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Razer Zephyr im Test: Gesichtsmaske mit Stil bringt nicht viel

Einmal Cyberpunk mit Beleuchtung bitte: Tragen wir Razers Zephyr in der U-Bahn, fallen wir auf. Allerdings ist das Produkt nicht ausgereift.
/ Oliver Nickel
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Razers Zephyr im Cyberpunk-Look soll den Atem filtern. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Razers Zephyr im Cyberpunk-Look soll den Atem filtern. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Lange hat Razer an seiner Atemmaske gefeilt: Zunächst hatte der Konzern das Project Hazel eher scherzhaft als Schutzmaßnahme für echte Gaming-Enthusiasten vorgestellt. Das doch hohe Interesse an einem solchen Konzept hat das Unternehmen schließlich dazu veranlasst, das Projekt tatsächlich umzusetzen .

Nach einigen Entwicklungsschritten und Designänderungen kommt Razers skurrile Atemmaske schließlich auf den Markt. Project Hazel wurde zur Razer Zephyr , einer besonders auffälligen Option, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Innenräumen die Coronaregeln einzuhalten. Leider merkt man dem Produkt die hastige Entwicklungszeit an. Die Zephyr sieht in ihrer eigenen Weise zwar schick aus, ist aber im Alltag sehr unpraktisch.

Die Maske im öffentlichen Raum zu tragen, erfordert aber ehrlicherweise etwas Überwindung. Schließlich ist es nicht unbedingt Mode, eine nach Cyberpunk und Gaming aussehende Gesichtsmaske zu tragen. Und dann leuchtet sie auch noch farbenfroh. Wir fallen in der Berliner U-Bahn anfangs auch auf: Menschen schauen uns kurz an, widmen sich dann aber wieder ihren Smartphones oder ihren eigenen Gedanken. In Berlin gibt es nur noch wenig, das wirklich überrascht – einschließlich Nerds mit Gesichtsmaske.

Auffallen in der U-Bahn

Im öffentlichen Raum und im Alexa-Shoppingcenter am Berliner Alexanderplatz wurden wir im kurzen Test von niemandem angesprochen oder darauf hingewiesen, eine andere Art Mund-Nasen-Schutz zu tragen – trotz des sonderbaren Aussehens der Maske. Trotzdem stellte sich später raus: Wir sind uns nicht so sicher, ob sie wirklich den Coronarichtlinien entspricht, weshalb wir unser Stadtexperiment schnell unterbrochen und wieder eine herkömmliche FFP2-Maske genutzt haben.

Die Zephyr bietet genug Tragekomfort für längere Bahnfahrten. Viele Menschen wollen Masken ungern tragen, da sie oft die Atmung erschweren. FFP2-Masken haben für Brillenträger zudem die unangenehme Eigenschaft, dass die Gläser recht schnell beschlagen. Zumindest das können wir bei der Zephyr weniger feststellen. Zu Punkt eins würden wir sagen: Die Zephyr lässt weniger Raum zum Atmen. Das müsste allerdings nicht sein, wenn die Filter nicht so klein wären. Das ist ein Grund, warum Luft ungefiltert teilweise auch an ihnen vorbeigeleitet wird.

Ein weiterer Grund ist die flexible Silikonhaube, die sich auf unser Gesicht legt. Ziehen wir die Maske mit einem Klemmverschluss am Kopf fest, drückt sich das Silikon um Mund und Nase. An sich sollte das ausreichen, allerdings sind an den Seiten Lücken, an denen Luft entweichen kann. Das macht das Konzept der aktiv gekühlten Filter, die Razer bei der Maske einsetzt, von vornherein zunichte.

Guter Tragekomfort der Gesichtsmaske

Das ist schade, denn an sich trägt sich die Maske angenehm. Nichts drückt oder sitzt zu eng und die beiden Bänder lassen sich an kleine und große Kopfformen anpassen. Es ist eben nur gewöhnungsbedürftig, schwerer atmen zu können. Menschen, die bereits Lackiermasken oder andere Schutzmittel getragen haben, dürften Besseres gewohnt sein.

Das transparente Fenster aus Kunststoff ist dabei eine nette Dreingabe. Beim Sprechen können unsere Gesprächspartner unseren – optional auch beleuchteten Mund – stets sehen. Cyberpunk-Feeling kommt bei der Zephyr auf jeden Fall auf. Es ist aber schade, dass hier keine Mikrofone verbaut wurden. Die hat Razer mit einigen anderen Funktionen aus Project Hazel gestrichen – vermutlich, um Kosten zu sparen.

Unabhängig von der Außenwirkung: In der Umsetzung hakt es beim Zephyr an weiteren Stellen, etwa an der Luftkühlung.

