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Razer Blade 2014 im Test: Messerscharfer Sprinter

Mit dem 18 Millimeter flachen New Blade geht Razer keine Kompromisse ein: Das Gaming-Ultrabook ist so schnell wie ein flotter Spiele-PC und bietet ein IPS-Panel mit 3.200 x 1.800 Pixeln, unter beidem leidet aber die Leistungsaufnahme.
/ Marc Sauter
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Pechschwarz, giftig grün und schön scharf - das New Blade (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
Pechschwarz, giftig grün und schön scharf - das New Blade Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

The New Blade - das klingt ein bisschen nach dem drittem iPad und sieht aus wie ein Macbook Pro in Mattschwarz mit giftgrüner Beleuchtung. Statt eines angebissenen Apfels ziert die Rückseite des Ultrabooks jedoch eine dreiköpfige Schlange - das New Blade stammt von Razer und nicht von Apple.

Getreu dem Motto "For Gamers - By Gamers" haben die US-Amerikaner mit der überarbeiteten Version des Razer Blade 2013 die Spielegeschwindigkeit erhöht und die Kritik der Presse sowie der Gamer erhört: Das wenig überzeugende TN-Panel ist einem IPS-Display mit vierfacher Auflösung gewichen, die Geforce GTX 765M wurde durch eine Geforce GTX 870M ersetzt.

Zeitloses Design

Zugeklappt ist das New Blade nicht vom Blade 2013 zu unterscheiden: Das Gerät ist nur einen Millimeter dicker und ein paar Gramm schwerer, ansonsten hat Razer das Gehäuse aus eloxiertem Aluminium, die Eingabegeräte und die Anschlüsse des Ultrabooks nicht angerührt. Das ist gut so: Verarbeitung wie Verwindungssteifheit sind erstklassig.

Das Chiclet-Keyboard mit grüner dimmbarer Hintergrundbeleuchtung hat einen mittleren Hub, die Tasten haben einen guten Druckpunkt und sitzen sicher an ihrer Position. Das große Synaptics-Touchpad ist unterwegs ein brauchbarer Mausersatz, für Spiele empfehlen wir aber eine Maus oder ein Gamepad.

Die 720p-Webcam, der HDMI-Ausgang, die drei USB-Ports, die Stereolautsprecher, der kombinierte Klinkenanschluss und die Öse für ein Kensington-Schloss sind ebenfalls wie gehabt.

Razer Blades im Vergleich
Razer Blade 2013 Razer Blade 2014 Razer Blade 2015
Grafikeinheit Geforce GTX 765M (2 GByte), Fermi Geforce GTX 870M (3 GByte), Kepler Geforce GTX 970M (3 GByte), Maxwell
Prozessor Core i7-4702HQ (4C/8T - 2,2 GHz) Core i7-4702HQ (4C/8T - 2,2 GHz) Core i7-4720HQ (4C/8T - 2,6 GHz)
Arbeitsspeicher 8 GByte DDR3L-1600 8 GByte DDR3L-1600 8 oder 16 GByte DDR3L-1600
Chipsatz Intel HM87 Intel HM87 Intel HM87
14-Zoll-Display 1.600 x 900 Pixel, TN (matt) 3.200 x 1.800 Pixel, IPS, Touch (spiegelnd) 3.200 x 1.800 Pixel, IPS, Touch (spiegelnd) oder 1.920 x 1.080 Pixel, IPS (matt)
Speicherplatz 128, 256 oder 512 GByte SSD (mSATA) 128, 256 oder 512 GByte SSD (M.2-Sata) 128, 256 oder 512 GByte SSD (M.2-Sata)
Gewicht 1.893 Gramm 2.037 Gramm 1.901 oder 2.031 Gramm
Abmessungen 345 x 235 x 16,8 mm 345 x 235 x 17,8 mm 345 x 235 x 17,8 mm
Akku / Netzteil 70 Wh, 150 Watt 70 Wh, 150 Watt 70 Wh, 150 Watt
Anschlüsse 3x USB 3.0, HDMI 1.4a 3x USB 3.0, HDMI 1.4a 3x USB 3.0, HDMI 1.4a
Schnittstellen n-WLAN, Bluetooth 4.0 ac-WLAN, Bluetooth 4.0 ac-WLAN, Bluetooth 4.0
Betriebssystem Windows 8.1 x64 Windows 8.1 x64 Windows 8.1 x64

Zwar wechselt Razer mit dem New Blade vom mSATA- zum M.2-Formfaktor , die angebotenen SSD-Größen von 128, 256 und 512 GByte entsprechen jedoch denen des Vorgängers. Neu ist die Intel-7160-NIC, die neben Bluetooth 4.0 auch ac-WLAN bietet. Beim Blade 2013 verwendet Razer eine Killer-NIC, die nur n-WLAN (wenngleich Dual-Band) unterstützt.

