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Raumfahrtpatent: Russlands Raumstation mit künstlicher Schwerkraft

Ein russisches Unternehmen hat sich sein Konzept für eine Raumstation mit künstlicher Schwerkraft patentieren lassen . Einen Bautermin gibt es bisher nicht.
/ Patrick Klapetz
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So soll die Raumstation von Energia einmal aussehen. (Bild: RSC Energia)
So soll die Raumstation von Energia einmal aussehen. Bild: RSC Energia

Das russische staatliche Raketenunternehmen Energia hat ein Patent für eine neuartige Raumfahrzeugarchitektur erhalten(öffnet im neuen Fenster) . Mit diesem Konzept soll sich künstliche Schwerkraft erzeugen lassen, was besonders bei Langzeitmissionen große Vorteile mit sich bringt – egal ob in der niedrigen Erdumlaufbahn oder auf interplanetaren Reisen.

Denn in der Schwerelosigkeit sind Astronauten Bedingungen ausgesetzt, für die der menschliche Körper nicht geschaffen ist. Es kommt etwa zum Muskelabbau und dem Verlust von Knochendichte oder zu Einschränkungen beim Sehvermögen .

Russlands Raumstation mit künstlicher Schwerkraft

Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass(öffnet im neuen Fenster) ist das rotierende System so konstruiert, dass es eine Gravitationskraft von 0,5 g erzeugt - also der Hälfte der Erdschwerkraft. Die Patentdokumentation enthält Illustrationen einer theoretischen Raumstationsstruktur mit einem zentralen axialen Modul mit sowohl statischen als auch rotierenden Komponenten.

Die Module und Lebensräume sind durch hermetisch abgedichtete, flexible Übergänge miteinander verbunden, wobei mehrere bewohnbare Module um ein zentrales Verbindungsmodul angeknüpft sind.

Die radial befestigten, bewohnbaren Module sollen um diese Achse gedreht werden, um die Schwerkraft für die Besatzung zu simulieren. Dabei wird eine nach außen gerichtete Zentrifugalkraft erzeugt. Diese braucht etwa fünf Umdrehungen pro Minute und einen Radius von 40 Metern, um die halbe Erdschwerkraft zu erzeugen.

Probleme beim Andocken

Um eine Raumstation dieser Größe im Weltraum zu errichten, würde es mehrere Raketenstarts benötigen. Als nachteilig erweist sich jedoch das Andockmanöver: Die Transportschiffe für Kosmonauten und Frachtgüter müssen sich mit der Rotation der Raumstation abstimmen.

Das wiederum reduziert die Sicherheit bei der Nutzung einer solchen Station. Bereits ohne rotierendes Gebilde bergen Andockmanöver immer noch Risiken, wie man etwa bei dem Starliner-Raumschiff und dessen Andockversuch an die Internationale Raumstation ISS sehen konnte.

Der Rotationsmechanismus wurde jedoch nicht patentiert, da allgemein bekannt ist, dass Schwerkraft durch Rotation im Weltraum simuliert werden kann. Neu an dem Konzept ist die ineinandergreifende Bauweise und das Kopplungssystem.

Allerdings ist Russland nicht allein mit der Konzeptionierung einer Raumstation mit künstlicher Schwerkraft . Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat 2011 etwa das Nautilus-X-Raumfahrzeug ( Non-Atmospheric Universal Transport Intended for Lengthy United States Exploration(öffnet im neuen Fenster) ) vorgestellt – wobei das Projekt aus Kostengründen eingestellt wurde. Doch auch für das Konzept von Energia gibt es keinen Zeitplan.


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