Rauschende Atemmaske

Die Zephyr hat eine aktive akkubetriebene Kühllösung verbaut: Jeweils ein kleiner 25-mm-Lüfter bläst uns im angeschalteten Zustand frische Luft von außen an den Mund. Das Problem: Die Lüfter sind sehr laut und nerven schon nach wenigen Minuten, und das selbst bei niedriger Drehzahl von zwei möglichen Stufen. Da sie sich sehr nah an unserem Gesicht befinden und dann besonders deutlich zu hören sind, müssen wir also beim Tragen duldsam sein.

Da die Lüfter unserer Meinung nach sowieso nicht allzu viel bringen, schalten wir sie daher innerhalb der App – ja, auch die gibt es – ab. Dazu koppeln wir die Gesichtsmaske per Bluetooth mit unserem Smartphone. Innerhalb des Programms können wir neben den Lüftern auch die in der Öffentlichkeit vielleicht etwas zu auffällige Beleuchtung abschalten. Alternativ können wir auch unseren inneren Gamer komplett rauslassen und diverse RGB-Muster, Farben und Effekte wählen. Wenn wir schon eine auffällige Gesichtsmaske tragen, dann richtig, oder?

Kein Razer-Produkt ohne App-Steuerung

In der App können wir uns auch jederzeit die verbliebende Akkuladung der Zephyr anzeigen lassen, die in unserem Test aber nicht sehr genau dargestellt ist. So bescheinigt uns das Programm eine Ladung von 90 Prozent, obwohl der Akku selbst fast leer ist. Sowohl die RGB-Beleuchtung als auch die Lüfter benötigen Energie. Maximal sieben bis acht Stunden schafft die Maske bei ausgeschalteter Beleuchtung und aktivierten Lüftern in niedriger Drehzahl. Bei eingeschalteter Beleuchtung verkürzt sich die Laufzeit auf etwa die Hälfte.

Beide Features – Beleuchtung und Lüftung – sind für das Tragen der Maske nicht notwendig, weshalb wir sie auch einfach komplett offline und energielos nutzen können. Geladen wird der Akku mittels beigelegtem USB-C-Kabel. Ein Netzteil ist allerdings nicht im Lieferumfang enthalten.

Abseits der genannten Einstellungsmöglichkeiten bietet die App nicht allzu viel. Warum sie vor dem ersten Start unsere Standortdaten abrufen möchte, ist uns daher nicht ganz klar. Es könnte mit der Bluetooth-Funktionalität zu tun haben. Android fragt Standortdaten ab, wenn der Drahtlosstandard in Apps genutzt werden will. Möglicherweise hängt das aber auch mit dem kleinen integrierten Shop zusammen. Razer bietet per App nämlich Nachfüllpackungen für Filter an, die wir laut Hersteller alle drei Tage wechseln sollten – zumindest, wenn wir die Maske täglich acht Stunden aufsetzen.

Nur die Filter gelten als N95-kompatibel

Übrigens sind die Filter laut Razer für den Standard N95 ausgelegt. In der Theorie sollten sie also auch den Coronaregeln hierzulande entsprechen, da N95 den in Europa oft noch nötigen FFP2-Schutz erfüllt.

Das Problem: Es werden normalerweise ganze Masken auf den Standard geprüft, nicht nur einzelne Filterelemente. Und das bedeutet: Die Maske an sich sollte möglichst luftdicht designt sein, so dass Luft nur durch die Filter eintreten kann. Das ist hier klar nicht der Fall, weshalb wir die Maske auch eigentlich nicht als Coronaschutz-Ersatz empfehlen können.

Nutzung als Coronaschutz bedenklich

Der Filtertausch an sich geht einfach von der Hand. Die kleinen Stoffkissen sind zwischen den Seitenhalterungen und einem magnetisch befestigten Deckel eingeklemmt. Die Idee mit der magnetischen Halterung ist gut, allerdings halten wir die Magnete für etwas zu schwach.

Es ist uns des Öfteren passiert, dass wir aus Versehen einen der Deckel abgerissen haben – inklusive herausfallender und dann eigentlich unbrauchbarer Filter. Auf einem (beispielhaft) besonders dicht gedrängten Rave könnte es da häufiger zu Unfällen mit der schicken Gesichtsbedeckung kommen.

Neben den zwei Hauptfilterkammern verwendet die Zephyr auch einen direkt unterhalb des Mundes angebrachten Filter (der übrigens ebenfalls stetig getauscht werden sollte). Beim Tragen haben wir das Gefühl, dass wir beim normalen Atmen darüber auch den Großteil unserer Luft ziehen. Für Brillenträger ist zudem angenehm: Die Maske vermindert durch die vordere Öffnung gerade in der kalten Jahreszeit Brillenbeschlag.

