Raumfahrt: Wie die Ariane 5 zum Monument des Scheiterns der Esa wurde
Die europäische Trägerrakete Ariane 5 ist zum letzten Mal geflogen. Europa hat nun keinen Zugang zum Weltraum mehr. Die Esa scheitert damit an ihrer Hauptaufgabe.
Die 117. Mission ist die letzte: In der Nacht zum Donnerstag, dem 6. Juli, hat die europäische Trägerrakete Ariane 5 zum letzten Mal, Satelliten im Weltall abgesetzt. Die Sicherung des Zugangs zum Weltall ist die Hauptaufgabe und Existenzberechtigung der Esa, der heutige Tag markiert ihr Scheitern. Erstmals seit 1979 hat Europa keinen eigenständigen Zugang zum Weltraum mehr, nachdem auch die Vega C am Boden bleiben muss. Nach 117 Flügen ist die Ariane 5 kein Symbol des Erfolgs der Esa. Ihre Entwicklung ist eher eine Chronologie der Probleme, die zu ihrem heutigen Zustand geführt haben.
Die Esa entstand 1975 als Nachfolger der European Launcher Development Organisation (Eldo). Aber schon die Eldo wurde aufgelöst, weil sie an ihrer Hauptaufgabe scheiterte: der Sicherung des Zugangs zum Weltall für Europa. Europa hießen auch die Raketen der Eldo, die bei fünf von fünf Startversuchen scheiterten. Die ersten Raketen der Esa sollten vor allem zuverlässig und mit angemessener Nutzlast fliegen – und bis zur Ariane 5 wurde alles andere diesem Ziel untergeordnet.
Die heutigen Probleme begannen schon 1977 mit einer Studie der französischen Raumfahrtagentur CNES für ein kleines Spaceshuttle, das an der Spitze der Ariane 5 fliegen sollte. Mit 10 Tonnen (t) Startgewicht sollte eine fünfköpfige Crew darin Platz finden und es wie ein Flugzeug landen können. Es war zwei Jahre vor dem ersten Flug der Ariane 1, aber die Pläne für Raketen bis zur Ariane 4 standen längst fest. Zum Start des kleinen Spaceshuttles war aber eine größere Nachfolgerakete nötig, das war die Ariane 5.
Ariane war zum Erfolg verdammt
Eigentlich war diese Ariane 5 zum Start von kommerziellen Satelliten vorgesehen. 1977 war absehbar, dass Satelliten immer größer und schwerer würden. Die Industrie erwartete geostationäre Satelliten mit einem Gewicht von 5,5 t. Die Ariane 4 fand ihre technischen Grenzen aber bereits bei etwas mehr als 4,5 t. Ein Nachfolger mit etwas mehr Nutzlast war demnach ohnehin nötig und die neue Rakete sollte problemlos ein 10 t schweres Raumschiff in einen niedrigen Orbit bringen können.
Das kleine europäische Spaceshuttle wäre wohl nur eine Papierstudie geblieben, wäre die Ariane 4 nicht so ein unerwartet großer Erfolg geworden. Denn das überambitionierte US-amerikanische Spaceshuttle scheiterte spätestens 1986 mit der Explosion der Raumfähre Challenger. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Produktion fast aller anderen Raketen schon beendet, weil das Spaceshuttle bekanntlich alle anderen Raketen ersetzen sollte. Die Ariane 4 war nun nicht nur eine gute Rakete, sondern die einzige Rakete ihrer Art. Ihr Erfolg war damit unvermeidlich.
Die Ariane war kein Hightech
Die Ariane 4 war das Anti-Shuttle. Sie verwendete kein Hightech, sondern pragmatische Technik – so einfach wie möglich, so fortgeschritten wie nötig. Es war eine verlängerte Ariane 1 mit Seitenboostern. Mit acht kleinen Triebwerken bestenfalls mittelmäßiger Effizienz in der ersten Stufe, statt wenigen großen Raketentriebwerken, ähnelte sie etwas der späteren Falcon 9. Einfache Technik kombiniert mit hohen Stückzahlen machte die Rakete kostengünstiger als alle früheren Raketen, während das Spaceshuttle immer teurer wurde.
Mit dem Erfolg der Ariane-Raketen wurde die Entwicklung des kleinen Spaceshuttles möglich, das den Namen Hermes erhielt. Schnell wurde aber klar, dass die Pläne mit nur 10 t Gewicht technisch unmöglich durchführbar waren. Die Ariane 5 musste größer werden – und niemand wusste, wie groß genau. Alle Pläne für kleinere Modifikationen der Ariane 4, etwa durch ein zusätzliches Triebwerk in der ersten Stufe, waren damit vom Tisch. Das Konzept der Ariane 5 musste ständig vergrößert werden, das ging am einfachsten mit Feststoffboostern.