Raumfahrt: Was vom Raketenwettbewerb ohne Wettbewerb übrig blieb

In Deutschland sollen Raketen gebaut werden. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis von vornherein feststand.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Bislang gibt es die Trägerrakete von Hyimpulse nur in Form von Konstruktionszeichnungen.
Bislang gibt es die Trägerrakete von Hyimpulse nur in Form von Konstruktionszeichnungen. (Bild: HyImpulse)

Deutschland will nicht nur einen eigenen Weltraumbahnhof haben, sondern auch eigene Raketen dafür entwickeln lassen. Die Unterstützung dieser Entwicklung wurde 2019 beschlossen; deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Mai 2020 einen sogenannten Microlauncher-Wettbewerb ausgeschrieben. Die Preise in Höhe von je 500.000 Euro wurden dabei an drei deutsche Raketen-Startups verliehen. Der Wettbewerb geht nun in die zweite und dritte Runde, bei der nochmals je 11 Millionen Euro an die beiden besten Unternehmen gehen sollen. Ziel ist es, bis 2023 zwei Demonstrationsflüge durchzuführen und dabei nichtkommerzielle Nutzlasten kostenfrei mitzunehmen.

Inhalt:
  1. Raumfahrt: Was vom Raketenwettbewerb ohne Wettbewerb übrig blieb
  2. Zwei Firmen kopieren die Falcon 9 im kleinen Maßstab
  3. Privaten Raketen fehlt bessere Unterstützung von der Esa

Von einem offenen Wettbewerb konnte dabei nie die Rede sein. Die Bewerbungsfrist betrug nur einen Monat von Mai bis Juni, viel zu wenig, um tatsächlich ein neues Konzept zu erarbeiten und vorzustellen. Vielmehr war die Ausschreibung des Wettbewerbs maßgeschneidert auf drei Projekte, die schon in einem DLR-Newsletter von 2019 genannt wurden - als die einzigen deutschen Unternehmen, die Raketen entwickeln und eine gewisse Kapitalausstattung haben.

Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb für Raketen, die wenigstens 150 kg Nutzlast haben. Bis zu fünf Unternehmen hätten in der ersten Runde gewinnen können sollen, aber es gab keine Überraschungen. Gewonnen haben die Rocket Factory Augsburg, Isar Aerospace und Hyimpulse. Die Rocket Factory entstand 2018 als Ausgründung von OHB, Europas drittgrößter Raumfahrtfirma mit rund einer Milliarde Euro Jahresumsatz. Isar Aerospace entstand ebenfalls 2018, wird von fünf Venture-Capital-Firmen finanziert und kooperiert mit Airbus. Hyimpulse ist ein DLR-Spinoff aus dem Jahr 2019, dessen einziger größerer Sponsor IABG ist, ein Analyse- und Testdienstleistungsunternehmen im Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsbereich.

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Die Erwartungen an die Unternehmen sind unrealistisch

Die Erfahrung von privaten Unternehmen wie SpaceX und Rocketlab zeigt aber, dass das gesteckte Ziel von je zwei Raketenstarts bis spätestens 2023 überambitioniert und voraussichtlich unerreichbar ist. Es fehlt an Zeit und Geld. Die bloße Entwicklung einer kleinen zweistufigen Rakete wie der Falcon 1 mit 300 kg Nutzlast dauerte sieben Jahre bis zum zweiten erfolgreichen Flug, nach insgesamt drei Fehlschlägen. Genauso lange dauerte es bei der Electron von Rocketlab mit 150 kg Nutzlast. Beide Firmen investierten allein dafür deutlich über 100 Millionen US-Dollar. SpaceX gab die Falcon-1-Rakete nach der 120 Millionen US-Dollar teuren Entwicklung auf, Rocketlab investierte anschließend nochmals rund 100 Millionen US-Dollar in die Anlagen zur Serienproduktion.

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Das ausgeschriebene Preisgeld von nur 11 Millionen Euro ist viel zu klein, um einen größeren Anteil der gesamten Entwicklung zu finanzieren. Es reicht kaum aus, um auch nur die Kosten der beiden geforderten Demonstrationsflüge zu zahlen. Es handelt sich also eher um Subventionen, die nur nicht als solche benannt wurden.

Ein Blick auf die drei Raketen lohnt sich dennoch, auch wenn die in sie gesetzten Erwartungen unrealistisch sind. Die kleinste Rakete stammt von der Rocket Factory, sie soll 200 kg Nutzlast in einen sonnensynchronen Orbit bringen können. Dieser Orbit dient bei kleinen Raketen im Allgemeinen als Maßstab. Die Rakete von Hyimpulse hat in diesem Orbit etwa 300 kg Nutzlast, während diejenige von Isar Aerospace 700 kg erreichen soll.

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Zwei Firmen kopieren die Falcon 9 im kleinen Maßstab 
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morob65 22. Jul 2020

die überschrift sagt leider genau das richtige. da gibt es leider nichts weiter zu...

The_Plaque 21. Jul 2020

Raketenwissenschaftler werden dich für diesen Trick hassen :-)

MrAndersenson 21. Jul 2020

Gelandete Raketen sind schon mal geflogen - was heisst das ProduktionsFehler weitgehend...

Frank... 20. Jul 2020

Die Falcon 1 wurde, genauso wie die Falcon 9, zunächst als herkömmliche Rakete...

Frank... 20. Jul 2020

Ist korrigiert. Vielen Dank.



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