Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Razr I im Test: Intel-Smartphone mit guter Akkulaufzeit

Motorola hat sein erstes Android-Smartphone mit einer CPU von Intel vorgestellt. Sie hat nur einen Kern, unterstützt aber Hyperthreading und arbeitet mit 2 GHz. Einschränkungen bei der App-Auswahl gibt es nur wenige. Die Akkulaufzeit ist erstaunlich gut.
/ Jörg Thoma
206 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Razr I von Motorola ist ein Android-Smartphone mit Intel-Prozessor. (Bild: Nina Sebayang/Golem.de)
Das Razr I von Motorola ist ein Android-Smartphone mit Intel-Prozessor. Bild: Nina Sebayang/Golem.de

Mit dem Razr I von Motorola will Intel seine mobilen Prozessoren für Android nun auch weltweit anbieten. Bisher gab es nur wenige Smartphones mit Intels Medfield-Plattform, etwa das Lava Xolo , das nur in Indien verfügbar ist. Intel preist seine SoCs als stromsparend an. Außerdem soll der Prozessor auch mit einem Kern eine Leistung bringen, die mit der aktueller ARM-Zweikernprozessoren vergleichbar ist. Das ist auch so, wie unser Test bestätigt.

Motorola Razr I - Test
Motorola Razr I - Test (02:31)

Das Razr I ist das erste Android-Smartphone von Motorola mit einer CPU von Intel. Als Betriebssystem kommt Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich zum Einsatz. Motorola verspricht ein Update auf Jelly Bean im Oktober 2012. Der Prozessor hat nur einen Kern. Mit Hyperthreading zeigt er sich dem Betriebssystem aber wie ein Dual-Core-Prozessor. Das soll die Leistung für die Anwendungen erhöhen, die mehrere Kerne nutzen können. Der als Atom Z2480 bezeichnete Prozessor kann mit bis zu 2 GHz getaktet werden, läuft aber im Normalbetrieb mit 600 bis 1.400 MHz. Das soll vor allem die Akkulaufzeit erhöhen.

Der Arbeitsspeicher beträgt 1 GByte. Der interne Speicher von 8 GByte ist nicht üppig. Anwender können das Smartphone aber mit einer Micro-SD-Karte aufrüsten, die bis zu 32 GByte Kapazität haben darf. Die für die Verbindung zu einem Windows-Rechner notwendigen Treiber liegen dem Razr I in einem CD-ROM-Image auf dem Flashspeicher bei.

Gutes WLAN und NFC

Das GSM-Modul unterstützt die Frequenzen 850, 900, 1.800 und 1.900 MHz. Das UMTS-Modul deckt die Frequenzbänder mit 900, 1.900 und 2.100 MHz ab. Eine Version mit LTE ist nicht geplant. Ins WLAN verbindet sich das Razr I nach 802.11 a/b/g/n und unterstützt damit WLAN im Bereich von 2,4 und 5 GHz.

Außerdem ist Motorolas Smartphone mit einem NFC-Chip ausgestattet. Bluetooth wird laut Datenblatt in Version 2.1 unterstützt. Das GPS-Modul funktioniert auch in Innenräumen zuverlässig, sofern sie sich in den oberen Etagen befinden. Das russische Satellitennavigationssystem Glonass wird nicht unterstützt.

Lange Laufzeiten

Ein Akkutausch durch den Anwender ist nicht vorgesehen. Der Akku hat laut Motorola eine Kapazität von 2.000 mAh. Unter unseren Testbedingungen - wir arbeiteten bei voller Bildschirmhelligkeit, aktiviertem WLAN, aktiver E-Mail-Verbindung zu einem IMAP-Server sowie einer stets aktiven Twitter- und Facebook-Verbindung - musste das Razr I erst nach mehr als eineinhalb Tagen wieder aufgeladen werden. Zum Vergleich: Fast alle bisher so getesteten Android-Smartphones mussten am selben Abend wieder ans Stromnetz. Auch die Entladung im Standby-Modus war beeindruckend gering. Von Freitagabend bis Montagmorgen reduzierte sich die Akkukapazität um nur 1 Prozent.

