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Kooperation im All: ULA soll privates Raumstationsmodul für Bigelow starten

Bigelow will seine großen entfaltbaren Raumstationsmodule mit Raketen der ULA starten lassen und hofft auf eine Kooperation mit der Nasa . Ganz klar sind die Pläne der Partnerschaft mit der angeschlagenen ULA aber nicht.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Bigelows BA-330 Module sind auch autonome Raumstationen. (Bild: Bigelow Aerospace)
Bigelows BA-330 Module sind auch autonome Raumstationen. Bild: Bigelow Aerospace

Bigelow Aerospace(öffnet im neuen Fenster) , Entwickler und Hersteller von entfaltbaren Weltraummodulen, und die United Launch Alliance (ULA)(öffnet im neuen Fenster) , der größte Anbieter von Trägerraketen in den USA, haben eine Kooperation zum Start eines BA-330-Moduls bekanntgegeben. Einen Startplatz im Jahr 2020 hat Bigelow schon reserviert.

Pressekonferenz Bigelow Aerospace kooperiert mit ULA
Pressekonferenz Bigelow Aerospace kooperiert mit ULA (53:21)

Beim BA-330 handelt es sich um ein knapp 20 Tonnen schweres Modul, das aus einem festen Zylinder als Kern besteht, aber eine Außenstruktur besitzt, die sich im Orbit entfalten lässt und so das freie Volumen auf etwa 330 Kubikmeter vergrößert. Es hat damit nur etwas mehr als ein Drittel der üblichen Masse eines Moduls dieser Größe.

Nach der Entfaltung kann es im Weltraum auch als autonome Raumstation fungieren. Bigelow möchte jedoch vor dem Start mit der Nasa verhandeln und hofft, das Modul unter dem Namen XBase (Expandable Bigelow Advanced Station Enhancement) an der ISS andocken zu dürfen – und dabei die Nasa als Kunden zu gewinnen. Ein BA-330-Modul wäre groß genug, um das Volumen der ISS um 30 Prozent zu vergrößern. Allerdings erwartet Robert Bigelow, der Gründer von Bigelow Aerospace, dabei eine ganze Menge Herausforderungen, wie er gestern bei einer Pressekonferenz sagte.

Verhandlungen sind noch in der Frühphase

Demnach befinden sich die beiden Firmen in Gesprächen, die "typisch für eine sehr frühe Phase von Verhandlungen sind" . Auf die Frage eines Reporters nach der Finanzierung antwortete Robert Bigelow, dass es für eine Antwort noch zu früh sei. Bigelow, der sein Vermögen mit einer Hotelkette gemacht hat, soll inzwischen etwa eine halbe Milliarde US-Dollar in seine Weltraumfirma gesteckt haben. Sie verfügt damit über ausreichend Ressourcen, um bis 2020 zwei BA-330-Module zu bauen. Für den Start wird das Jahr 2020 anvisiert.

Bigelows Ankündigung folgt nach dem erfolgreichen Start des entfaltbaren Beam (Bigelow Expandable Activity Module) an Bord des Dragon-Frachters der CRS-8-Mission von SpaceX in der vergangenen Woche. Vor dieser Mission hatte Bigelow offenbar Zweifel geäußert, ob das Modul noch funktioniert, nachdem es über ein Jahr zusammengefaltet war. Ursprünglich war der Start des Moduls schon für letzten Herbst vorgesehen. Nach dem Fehlstart des Dragon-Frachters der CRS-7-Mission musste er aber verschoben werden.

Der Start braucht eine neue Raketenstufe

Für den Start des 20-mal so großen BA-330 soll eine Atlas-V-552-Rakete zum Einsatz kommen. Sie ist die einzige Rakete der ULA, die 20 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit bringen kann – abgesehen von der Delta IV Heavy, die aber etwa doppelt so teuer ist. Bemerkenswert ist dabei die "2" in der Typenbezeichnung, sie deutet auf eine Centaur-Oberstufe mit zwei RL-10-Triebwerken hin. Diese Konfiguration ist noch nie mit einer Atlas-V-Rakete geflogen und wurde auch noch nie für sie gebaut. Über die Entwurfsprüfung(öffnet im neuen Fenster) ist diese Oberstufe bisher noch nicht hinausgekommen.

Auf die Frage, ob Bigelow Aerospace auch mit anderen Anbietern für Trägerraketen, wie etwa SpaceX, verhandeln wolle, sagte Robert Bigelow, die ULA sei die einzige Firma, die derzeit eine ausreichend große Nutzlastverkleidung für das BA-330 habe. Auf die Möglichkeit, dass SpaceX eine größere Nutzlastverkleidung bauen könne, ging er nicht ein – obwohl der Aufwand dafür nicht größer sein dürfte als die Entwicklung einer neuen Oberstufe für die Atlas V.

SpaceX ist der größte Konkurrent der ULA

Bigelow und SpaceX verbindet nicht nur der Start des Beam. Bis 2011 bestand zwischen den Firmen auch ein Vertrag über den Start des Sundancer-Moduls von Bigelow, zu dem es aber nie kam. Auch ein Modell des BA-330-Moduls, das auf der Pressekonferenz gezeigt wurde, hatte ein angedocktes Dragon-Raumschiff.

Wegen der Konkurrenz zwischen der ULA und SpaceX ist die Situation kompliziert und nicht ohne Peinlichkeit für alle Beteiligten. Mit der billigen Falcon-9-Rakete hat SpaceX die ULA unter großen wirtschaftlichen Druck gesetzt. Ein Flug der Atlas V 401, die kleinste Variante der Rakete, kostete zuletzt 164 Millionen US-Dollar, während SpaceX die leistungsstärkere Falcon 9 für nur 61 Millionen US-Dollar anbietet.

Noch schlimmer wurde die Situation für die ULA durch die Tatsache, dass die Atlas V als ihre wichtigste Rakete ein russisches Haupttriebwerk hat, das RD-180, und seit dem Ukraine-Konflikt aus politischen Gründen immer wieder in Frage gestellt wird. Am Tag der Pressekonferenz gab die ULA bekannt, dass sie 375 Mitarbeiter (10 Prozent der Belegschaft) entlassen werde(öffnet im neuen Fenster) , um konkurrenzfähiger zu werden.

Bigelows Vision von der Demokratisierung des Weltraums

Bigelow hat die Vision, sein Modul für alle Interessenten zu öffnen, hofft aber zunächst, die Nasa als Hauptkunden zu gewinnen. Sollte die Nasa nicht interessiert sein oder sollten die Regularien für ein Andocken an die ISS nicht einzuhalten sein, hält sich Bigelow die Option offen, das Modul als frei fliegende Raumstation zu betreiben.

Zu Details des Geschäftsmodells äußerte sich Bigelow nicht, nur so viel: Er sieht sich vor allem als Serviceprovider für Kunden, die eigene Projekte durchführen wollen. Dazu gehören auch Weltraumtouristen oder "Amateur-Astronauten" . Außerdem soll eine Initiative gestartet werden, mit der junge Leute zu Astronauten ausgebildet werden und nach Erreichen des 21. Lebensjahres in den Weltraum fliegen sollen.

Wie ernst es den Beteiligten dieser Partnerschaft mit diesen Plänen ist, wird sich noch zeigen müssen. Die Motivation und Zahlungsfähigkeit von Bigelow steht jedenfalls kaum in Frage.


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