Raumfahrtgeschichte und Zukunft: Ende der Spaceshuttle-Ära und Platz für SpaceX
Am kalifornischen Weltraumbahnhof Vandenberg Air Force Base ist ein Stück Raumfahrtgeschichte abgerissen worden. Hier standen seit Jahrzehnten die Stütztürme für die Raketenstarts der Space-Shuttles. Allerdings wurde vom Space Launch Complex 6 (SLC 6) nie ein Space Shuttle ins All befördert. Die Sprengarbeiten vom 16. Juni 2026(öffnet im neuen Fenster) beendeten diese längst vergangene Ära und machen Platz für die zukünftigen Raketenstarts von SpaceX.
Abgerissen wurden der Zugangsturm, der mobile Serviceturm und das Slick-Six – also das Montagegebäude bei der Startplattform SLC-6. Der Standort wird nun für die Falcon-9- und Falcon-Heavy-Raketen geräumt und modernisiert.
Die klägliche Vergangenheit von SLC-6
Der Bau der Plattform wurde erstmals 1966 in Auftrag gegeben, um die ersten Bemühungen der Luftwaffe zu unterstützen, Astronauten in die Erdumlaufbahn zu schicken und Aufklärungsmissionen zu fliegen. Der mobile Serviceturm und die Betonplattform des Standorts wurden für die modifizierte Titan-IIIM-Rakete gebaut. Das Programm wurde jedoch im Juni 1969 eingestellt, bevor auch nur ein einziger Raketenstart durchgeführt werden konnte.
Die Investitionen sollen nicht umsonst sein, weswegen die Luftwaffe den Startplatz für die dem Verteidigungsministerium vorbehaltenen Spaceshuttle-Missionen wählte. Die Discovery sollte dauerhaft nach Kalifornien geholt werden. Anders als am Kennedy Space Center in Florida, sollte das Raumfahrzeug direkt auf der Startrampe montiert werden und nicht in einem weiter entfernten Montagegebäude.
Zunächst wurde der Prototyp Enterprise mit einem Außentank und Feststoff-Raketen-Boostern auf der SLC-6-Startplattform aufgestellt. Doch dann ereignete sich im Jahr 1986 die Challenger-Tragödie. Das Verteidigungsministerium überdachte seine Abhängigkeit vom Shuttle-Programm und die Luftwaffe musste die fertiggestellte Anlage erneut aufgeben – ohne jemals eine einzige Mission gestartet zu haben.
Der Umschwung der 1990er
Anfang der 1990er Jahre wurde versuchte, SLC-6 für den Einsatz mit der Titan IV wiederzubeleben. Es kam jedoch wieder anders. Diesmal aber zum ersten operativen Einsatz mit dem Start von Lockheed Martins LMLV-1-Rakete im Jahr 1995. Es folgten Flüge mit den Raketen Athena I und Athena II, mit denen Nutzlasten für die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die kommerzielle Raumfahrtfirma Space Imaging (später Globaleye) in den Jahren 1997 und 1999 in den Orbit gebracht wurden.
Boeing pachtete daraufhin den Standort, später unter dem Zusammenschluss der United Launch Alliance (ULA). Die aus der Shuttle-Ära stammenden Strukturen, wie das Montagegebäude, der mobile Serviceturm und der Zugangsturm, wurden für zehn Delta-IV-Raketenstarts im Auftrag des National Reconnaissance Office (NRO) umgebaut. Der bislang letzte Start von SLC-6 wurde am 24. September 2022 mit einer Delta IV Heavy durchgeführt.
SpaceX blickt mit SLC-6 in die Zukunft
Im Jahr 2023 unterzeichnete SpaceX einen Pachtvertrag zur Nutzung des SLC-6 für seine Falcon-Raketen. Andere Falcon-9-Raketen werden bereits seit 2013 vom Space Launch Complex-4 (SLC-4) in Vandenberg gestartet.
SpaceX erwarb im Jahr 2016 auch den Zugang zum Orbiter Transporter System (OTS), ein 76-rädriges Pritschenfahrzeug, das ursprünglich für den Transport von Spaceshuttles zwischen den Vorbereitungsanlagen und dem SLC-6 an der Westküste gebaut wurde. SpaceX setzt den OTS nun an der Ostküste ein, um seine geflogenen Falcon-9-Erststufen zu den Startrampen in Cape Canaveral (Florida) zu bringen.
Laut einer Umweltverträglichkeitsstudie aus dem Jahr 2025 rechnet SpaceX damit, dass die Umbauarbeiten am SLC-6, einschließlich des Baus von zwei Landeplätzen für die wiederverwendbaren Falcon-9-Erststufen-Booster, 18 Monate in Anspruch nehmen werden. Die Starts der Falcon Heavy könnten 2030 beginnen, vorbehaltlich der Anforderungen der NRO.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.