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Raumfahrt: Warum die Nasa auf veraltete Windows-Tablets setzt

In modernen Raumschiffen wie der Orion-Kapsel steckt oft Hardware von gestern. Ein Experte der Nasa erklärt, warum das kein Fehler ist.
/ Nils Matthiesen
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Warum die Nasa Alt-Hardware nutzt (Bild: NASA via Getty Images)
Warum die Nasa Alt-Hardware nutzt Bild: NASA via Getty Images

Wenn Astronauten bei aktuellen Missionen wie dem Artemis-Programm mit Geräten hantieren, die eher an die frühen 2010er-Jahre als an High-Tech-Zukunft erinnern(öffnet im neuen Fenster) , steckt dahinter eine bewusste Strategie. Wie der Nasa-Experte für bemannte Raumfahrt, Jason Hutt, erläutert, ist der Einsatz von vermeintlich veralteter Hardware – etwa älteren Windows-Tablets – kein Zeichen von Rückständigkeit, sondern eine Notwendigkeit der Sicherheit und Budgetplanung.

Zertifizierung kostet Zeit und Geld

Der Hauptgrund für die technologische Zeitverzögerung liegt im extremen Zertifizierungsprozess. Jede Komponente, die in den Weltraum geschickt wird, muss jahrelange Testreihen durchlaufen, um die Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen wie Strahlung und Vakuum zu garantieren. Diese Tests sind laut Hutt nicht nur zeitaufwendig, sondern verursachen auch enorme Kosten.

Für die Artemis-Missionen traf die Nasa daher die Entscheidung, Geräte zu verwenden, die bereits auf der Internationalen Raumstation (ISS) im Einsatz sind. Durch diesen Rückgriff auf bereits zertifizierte Plattformen entfiel die Notwendigkeit für kostspielige Neuzertifizierungen. Zudem war die benötigte Software bereits auf diese spezifische Hardware zugeschnitten, was das Risiko für Systemfehler im tiefen Weltraum minimiert.

Zuverlässigkeit schlägt Geschwindigkeit

Ein weiteres Problem ist der Planungsvorlauf: Missionen werden oft ein Jahrzehnt im Voraus konzipiert. Die zum Zeitpunkt der Planung modernste Technik ist am Tag des Starts zwangsläufig überholt. Die Nasa nimmt diesen Trade-off jedoch bereitwillig in Kauf. Im Weltraum ist Zuverlässigkeit weitaus wichtiger als die reine Rechenleistung oder ein modernes Design.

Zudem müssen die Systeme ohne die auf der Erde übliche permanente Internetverbindung funktionieren. Moderne, cloudbasierte Systeme sind für Deep-Space-Missionen aufgrund von Bandbreitenbeschränkungen und hohen Datenlatenzen schlicht unbrauchbar. Die Nasa setzt daher auf bewährte Stand-alone-Hardware, die unter widrigsten Bedingungen ihre Funktionalität bereits bewiesen hat. Der Weltraum ist laut Hutt kein Ort für Experimente mit dem neuesten Gadget, sondern ein Ort für Technik, der man bedingungslos vertrauen kann.


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