RGB-Beleuchtung statt Funktion

Das gesamte Konzept, durch die zwei Seitenfilter frische Luft zu bekommen und durch den mittleren Filter wieder auszuatmen (wie es normalerweise bei N95-Masken oder anderen Schutzgeräten vorgesehen ist), will aber irgendwie nicht so ganz funktionieren. Halten wir etwa unsere Hände vor die seitlichen Kammern, ist das Atmen weiterhin genauso gut möglich. Dann spüren wir einen deutlichen Luftzug durch den vorderen Filter hindurch.

Andersherum ist das nicht der Fall, da Atemluft an Ober- und Unterseite der flexiblen und ebenfalls magnetisch befestigten Versiegelung austritt, wenn wir die Hand vor den vorderen Filter halten. Kurz gesagt: Die seitlichen Hauptkammern mit aktiver Kühlung scheinen nicht sehr gut zu funktionieren. Daher haben wir Bedenken, dass wir mit der Maske ausreichenden Schutz erhalten und geben, da die gesamte Versiegelung hier nicht gegeben ist.

Razer gibt in Werbetexten an, dass die Maske für ein 99-Prozent- BFE-Rating(öffnet im neuen Fenster) ausgelegt ist. Zertifiziert wurden allerdings nur die Filter, nicht das gesamte Produkt. Der Hersteller hat das Gerät zudem nicht direkt für den Einsatz gegen Covid-19 getestet. Zumindest tritt die Luft vorderseitig und nach unten gerichtet aus, so dass unsere Partikel – sofern vorhanden – nicht sehr weit getragen werden. Ein sehr guter Schutz nach vorn, wie ihn FFP2- und N95-Masken bieten, kann hier aber nicht garantiert werden.

Das bedeutet nicht, dass die Maske für den generellen Einsatz unsinnig ist. Zum Beispiel kann die Zephyr in besonders von Smog verschmutzten Gegenden sicherlich hilfreich sein. Gerade in asiatischen Nationen wie China und Japan, in denen Masken auch außerhalb von Pandemien getragen werden, ist die soziale Akzeptanz auch von skurril anmutenden Masken höher.

Für den recht hohen Preis bekommen wir aber andererseits sehr viele FFP2-Masken, die geprüft auch etwas bringen – und nicht ständig auffallen.

Razer Zephyr – Verfügbarkeit und Fazit

Aktuell ist die Razer Zephyr – wohl auch wegen des Hypes um das Produkt – im Razer-Onlineshop(öffnet im neuen Fenster) ausverkauft. Standardmäßig kostet sie 110 Euro in Deutschland. Für Nachfüllfilter(öffnet im neuen Fenster) werden nochmals 35 Euro für 10 Sets fällig. Drei Sets sind bereits im Lieferumfang enthalten.

Fazit

Wir merken der Zephyr die kurze Entwicklungszeit an. Das Projekt hat zunächst als Gag schnell enormen Anklang gefunden und Razer wollte daraus so schnell wie möglich Profit schlagen. Dass dann wohl eher IT-Ingenieure statt Medizintechniker an dem Projekt mitgearbeitet haben, ist direkt ersichtlich.

Es ist nämlich schwierig, die Maske als Alternative zu medizinischen Masken oder FFP2-Produkten zu empfehlen. Dafür ist die Zephyr nicht dicht genug abgeschlossen. Luft tritt an den Seiten, nach oben und unten aus und wir können unseren Atem deutlich durch den vorderen Filter spüren. An keiner Stelle zertifiziert Razer das Produkt selbst als N95-Alternative. Lediglich die Filter sollen dem Standard entsprechen.

Die aktive Belüftung der Razer-Maske ist für unseren Geschmack doch etwas zu laut, vor allem, da die hochtönenden Lüfter nah an unserem Gesicht quäken. Das Konzept scheint generell nicht allzu gut zu funktionieren, da abgeschaltete Lüfter kaum einen Unterschied für eine bessere Atmung machen.

Das Atmen durch die Zephyr ist minimal schwergängiger als durch eine FFP-2-Maske – auch weil die Filter für die Größe des Produktes relativ klein geraten sind. Entsprechend wenig Luft kommt durch die primären Öffnungen hindurch. Zudem pusten wir beim Ausatmen einige Luft an den eigentlichen, gefilterten Ausgängen vorbei durch die Lücken der sehr locker sitzenden Silikonhaube.

Zugegeben: Die Maske sieht mit transparentem Mundfenster und einstellbarer RGB-Beleuchtung schon cool aus und für das eine oder andere Outfit auf der nächsten LAN- oder Cosplay-Party ist sie sicher ein schönes Accessoire. Im Grunde trägt sie sich auch bei ausgeschalteten Lüftern relativ angenehm.

Golem.de zeigt die Atemmaske Razer Zephyr
Golem.de zeigt die Atemmaske Razer Zephyr (01:37)

Eine Alternative zu medizinischem Zubehör ist sie allerdings nicht.


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