Display und Leistungsaufnahme

Die offensichtlichste Änderung des New Blade beim ersten Einschalten ist der neue Bildschirm: Verbaute Razer beim Blade 2013 noch ein TN-Panel mit der typisch geringen Blickwinkelstabilität und nur 1.600 x 900 Pixeln, so vervierfacht sich die Auflösung mit der Neuauflage.

Das IPS-Panel mit IGZO-Technik ist Touch-fähig, erreicht eine durchschnittliche maximale Helligkeit von 367 statt zuvor 251 cm/m², und die Pixelanzahl steigt auf 3.200 x 1.800 Bildpunkte (Quad High Definition Plus) - mehr als beim Macbook Pro. Die gestiegene Leuchtdichte ist wichtig, da das Display bei direkter Lichteinstrahlung deutlich spiegelt.

Ärgerlich ist, dass Razer es bei der Sättigung übertrieben hat. Die Farbdarstellung tendiert zu quietschbunt.

Die hohe Auflösung hat Vor- und Nachteile: Zwar sehen Spiele in nativem QHD+ superb aus, das installierte Windows 8.1 ist jedoch abseits der Metro-Oberfläche nur mit vergrößerten Texten und Elementen einigermaßen bedienbar. Die vierfache Pixelmenge muss die Grafikeinheit des New Blade zudem in Spielen erst einmal flüssig berechnen, wenngleich interpolierte 1.600 x 900 Bildpunkte ziemlich gut abgebildet werden.

100-Watt-Kepler und Haswell-Quadcore

In Razers New Blade steckt mit der Geforce GTX 870M(öffnet im neuen Fenster) eine der schnellsten Mobile-GPUs am Markt, auf dem Papier verdoppelt die neue Nvidia-Grafikeinheit die Rechenleistung der Geforce GTX 765M(öffnet im neuen Fenster) des Blade 2013. Auch die Datentransferrate des 3 statt 2 GByte großen GDDR5-Videospeichers ist nahezu um den Faktor 2 höher.

Hätte Razer die etwas schnellere Geforce GTX 880M mit 256 Bit und 4 GByte Videospeicher verbaut, wäre das Netzteil bei sehr hoher Belastung zu schwach gewesen. Die überarbeitete Kühlung ist lauter als beim Vorgänger und das New Blade strahlt mehr Wärme ab, es überhitzt aber nicht.

Der Core i7-4702HQ(öffnet im neuen Fenster) ist der gleiche Haswell-Chip mit vier Kernen und Hyperthreading wie im Blade 2013, bis Mitte April gab es ohnehin kein schnelleres 37-Watt-Modell. Auch die 8 GByte DDR3L-Arbeitsspeicher hat Razer beibehalten, eine ähnliche Konfiguration gibt es nur bei Aorus' X3 Plus .

Durch die schnellere Hardware und das neue Display benötigt das New Blade sowohl im Produktiveinsatz mit aktivem Optimus , also HD Graphics 4600 statt Geforce-Grafik, als auch unter Spielelast mehr elektrische Energie als das Blade 2013. Da beide Gaming-Ultrabooks einen 70-Wh-Akku nutzen, dürfte das New Blade angesichts der höheren Leistungsaufnahme nur etwa fünf statt sechs Stunden durchhalten.

In Spielen hängt die Laufzeit massiv von der Auflösung, der Bildrate und generell dem jeweiligen Titel ab. Ein bis zwei Stunden sollten machbar sein - gerade in älteren Spielen oder in solchen, die mit Nvidias Half-Refresh-Rate-Vsync bei nur 30 fps statt höherer Bildrate laufen. Ausprobieren konnten wir das aufgrund von nur zwei Stunden, die wir mit dem New Blade verbrachten, nicht.

Zumindest die zusätzlichen 60 Watt, die das New Blade mehr benötigt als das Blade 2013, sprechen für eine deutlich kürzere Akkulaufzeit.

Synthetische sowie Spiele-Benchmarks

Die Geforce GTX 870M entspricht mit 1.344 Shader-Einheiten bei 941 MHz sowie dem 192-Bit-Interface mit 2,5 GHz in etwa einer Geforce GTX 660 Ti. Die Geforce GTX 870M ist mit den üblichen 3 GByte Videospeicher ausgestattet, weswegen Titel wie Wolfenstein The New Order zumindest in 3.200 x 1.800 Pixeln an Schluckauf leiden.

