Spaceshuttle Hermes bestimmte das Design der Ariane 5
Das Ziel, einfach nur die Anforderungen der kommerziellen Satellitenbauer zu erfüllen, war zu diesem Zeitpunkt längst vergessen. Hermes wurde immer schwerer und die technischen Probleme für die Esa unlösbar. Als das Projekt 1993 eingestellt wurde, wog Hermes 20 Tonnen. Am Ende sah die Ariane 5 aus wie das US-amerikanische Spaceshuttle. Sie bestand aus zwei mächtigen Feststoffboostern mit einem großen Wasserstofftank und einem kleinen Triebwerk in der Mitte.
Eigentlich sollte für die Entwicklung der Ariane 5 so weit wie möglich die Technik der Ariane 4 übernommen werden. Tatsächlich war sie nun eine völlig andere Rakete und doppelt so groß wie ursprünglich geplant. Aber ausgerechnet die Steuerungscomputer und die alte Steuerungssoftware wurden übernommen. Beim ersten Flug geriet die nun völlig überdimensionierte Ariane 5 außer Kontrolle. Die Rakete wurde gesprengt und vier Satelliten zur Beobachtung des Erdmagnetfeldes gingen verloren.
Die Ariane 5 war viel zu groß für den Satellitenmarkt. Aber niemand wollte sie wieder kleiner machen, obwohl es ohne Hermes keine Verwendung für eine so große Rakete gab. Dabei war inzwischen alles an der Ariane 5 nur noch für Hermes ausgelegt. Satelliten spielten fast keine Rolle mehr. Das ging soweit, dass niemand eine adäquate Raketenstufe für den Start von Satelliten entwickelt hatte, die damals fast ausschließlich in den geostationären Orbit flogen.
Eine Übergangslösung ersetzt eine Übergangslösung
Die kleine EPS-Oberstufe für die Ariane 5 sollte eigentlich nur den Hermes in den niedrigen Orbit bringen, während die wasserstoffbetriebene Oberstufe der Ariane 4 für Ariane 5 viel zu klein war. Mit einer angemessen dimensionierten Oberstufe hätte die Ariane 5 eine Nutzlast von etwa 13 bis 14 Tonnen in den geostationären Übergangsorbit (GTO) gehabt. Als Übergangslösung wurde aber dennoch die kleine EPS-Stufe genutzt, mit einer Nutzlast von nur noch 6 bis 7 Tonnen. Von 1996 bis 2004 flog die Ariane 5 fast ausschließlich damit.
So erreichte sie zwar ungefähr die Leistung, die sie nach den Plänen von 1977 erreichen sollte, war aber doppelt so groß und viel zu teuer. Erst jetzt wurde eilig eine etwas bessere Oberstufe als Übergangslösung zum Ersatz der Übergangslösung entwickelt – die ECA-Oberstufe, die 2006 von der ECB abgelöst werden sollte. Die groteske Konstruktion der ECA nutzte Teile der Oberstufe der Ariane 4 mit dem unterdimensionierten HM-7B Triebwerk und eine große Zahl schwerer Verstrebungen, um einen verlängerten Sauerstofftank der Ariane 4 mit einem unförmigen Wasserstofftank zu verbinden.
Vorahnung der Ariane-6-Probleme
Die ECA-Oberstufe, die 2002 erstmals flog, wog zwei- bis dreimal so viel wie alle vergleichbaren Raketenstufen und hatte dabei zu wenig Schub und zu wenig Treibstoff, was einen Verlust von wenigstens 3 bis 4 Tonnen Nutzlast bedeutete. Solche Kompromisse können kurzfristig akzeptabel sein. Aber 21 Jahre später flog die letzte Ariane 5 noch immer damit.
Das ist keine Anekdote, um die Ariane 5 schlecht aussehen zu lassen. Denn die eigentlich geplante größere ECB-Oberstufe ist heute die geplante Oberstufe der Ariane 6. Ihre Entwicklung begann 1998 und sie ist immer noch nicht fertig. Sie soll mit 31 t statt nur 14 t Treibstoff und einem größeren Wasserstofftriebwerk fliegen. Dabei soll das neue Triebwerk namens Vinci nicht einfach nur größer sein, sondern Weltspitze.
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| Raumfahrt: Wie die Ariane 5 zum Monument des Scheiterns der Esa wurde | Wie Vinci zum großen Problem der Ariane 6 wurde |










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