Display und Kamera

Als GPU kommt ein PowerVR 540 von Imagination zum Einsatz, der mit 400 MHz läuft. Das 4,3-Zoll-Display des Razr I hat eine Auflösung von 960 x 540 Bildpunkten. Die Abdeckung des Amoled-Displays ist aus Gorilla Glass 2 von Corning. Ein Teil des Displays geht für die Softwaretasten von Android aber verloren. In direktem Sonnenlicht ist das Display bei maximaler Beleuchtung gut lesbar. Bei maximaler Beleuchtung wirken die Farben grell und übersättigt. Der Helligkeitssensor ist etwas träge, funktioniert aber zuverlässig. Der Lagesensor funktioniert gut und reagiert nicht hektisch auf Drehungen des Smartphones. Die Bildschirmtastatur wurde ohne Änderungen aus Android übernommen.

Robust und schlank

Auffällig ist der kleine seitliche Rand zwischen Display und Gehäuse. Damit erscheint der Bildschirm im Verhältnis zum Smartphone größer und das Smartphone wirkt insgesamt schlank. Dabei hat das Gehäuse mit 60,9 x 122,5 x 8,3 mm die gleichen Maße wie das des Razr M mit ARM-Prozessor. Auch das Gewicht ist gleich, beide wiegen etwa 126 Gramm.

Der Rahmen des Smartphones ist aus Aluminium und mit sechs Torx-Schrauben am Gehäuse fixiert. Die rückseitige Abdeckung ist aus geriffeltem Kevlar und lässt sich nicht entfernen.

Dedizierter Bildprozessor

Auf der linken Längsseite befinden sich hinter einer Klappe aus Gummi die Einschübe für die Micro-SIM- und die Micro-SD-Karte. Auf der gegenüberliegenden Seite ist zusätzlich zum Ein- und Ausschalter sowie dem Wippschalter für die Lautstärkeregelung noch ein Auslöser für die Kamera.

Damit lässt sich die 8-Megapixel-Kamera sofort aktivieren, auch wenn sich das Smartphone im Schlafmodus befindet. Das SoC im Razr I verfügt über eine dedizierte Einheit zur Bearbeitung von Bildern, die Intel durch das Unternehmen Silicon Hive vor kurzem zugekauft hat. Die Aufnahmen sind qualitativ durchschnittlich. Auf der Vorderseite befindet sich eine 0,3-Megapixel-Kamera für die Videotelefonie.

10 Bilder pro Sekunde

Mit dem Bildprozessor können auch Serienaufnahmen gemacht werden. Dabei entstehen 10 Bilder in einer Sekunde. Bei normalen Lichtverhältnissen bleibt das bewegliche Motiv weitgehend scharf. Ist wenig Licht vorhanden, nimmt die Unschärfe wegen längerer Belichtungszeiten jedoch zu. Der Lichtmesser reagiert zuverlässig und schnell, etwa bei selbst aufgenommen Videos mit stark variierenden Lichtverhältnissen.

Intel und Android

Für den Einsatz auf Intels SoC musste Android auf die x86-Architektur portiert werden . Intel beteiligt sich aktiv an der Entwicklung von Android für seine Atom-Chipsätze.

Manchmal besser als das iPhone 5

Vor allem die Javascript-Engine des Android-Browsers für die x86-Architektur will Intel optimiert haben. Das belegen auch die Tests mit Googles Javascript-Benchmarks Octane, die wir vorgenommen haben. Dort kann das Razr I im Vergleich zum iPhone 5 auftrumpfen. Das liegt auch daran, dass die meisten Einzeltests nur einen Kern nutzen, so dass der zweite Kern des iPhone 5 hier keinen Vorteil bringt. Das Razr I dürfte zudem vom hohen CPU-Takt profitieren.

Insgesamt kommt das Razr I auf 2.097 Punkte, rund 24 Prozent mehr als das iPhone 5. In einigen Einzelbenchmarks ist das Razr I deutlich schneller als das iPhone 5, in anderen deutlich langsamer, und drei der Einzelbenchmarks laufen in dem Browser gar nicht. Octane berechnet die Gesamtpunktzahl als geometrischen Durchschnitt der Einzelwerte, so dass die nicht lauffähigen Benchmarks das Gesamtergebnis nicht negativ beeinflussen. Alle Benchmarks wurden dreimal durchgeführt, angegeben sind die Durchschnittswerte.