Der Core i7-4702HQ rechnet mit vier Haswell-Kernen plus Hyperthreading und Taktraten von 2,2 bis 3,2 GHz unter Last in Spielen schneller als praktisch alle AMD-(Desktop-)Prozessoren. Ein knapp 300 Euro teurer Core i7-4770K ist nur etwa 15 bis 20 Prozent flotter. CPU wie Grafikeinheit laufen auch im Akkubetrieb mit vollen Taktraten.

In Spielen ist das Gespann aus Geforce GTX 870M und Core i7-4702HQ der vorherigen Kombination aus dem gleichen Prozessor und einer Geforce GTX 765M deutlich überlegen: Das New Blade ist in 1.600 x 900 und 1.920 x 1.080 Pixeln zwischen 52 und 105 Prozent schneller.

Die von uns getesteten Spiele Crysis 3, Thief und Tomb Raider laufen in 900p wie in 1080p auf dem New Blade selbst auf hohen oder maximalen Details mit 40 fps aufwärts.

Etwas schwieriger wird es in nativen 3.200 x 1.800 Bildpunkten: Hier vervierfacht sich rechnerisch der Aufwand verglichen mit 1.600 x 900 Pixeln, mit mittleren Qualitätseinstellungen erreicht das New Blade aber auch hier gut spielbare Bildraten (30+ fps).

Ältere oder anspruchslosere Spiele wie Diablo 3, League of Legends oder World of Tanks stellt das New Blade in QHD+ ohnehin flüssig dar.

Verfügbarkeit und Fazit

Das New Blade ist ab 2.200 US-Dollar (rund 1.625 Euro) verfügbar und damit in der Variante mit 128 GByte 400 US-Dollar teurer als das Blade 2013. Für das New Blade mit 256 und 512 GByte SSD-Speicher ruft Razer 2.400 (1.770 Euro) und 2.700 US-Dollar (2.000 Euro) auf, in den USA erfolgt der Versand kostenlos.

Außer in den Vereinigten Staaten ist das New Blade noch in Kanada erhältlich, nach Europa muss es also importiert werden. Weil eine CE-Kennzeichnung fehlt, kann dies am Zoll zu Problemen führen.

Eine Alternative zum Razer New Blade ist das ab dem dritten Quartal 2014 erhältliche Aorus X3 Plus : Mit 512 GByte, einer Geforce GTX 870M (6 statt 3 GByte VRAM) und QHD+ Auflösung sowie einem Core i7-4710HQ kostet es 2.000 Euro. Das X3 Plus ist leichter, aber fünf Millimeter dicker als das New Blade.

Fazit

Die Kritik am Display des Blade 2013 hat sich Razer zu Herzen genommen: Statt eines TN-Panels mit 1.600 x 900 Pixeln ist im New Blade ein mit 3.200 x 1.800 Bildpunkten enorm hochauflösendes IPS-Panel verbaut, das aber nur teilweise überzeugt. Die mäßige Windows-Skalierung von Desktop-Anwendungen und die fehlende Entspiegelung stören mehr als die übertriebene Sättigung.

Dem wie gehabt sehr flotten Haswell-Quadcore-Prozessor Core i7-4702HQ hat Razer mit der Geforce GTX 870M die derzeit zweitschnellste Nvidia-Grafikeinheit zur Seite gestellt. Damit erreicht das New Blade in Spielen teils die doppelte Geschwindigkeit des Blade 2013 mit Geforce GTX 765M - toll! Selbst 3.200 x 1.800 Pixel und hohe Details laufen meist rund, sofern es nicht gerade Crysis 3 ist. Die Verarbeitung, die Eingabegeräte und die Ausstattung entsprechen bis auf das verbesserte WLAN dem Vorgänger.

Allerdings hat Razer auch den Akku und das Netzteil nicht überarbeitet: Da die GTX 870M mehr elektrische Energie benötigt als die GTX 765M, ist die Laufzeit im Spielebetrieb geringer. Im täglichen Einsatz - beispielsweise beim Surfen oder Filmeschauen - hält das Notebook bedingt durch das neue Display ebenfalls kürzer durch als das alte Blade.

Statt des Displays ist nun die Akkulaufzeit beim Spielen der größte Makel, was wir aber nicht sonderlich tragisch finden: Wo genug Platz ist, das New Blade hinzustellen, ist eine Steckdose meist nicht weit. Als Arbeitsgerät, das ein paar Stunden den Tag über genutzt und abends im Hotel oder im Zug für Spiele eingesetzt wird, erscheint uns das Razer New Blade erneut als das nahezu perfekte Gaming-Ultrabook.


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