Schnell reich werden mit billigen Raketen

Die Einsparungen im Vergleich zu anderen Raketen sollten durch Massenproduktion und einfache Triebwerkstechnik zustande kommen. Anstatt wenige große und komplexe Triebwerke für eine Rakete zu bauen, sollte eine Fertigungsanlage für viele kleine und einfache Triebwerke aufgebaut werden. Die Technik für Triebwerke und Tanks musste so nur einmal entwickelt werden und die Massenproduktion senkte die Produktionskosten. Das Konzept wurde bereits 1971 veröffentlicht. Die Idee zur Kosteneinsparung erinnert sehr an das Konzept einer Firma, deren Gründer in genau diesem Jahr geboren wurde: Elon Musk.

Die Technik zum Bau der Treibstofftanks für die OTRAG-Rakete wurde vom Bau von Pipelines übernommen. Die Triebwerke hatten keine eigene Treibstoffpumpe und mussten durch hohen Druck im Tank mit Treibstoff versorgt werden, den diese Pipelines auch im normalen Betrieb aushalten mussten. Die Technik der Triebwerke war Resultat der staatlich finanzierten Forschung.

Fragwürdige Geschäfte

Das Stammkapital der OTRAG, die dieses Raketenkonzept umsetzen sollte, betrug 1 Million DM. Aber Raumfahrt war zu dieser Zeit so komplex und teuer, dass sie ausschließlich staatlichen Akteuren vorbehalten zu sein schien. Eine Firma, die mit eigenen Mitteln und eigener Technologie eine Rakete zum Start von Satelliten entwickelte, war nicht sehr glaubwürdig. Das Steuersparmodell der Abschreibungsgesellschaften aber machte die Suche nach Investoren zu einem zweitrangigen Problem. Die OTRAG nahm 95 Millionen DM an Investorengeldern ein.

Die kaum vorhandene Kontrolle über die Geschäfte der Firma machte wohl auch das folgende Geschäft überhaupt erst möglich: Kayser schätzte den Wert seiner Forschungsarbeiten auf 150 Millionen DM. Zu diesem Betrag verkaufte er sein geistiges Eigentum an die Raumfahrtfirma OTRAG, deren Vorstand ein gewisser Lutz Kayser war. OTRAG hatte zwar trotz der Investitionsgelder noch nicht genug Geld, um das bezahlen zu können, aber Kayser gewährte der OTRAG großzügig einen privaten Kredit über 130 Millionen DM. Die restlichen 20 Millionen DM wurden sofort fällig und von OTRAG an Kayser ausgezahlt.

Rumble in the Jungle

Die Rakete konnte in Deutschland allerdings nicht fliegen. Der Start von größeren Raketen wurde in Westdeutschland verboten nach der Explosion während der Vorführung einer Postrakete 1964,, bei der zwei Menschen starben. Die Rakete musste in einem anderen Land starten und zwar möglichst in der Nähe des Äquators. Dafür wurde ein 1976 von der OTRAG Stück Land in Zaire gepachtet, der heutigen Demokratischen Republik Kongo.

Das Gebiet wurde in der Firmenzeitschift stolz auf einer Landkarte von ganz Afrika in roter Farbe eingezeichnet - es war über 100.000 Quadratkilometer groß und damit größer als ganz Französisch Guayana oder die damalige DDR - und keineswegs unbewohnt.

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 Raumfahrtpionier: Der Mann, der lange vor SpaceX günstige Raketen entwickelteEine Rakete, die nie funktionieren konnte 
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