Geekbench-Werte sind schlechter

Im Hardwarebenchmark Geekbench 2 hingegen liegt das Razr I mit 1.013 Punkten wieder hinter dem iPhone 5 mit 1.645 Punkten. Hier liegen beide in den Einzelbewertungen nur bei dem Stream-Benchmark gleichauf, bei dem eine Kombination von Fließkommaberechnungen und Speicherzugriffen gemessen wird. Im Gesamtwert liegt auch das Galaxy Nexus mit seinem Cortex-A9-Dual-Core-Prozessor mit 1.065 Punkten vorne. Dessen CPU ist mit 1,2 GHz getaktet. Intel selbst gibt an, seine Prozessoren seien mit aktuellen ARM-Zweikernprozessoren vergleichbar. Im GL-Benchmark 2.5 liegt das Razr I aber im unteren Bereich. In Egypt HD erreichte es lediglich 12 FPS. Eine nennenswerte Wärmeentwicklung am Gehäuse konnten wir bei einer Volllast des Prozessors oder der GPU nicht feststellen.

Dennoch konnten wir in den von uns getesteten Anwendungen keine Ruckler oder Geschwindigkeitseinbußen beziehungsweise Inkompatibilitäten feststellen. Auch Anwendungen, die auf Systemkomponenten zugreifen, etwa der Wifi-Analyzer, funktionieren auf dem Smartphone ohne Einschränkungen.

Dalvik-Apps laufen ohne Anpassungen

Applikationen, die mit dem SDK für die Dalvik VM entwickelt wurden, laufen laut Intel ohne Anpassungen und ohne Portierung auf Android für Intel-Prozessoren. Demnach benötigen lediglich mit dem Native Development Kit (NDK) erstellte Anwendungen Anpassungen für die x86-Plattform. Googles Chrome-Browser beispielsweise lässt sich auf dem Razr I nicht installieren. Laut Google soll im Oktober 2012 eine erste Portierung fertig werden. Auf Adobe Flash müssen Anwender sowieso künftig verzichten.

Im Standardbrowser werden Webseiten schnell geladen. Das Scrollen ist flüssig, auch auf Webseiten mit vielen Bildern. Beim Abspielen von HTML5-Videos im Webbrowser schaltet das Razr I automatisch in den Vollbildmodus. Dort allerdings verschwindet die Statusanzeige und erscheint sofort wieder. Damit verändert sich auch immer wieder die Auflösung leicht, was etwas irritiert.

Videos in 1080p kann das Razr I abspielen. Allerdings fehlt der gängige AC3-Codec. Damit lassen sich bislang unter Android abspielbare Videos wie Sintel oder Big Buck Bunny nur ohne Ton abspielen. Der einzige Lautsprecher des Geräts ist mittelmäßig. Er bringt keine Bässe und verzerrt Höhen bei zunehmender Lautstärke. Die Klangausgabe über Kopfhörer ist hingegen gut.

Verfügbarkeit und Fazit

Motorola will das Razr I(öffnet im neuen Fenster) im Oktober 2012 auf den deutschen Markt bringen und es bei den beiden Netzbetreibern E-Plus und O2 anbieten. Der Listenpreis wird mit 400 Euro angegeben.

Fazit

Optisch macht das Razr I einen schicken Eindruck. Es wirkt schlank und liegt gut in der Hand. Auch kleine Hände können ohne Verrenkungen alle Schaltflächen und auch fast alle Stellen auf dem Bildschirm erreichen. Mit dem Aluminiumrahmen und der Rückseite aus Kevlar ist es zudem robust.

Das Display ist vergleichsweise klein, für den Preis von 400 Euro allerdings durchaus angemessen. Auch sonst ist die Ausstattung für die Preisklasse überdurchschnittlich.

Die Benchmarks zeigen deutlich, dass das Smartphone mit Intel-Plattform denjenigen mit ARM-Prozessoren durchaus ebenbürtig ist und sie sogar in einigen Bereichen weit übertrumpft. Auch die Akkulaufzeit beeindruckt und gehört zu den besten, die wir mit Android-Geräten bislang gemessen haben.

Mit nur wenigen Abstrichen, wie der unterdurchschnittlichen OpenGL-Leistung, bekommt der Anwender für 400 Euro ein gutes Gerät.


Relevante Themen