Razzien und Jamming: Iran macht Jagd auf Starlink-Schüsseln

Im Zuge der anhaltenden Proteste im Land hat das iranische Regime am vergangenen Wochenende im Westen Teherans mit der Suche und Beschlagnahmung von Starlink-Satellitenschüsseln begonnen. Das sagte Amir Rashidi von der US-amerikanischen Miaan Group gegen Internetzensur der Wirtschaftszeitung Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) .
Ein Nutzer in Teheran, der am frühen Sonntagmorgen über eine Starlink-Verbindung mit dem Wall Street Journal sprach, sagte, er habe von Verwandten aufgenommene Protestvideos hochgeladen. Diese habe er dann an Dritte im Ausland weitergeleitet, die sie in den sozialen Medien veröffentlichten.
"Wer Starlink nutzt, macht das nicht öffentlich und lädt Videos nur an vertrauenswürdige Personen hoch" , sagte er über seine knisternde und verzerrte Starlink-Verbindung.
Wie Starlink im Iran technisch gestört wird
Der Iran setzt verschiedene technische Mittel ein, um die Nutzung von Starlink-Terminals im Land zu unterdrücken . Die Geräte benötigen GPS-Signale(öffnet im neuen Fenster) (GPS-Fix) über den eigenen Standort, um Satelliten zu finden und den Beam präzise auszurichten. Auch die Zeitinformationen der Satelliten stammen primär von GPS-Satelliten.
Der Iran setzt vermehrt GPS-Spoofing ein. Dabei werden gefälschte GPS-Signale gesendet, die dem Gerät vorgaukeln, es befinde sich an einem völlig anderen Ort. Das Terminal versucht dann, Satelliten an Positionen zu kontaktieren, die von seinem tatsächlichen Standort aus nicht erreichbar sind, was zum Verbindungsabbruch führt.
Beim Jammen von GPS hat Starlink jedoch eine Lösung, da die russischen Invasoren bereits in der Ukraine dazu greifen. In der Starlink-App kann man die Lokalisierung von GPS auf eine proprietäre Methode umstellen.
Über die reine GPS-Störung hinaus nutzt das Regime laut Expertenberichten der Miaan Group und Netblocks auch militärische Störsender für die Starlink-Frequenzen im Ku- und Ka-Band. Es wird ein starkes Funksignal auf den Frequenzen ausgesendet, die das Satellitennetzwerk für den Up- und Downlink nutzt.
Es gibt Berichte über mobile Einheiten (ähnlich dem System Kalinka), die gezielt in Stadtvierteln eingesetzt werden, in denen Starlink-Aktivität vermutet wird. Diese können lokal begrenzt den Empfang zu 80 Prozent lahmlegen.
Iran protestiert bei der ITU
Die Terminals werden von Iranern deshalb oft in Vertiefungen platziert oder mit Metallplatten zu den Seiten hin abgeschirmt. Da das Starlink-Signal von oben kommt, die Störsignale der iranischen Jam-Sender aber meist horizontal eintreffen, kann eine seitliche Barriere das Störsignal dämpfen.
Die Nutzung von Starlink ist im Iran illegal. In jedem Land müssen Satellitenbetreiber Lizenzen für Frequenzbänder bei der nationalen Regulierungsbehörde beantragen. Der Iran hat solche Lizenzen für SpaceX nie erteilt. Die Regierung beschwerte sich bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) der UN und forderte, dass Starlink den Dienst über seinem Hoheitsgebiet abschaltet, da dies gegen die Souveränität des Landes verstoße.



