Raumfahrtpionier: Der Mann, der lange vor SpaceX günstige Raketen entwickelte

Lutz Kayser wollte schon in den 1970er Jahren tun, was Elon Musk erst vor zehn Jahren geschafft hat: mit einer privaten Firma Raketen bauen und Satelliten starten. Im Alter von 78 Jahren ist er auf einer Insel im Pazifik gestorben.

Ein Nachruf von veröffentlicht am
Lutz Kayser mit einem Modell der OTRAG Rakete
Lutz Kayser mit einem Modell der OTRAG Rakete (Bild: OTRAG/Screenshot: Golem.de)

Mit einfacher Technik günstige Raketen bauen, um Satelliten für Firmen außerhalb der USA zu starten: Davon träumte Lutz Kayser schon Mitte der 70er Jahre. Was mit großem Elan und einem in diese wilde Zeit passenden Finanzierungskonzept betrieben wurde, scheiterte schließlich an technischen und politischen Problemen. Doch Kayser erlebte noch die erfolgreiche Umsetzung seiner Ideen durch einen weiteren Pionier der Raumfahrt: Elon Musk. Am vergangenen Sonntag starb Kayser im Alter von 78 Jahren.

Inhalt:
  1. Raumfahrtpionier: Der Mann, der lange vor SpaceX günstige Raketen entwickelte
  2. Schnell reich werden mit billigen Raketen
  3. Eine Rakete, die nie funktionieren konnte

Kaysers Griff nach den Sternen begann 1975 mit einer Firma, deren Name schon nach einer anderen Zeit klingt: Orbital Transport und Raketen AG, kurz OTRAG. Seine fachlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der selbstgesteckten Ziele waren nicht schlecht: Er hatte bereits ein Raketenkonzept. Schon mit 17 Jahren - zwei Jahre vor dem Start von Sputnik - hatte Kayser die Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt an der Universität Stuttgart mitgegründet, derer sich der Raumfahrtpionier Eugen Sänger als Mentor annahm.

In den 1970ern waren Verluste viel Geld wert

Kayser hatte außerdem im Auftrag von Baden-Würtemberg ein Raketenforschungszentrum aufgebaut. Dabei war er verantwortlich für die Auswahl des Standorts Lampholdshausen und den Plan für den Aufbau der Anlage. Es folgten Arbeiten für die Nasa, bei denen Kayser die ersten reaktionsschnellen Steuertriebwerke und eine günstigere ablative Kühlung für die Triebwerke der Saturn I Rakete entwickelte, letzteres in Kooperation zwischen Nasa und dem deutschen Forschungsministerium. Um diese Forschungsarbeiten abzuwickeln, gründete er die Technologieforschung GmbH.

Es war die erste von mehreren Firmen, die Kayser gründete. Geld gab es in den 1970er Jahren genug. Ein Steuergesetz ermöglichte es damals Investoren, bis zu 275 Prozent der Verluste einer Investition von den Steuern abzuschreiben. Diese sogenannten Abschreibungsgesellschaften wurden zu einem populären Steuersparmodell, bei dem die Investoren allerdings oft nicht viel Wert auf die Geschäftsmodelle legten, solange sie nur ausreichend Verluste schrieben.

Deutschland wollte eine eigene Rakete

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Die ORTAG mit ihrem Ziel, günstige Raketen für Satelliten zu bauen, stieß in eine tatsächliche Marktlücke. Europa fehlten Raketen, die Raumfahrt war ein Monopol der USA - zumindest auf der westlichen Seite des Eisernen Vorhangs. Dieses Monopol nutzten die Amerikaner aus. Firmen und Regierungen anderer Länder hatten wenig Chancen, Satelliten mit US-Raketen zu starten und wurden durch Regularien und Bürokratie vom Markt ausgeschlossen.

Die Entwicklung der Europa-Rakete war gescheitert. Kayser war selbst verantwortlich für die Untersuchung des Scheiterns dieser Rakete gewesen und hatte in der deutschen Oberstufe eine schwere Fehlkonstruktion festgestellt - sie war für die Beschleunigung der in Frankreich gebauten zweiten Stufe schlicht nicht ausgelegt. Bis zum ersten Flug der Ariane im Jahr 1979 blieb das Monopol der Amerikaner fast unangetastet.

Das Scheitern der Europa-Rakete veranlasste den deutschen Staat dazu, Forschungsgelder zur Entwicklung eigener, günstigerer Raketenkonzepte zu vergeben. Kayser war einer der Begünstigten und bekam in den folgenden Jahren etwas mehr als 4 Millionen DM für die Forschung an Raketentechnik. Er entwickelte damit ein Konzept für eine Rakete, die aus einem Bündel vieler kleiner Raketen mit eigenem Triebwerk und eigenem Treibstofftank zusammengesetzt war.

Durch schrittweisen Abwurf von Bündeln ausgebrannter Raketenmodule an der Seite der Rakete würde damit das Gleiche erreicht wie mit der Stufentrennung anderer Raketen. Diese Module wurden dann zur Kosteneinsparung so einfach wie möglich konstruiert.

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