Raumfahrtunternehmen: OHB will Internetsatelliten extra für Deutschland bauen

Der Chef von OHB will Versorgungslücken in Deutschland gezielt mit zwei geostationären Satelliten mit Datenraten von 100 GBit/s ausgleichen können.

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OHB will Deutschland mit Satelliteninternet versorgen.
OHB will Deutschland mit Satelliteninternet versorgen. (Bild: OHB / Screenshot (Golem.de))

Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Raumfahrtunternehmens OHB, Marco Fuchs, fordert wegen der Corona-Pandemie für Versorgungslücken den schnellen Aufbau einer Satelliteninternetversorgung für Deutschland und Europa. "Da sich die weißen Flecken über ganz Deutschland verteilen, wäre eine satellitenbasierte Lösung deutlich schneller zu realisieren als die terrestrische Anbindung der jeweiligen Haushalte."

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In Europa sollte nach Fuchs' Ansicht eine unabhängige europäische Satellitenkonstellation für die Internetversorgung aufgebaut werden. Fuchs erklärte: "Für den konkreten Fall der Abdeckung weißer Flecken in Deutschland haben wir eine Lösung mit geostationären Satelliten erarbeitet, die gezielt auf Deutschland ausgerichtet werden können und bei denen zwei Satelliten 500.000 Haushalte mit Datenraten von 100 GBit/s versorgen könnten." OHB ist das einzige Unternehmen, das seit 2017 wieder geostationäre Satelliten vollständig in Deutschland herstellt. Der letzte deutsche geostationäre Satellit wurde davor 1989 im Auftrag der Bundespost gebaut.

Lichtgeschwindigkeit sorgt für hohe Latenz

Der Vorteil von geostationären Satelliten zur Internetversorgung ist, dass sie wie ein sehr hoher Funkmast über einem Ort der Erde bleiben und ihn gezielt versorgen können. Der Nachteil ist hauptsächlich die Lichtgeschwindigkeit von knapp 300.000 km pro Sekunde. Der geostationäre Orbit ist rund 36.000 km von der Erdoberfläche entfernt, und diese Entfernung muss für einen Ping viermal durchlaufen werden, also insgesamt 144.000 km. Das geht nicht schneller als in 480 ms.

Die Technik hat deshalb verschiedene Nachteile: Bei geostationären Satelliten wirkt sich die große Entfernung in einer sehr hohen Latenzzeit aus. Ohne Performance Enhancement Proxies kann das Transmission Control Protocol (TCP) damit nicht umgehen, was zusätzlich zu sehr niedriger Datenübertragungsraten führen kann. Zudem drosseln die meisten Anbieter von Satelliteninternet nach Nutzung eines bestimmten Datenvolumens die Datenrate.

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Laut Carsten Borowy, Marketingchef von OHB, sollen die Latenzen jedoch für "die allermeisten Fälle unkritisch sein". Weiter sagte er: "Unternehmen, die auf eine latenzkritische Verbindung angewiesen sind, finden sich nicht in den Bereichen, die wir mit den Satelliten abdecken wollen." Inzwischen gebe es auch Datenflatrates für Satelliteninternet. Tatsächlich bietet SkyDSL eine Flatrate mit bis zu 40MBit/s im Download und 2MBit/s im Upload für rund 30 Euro im Monat an.

Eine europäische Satellitenkonstellation ist eine Alternative

Es gibt aber auch Pläne, die weit über Deutschland hinausgehen. So kommt von Thierry Breton, dem französischen EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, der Vorschlag, eine europäische Satellitenkonstellation zur Internetversorgung aufzubauen. Als Vorbild sollen Copernicus und Galileo dienen. "Der gesicherte Zugriff aufs Internet sollte für jeden Europäer und jede Europäerin möglich sein", sagte Fuchs. Sollte ein derartiges Programm realisiert werden, dann würden es laut Fuchs "wohl ein paar hundert Satelliten werden". Bislang bestehe die Gefahr, dass solche Satellitenkonstellationen an Europa vorbei aufgebaut werden. Ein solches Projekt müsse jedoch schnell angegangen werden. "Vom Zeitplan her müsste das zügig passieren", forderte er entsprechend: "also in dieser Periode der Europäischen Kommission."

Die vorgeschlagene Alternative basiert auf niedrig fliegenden Konstellationen aus vielen Satelliten, die viel näher an der Erdoberfläche sind. Das umgeht die Probleme mit den hohen Laufzeiten und schlechten Pings. Allerdings sind die Geschwindigkeiten in diesen Orbits so hoch, dass hunderte Satelliten benötigt werden, um immer mehrere Satelliten für den Internetempfang in der Nähe zu haben. Entsprechend hoch sind die Investitionskosten. Die Geschäftspläne solcher Konstellationen sehen im Allgemeinen die Versorgung vergleichsweise dünn besiedelter Gebiete vor, denn ein Satellit kann auf der Erde nur wenige Funkverbindungen gleichzeitig in einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern herstellen. Es ist fraglich, ob die Technik für ein relativ dicht besiedeltes Gebiet wie Deutschland oder Europa allgemein effektiv oder kosteneffizient wäre, zumal Internetverbindungen mit Glasfaser in jedem Fall eine überlegene Bandbreite bieten.

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don.redhorse 01. Sep 2020

Gab es, so in der Art schon einmal. Ebenfalls SkyDSL, Rückkanal über ISDN. Damals waren...

NotAlive 01. Sep 2020

Quelle?

Huanglong 01. Sep 2020

Gibt durchaus noch andere Anwendungen, z.B. militärisch oder bei Katastrophen, die haben...

Huanglong 01. Sep 2020

Neu war auch die Starlink Idee nicht, Satellitenkommunikation gibt es nun schon ein paar...



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