Raumfahrt: Weltraum-Whisky schmeckt anders

Hat die Schwerkraft Einfluss auf den Geschmack von Whisky? Dieser überaus wichtigen Frage sind das US-Unternehmen Nanoracks(öffnet im neuen Fenster) und die Ardbeg-Destillerie(öffnet im neuen Fenster) nachgegangen. Eine Probe des rauchigen Whiskys wurde im Oktober 2011 auf die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) geschickt und reifte dort über zwei Jahre. Anschließend wurde er mit einer Probe von irdischem Whisky verglichen(öffnet im neuen Fenster) : Die Schwerelosigkeit hat dem Getränk einen anderen Geschmack verliehen.
Die Idee zu dem Experiment Ardbeg in Space(öffnet im neuen Fenster) kam von Nanoracks, einem Unternehmen aus Houston im US-Bundesstaat Texas, das Forschungsprogramme für die ISS konzipiert. Ardbeg ist eine Destillerie auf der schottischen Insel Islay, wo vor allem rauchige und torfige Whiskys hergestellt werden. Ziel war, herauszufinden, wie sich die weitgehende Schwerelosigkeit auf der Station auf die Terpene(öffnet im neuen Fenster) auswirkt. Das sind die Bausteine für die Whisky-Aromen.
Destillat und Holzspäne werden abgefüllt
Ardbeg füllte eine Menge frischen Destillats ab und schickte es zusammen mit Holzspänen in einem aufbereiteten Fass nach Houston zu Nanoracks. Dort wurden Destillat und Späne in spezielle Gefäße mit zwei abgetrennten Kammern gefüllt. Einige der Probengefäße wurden im Oktober 2011 auf die ISS geschickt, die anderen blieben zur Kontrolle auf der Erde.
Das Experiment begann im Januar 2012: Sowohl auf der ISS als auch auf der Erde wurden die Trenner in den Gefäßen entfernt, damit Destillat und Holz miteinander in Kontakt kommen konnten. Das Holz hat den größten Anteil am Aroma eines Whiskys. Es gibt dem schottischen Getränk auch erst seine Farbe. Frisch destillierter Whisky ist durchsichtig wie Wasser.
Der Whisky kommt aus dem Weltraum zurück...
Am 12. September 2014 kehrten die Proben von der ISS zur Erde zurück. Danach wurden aus allen Proben die Holzspäne ausgefiltert. Anschließend wurden alle Proben verschiedenen Tests unterzogen: Per Gaschromatographie (GC) etwa wurden die wichtigsten Bestandteile, die für das Aroma verantwortlich sind, analysiert, per Hochleistungsflüssigkeitschromatographie die für die Reifung verantwortlichen.
Die Verteilung der Aromastoffe war dabei vergleichbar, Unterschiede gab es hingegen bei den Stoffen, die für die Reifung zuständig sind – das sind die Holzextrakte. Deren Konzentration war im ISS-Whisky geringer. Offensichtlich verhindert die weitgehende Schwerelosigkeit, dass sie aus dem Holz in den Whisky übergehen. In beiden war die Konzentration jedoch höher als in einem Whisky, der im Fass gereift ist, weil die Späne eine größere Oberfläche haben.
... und wird verköstigt
Schließlich wurden der irdische und der himmlische Whisky einer organoleptischen Untersuchung(öffnet im neuen Fenster) unterzogen – sprich: Drei Experten rochen und schmeckten.
Beide Whiskys unterschieden sich ihrer Ansicht nach klar im Geschmack. Wegen der höheren Konzentration der Holzaromen sei das Holz im Geschmack gut herausgekommen, sagten die Experten. Zudem schmeckten sie Rauch und eine "entfernte Fruchtigkeit" . Beim ISS-Whisky hingegen sei der Geschmack stärker fokussiert gewesen auf Frucht- und Kräuternoten. Das Holz sei eher im Abgang zu schmecken gewesen. Außerdem stellten sie eine Schärfe fest, die dem irdischen Whisky fehlte.
Dass die weitgehende Schwerelosigkeit einen Einfluss auf die Aromastoffe habe, sei eine wichtige Erkenntnis für die Whisky-Industrie, aber auch für andere Bereiche der Lebensmittelbranche, resümiert Ardbegs Chef-Destiller Bill Lumsden(öffnet im neuen Fenster) . "Der Unterschied in den simulierten Reifebedigungen hat zu einem dramatisch unterschiedlichen Aromaprofil geführt, was die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Aromen eröffnet, speziell neuer Ardbeg-Whiskys."
Vor allem aber dürfte das Experiment für alle Beteiligten ein Heidenspaß gewesen sein. Prost!



