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Razer Blade ausprobiert: Crysis 3 auf dem Zwei-Kilo-Notebook

Computex 2013
"Bei mir läuft's flüssig" – das können bald auch Besitzer des sehr flachen Notebooks sagen, wenn sie für das Razer Blade tief in die Tasche greifen. Wir haben das Gerät aus schwarzem Aluminium mit Crysis 3 ausprobiert.
/ Nico Ernst
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Das Razer Blade ist nur 1,68 cm dick. (Bild: Razer)
Das Razer Blade ist nur 1,68 cm dick. Bild: Razer

Nachdem Golem.de das Razer Blade bereits ausführlich vorgestellt hat, konnten wir das nach Angaben des Herstellers flachste Gaming-Notebook der Welt in Taipeh selbst anspielen. Es handelte sich um ein Vorseriengerät, das aber schon perfekt verarbeitet war und in der Ausstattung mit einem Core i7-4702HQ (vier Kerne, acht Threads) und der GTX 765M samt 2 GByte GDDR5-Speicher der Serie entspricht.

Allein diese beiden Chips setzen laut ihren Spezifikationen unter voller Last über 100 Watt in Wärme um – ob Razer sie drosselt, wollte das Unternehmen nicht angeben. Dass es ein echtes Problem ist, wenn so viel Wärme aus einem nur 16,8 Millimeter dicken Gerät ausstrahlt, gab aber auch Razer-Chef Min-Liang Tan zu: "Thermals are thermals" , sagte er Golem.de mit einem Schulterzucken. Frei übersetzt: "Gegen Wärme kann man halt nichts machen."

Crysis 3 auf dem Razer Blade – Hands on (Computex 2013)
Crysis 3 auf dem Razer Blade – Hands on (Computex 2013) (00:43)

Das heißt aber nicht, dass das Razer Blade instabil arbeiten würde, ganz im Gegenteil. Fünf Geräte hatte das Unternehmen auf dicke Tischdecken gestellt – was wir für den Alltagsgebrauch nicht empfehlen würden – und auf allen liefen schon seit einigen Stunden 3D-Spiele. Die Notebooks jammerten und rauschten, doch während unseres einstündigen Besuchs bemerkten wir keinen Absturz.

Auch unser Testgerät, an dem wir Crysis 3 fünfzehn Minuten ausprobierten, zeigte keine Auffälligkeiten. Das Spiel suchten wir aus den installierten Titeln selbst aus. Die Grafikeinstellungen beließen wir auf "High", die erweiterten Einstellungen so, wie das Programm sie mit High setzt. Anti-Aliasing stellten wir auf 4x-MSAA. Damit spielten wir den ersten Level von Crysis 3 inklusive der Szenen in einer Halle, die in der ersten Version des Spiels noch ohne Patches viele Rechner in die Knie zwang.

Da Razer weder eine Installation von Fraps noch die Aktivierung des Crysis-eigenen Framecounters erlauben wollte, bleibt zum Abschätzen nur der subjektive Eindruck. Ein Redakteur von Golem.de sowie ein Kollege von PC Games Hardware waren der Meinung, das Spiel sei im Schnitt mit rund 30 fps gut spielbar gewesen. Bemerkenswert war das Touchpad, das schnell auf Bewegungen reagierte und beim Zielen mit dem Bogen auch sehr feinfühlig benutzt werden konnte. Aus Gewohnheit haben wir den größten Teil des Levels aber mit der Maus gespielt.

Die Wärme des Geräts war dabei sofort spürbar, die Handballenauflagen blieben aber noch angenehm. Wir würden jedoch nicht ausschließen, dass das bei längeren Sitzungen zum Schwitzen führen kann. Regelrecht heiß werden nur die Unterseite und die Kante unterhalb des Displays an der Oberseite. Dort befinden sich auch die Luftauslässe, angesaugt wird über zwei Lüfter an der Unterseite. Auch andere Gaming-Notebooks sind so konstruiert, mehrere Heatpipes kümmern sich dabei um die direkte Abfuhr der Wärme von CPU und GPU.

Heiß, laut – aber mit viel Spaß

Das geht nicht geräuschlos – ohne Kopfhörer ist das Razer bei einem fordernden Titel wie Crysis 3 laut. Sowohl das Rauschen der Luft durch das Kühlsystem als auch das bei hoher Last leicht sirrende Geräusch der Motoren ist deutlich wahrnehmbar. Im nicht völlig stillen Ausstellungsraum von Razer war das Gerät auf dem Windows-Desktop mit nur leichtem Rauschen aber kaum wahrnehmbar, wir würden es für eine übliche Büroumgebung, in der CPU und GPU nicht dauernd Schwerarbeit leisten, durchaus verwenden.

Auffällig ist die schwarze Beschichtung des Geräts, die nicht sofort jeden Fingerabdruck annimmt. Razer zufolge hat man dafür ein spezielles Eloxierungsverfahren entwickelt. Das gesamte Notebook, auch das Display, steckt in einem mattschwarzen Aluminiumgehäuse. Der Bildschirm lässt sich auch bei heftigem Zufassen an beiden oberen Ecken kaum verbiegen.

Dass es sich nicht um ein IPS-Panel handelt, sondern um ein TN-Display, brachte Razer einige Kritik ein, wie das Unternehmen im Gespräch mit Golem.de sagte. Die Qualität war unter den gegebenen Bedingungen nur schwer zu beurteilen, satte Farben und hohe Helligkeit scheinen aber gegeben zu sein. Nach Angaben des Unternehmens hat man sich ein besonders gutes Panel ausgesucht und bei dessen Ansteuerung auf möglichst hohe Farbtreue Wert gelegt.

Min-Liang Tan, der auf seiner Visitenkarte nur die Tätigkeitsbezeichnung "Chief Gamer" führt, erklärte nach dem überzeugenden Kurztest auch, warum es das Razer Blade vorerst nur in den USA und Kanada geben soll. Nachdem das Unternehmen vor zwei Jahren sein erstes Gaming-Notebook vorgestellt hatte, wurde es mit Bestellungen förmlich überrannt. Das soll der vergleichsweise kleinen Firma Razer nicht noch einmal passieren.

Seine Aussage von der Vorstellung des Geräts relativierte Tan etwas: Er wollte Gamer nicht direkt darum bitten, in die USA zu reisen, um ein Blade zu kaufen. Vielmehr, so sagte Tan Golem.de, wisse er einfach, dass manche Fans der edlen Geräte das tun würden. Dass es aber auch außerhalb von Nordamerika Nachfrage nach den teuren Spielzeugen gebe, sei Razer bewusst.

Um die aber auch bei den Notebooks – die anderen Razer-Produkte gibt es schon weltweit – wie gewohnt befriedigen zu können, will man recht gründlich vorgehen. Vorgesehen ist ein schneller und kompetenter Support in der jeweiligen Landessprache sowie ein zuverlässiger Vertriebspartner. Wann diese Voraussetzungen auch im deutschsprachigen Raum erfüllt sein könnten, wollte Tan aber noch nicht versprechen.

Vorerst soll das Razer Blade in Nordamerika in einigen Wochen ausgeliefert werden. Ohne Steuern beträgt der Einstiegspreis 1.799 US-Dollar, mit größeren SSDs rund 2.000. Oder, wie es ein anderer Journalist ausdrückte: Ein Blade entspricht zwei Ultrabooks. Das stimmt zwar, ein Gerät mit ähnlich viel Spieleleistung bei so geringem Gewicht und Volumen ist uns bisher aber nicht bekannt.


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