgedeckt werden. Einen Lautsprecher hat die RE Camera ebenfalls: Dieser gibt Signaltöne von sich, etwa wenn ein Video gestartet wird.
Gehäuse bis 1 Meter wasserdicht
Das Gehäuse der RE Camera ist nach IP57 staubdicht und gegen Wasser geschützt. Nutzer können die Kamera bis zu 30 Minuten lang in einer Tiefe von maximal einem Meter verwenden. Laut HTC wird es auch ein Zubehörteil geben, um die Kamera gegen den Druck größerer Tiefen abzudichten. Das scheint auch nötig zu sein, betrachtet man die möglichen Tiefen bei anderen Action-Kameras.
Dockingstation wird mitgeliefert
Zum weiteren Zubehör gehört die Lade- und Dockingstation, die auch als Ständer für die RE Camera fungiert. Außerdem wird es laut HTC Halterungen für einen Rucksackgurt geben, mit dem die Kamera an der Brust getragen werden kann, sowie eine Gürtel- und eine Kopfhalterung.







Über die Bildqualität können wir noch keine genauen Aussagen treffen, da wir noch kaum Bildmaterial sichten konnten. Die ersten Eindrücke sind aber gut, sowohl was die Videos als auch die Fotos betrifft. Der Bildeindruck ist scharf, in 720p natürlich etwas weniger klar. Ein eingebauter Bildstabilisator soll ruckelige Filme verhindern.
Der fest eingebaute Akku hat eine Nennladung von 820 mAh. Dies soll laut HTC für bis zu 1.200 16-Megapixel-Fotos oder 1 Stunde und 40 Minuten kontinuierliche Full-HD-Videoaufnahmen reichen.

Die RE Camera soll ab November 2014 für 200 Euro im Handel erhältlich sein.
Fazit
Die RE Camera wirkt von der Form her zunächst etwas eigentümlich, das Gerät liegt aber überraschend gut in der Hand. Mit dem passenden Zubehör dürfte sich die Kamera relativ unauffällig an einem Rucksackgurt oder einer Hose befestigen lassen.
Dank des eingebauten Wasserschutzes benötigt der Nutzer kein extra Gehäuse, um die Kamera mit ins Wasser zu nehmen - auch wenn sie sich mit der gegebenen Schutzart eher nur für oberflächliche Planschereien eignet. Hier bietet in einer vergleichbaren Preisklasse die neue Gopro Hero mit 40 Meter Tiefe deutlich mehr Spielraum.
Gopros kürzlich vorgestellte Einsteiger-Action-Kamera Hero ist womöglich der größte Konkurrenz für die RE Camera: Im Grunde ist sie der HTC-Kamera in nahezu allen technischen Belangen zumindest ebenbürtig, aber mit 125 Euro deutlich günstiger. Die Hero kann Videos in 1.080p bei 30 fps und 720 p bei 60 fps aufnehmen, hat ein sehr weitwinkliges Objektiv und ist sehr leicht und kompakt. Zudem ist ihre Akkulaufzeit mit über 2,5 Stunden bei 1.080p und 30 fps höher als die der RE Camera.
Dafür kann die Hero nur Fotos mit 5 Megapixeln aufnehmen, die RE Camera mit 16 Megapixeln. Für Nutzer, die auch Fotos machen wollen, könnte das der ausschlaggebende Punkt sein - falls die Bildqualität der RE Camera gut ist. Angesichts des deutlich höheren Preises dürften aber diejenigen Interessenten, die eher an Videoaufnahmen interessiert sind, überlegen, ob ihnen das den Aufpreis wert ist - und diese Zielgruppe dürfte HTC eher im Sinn haben. Die RE Camera ist insbesondere aufgrund der Form und der Smartphone-Anbindung ein interessantes Gerät, im Vergleich zur Gopro Hero erscheint sie uns aber etwas zu teuer.



