Raumfahrt: Verwirrung um Erststart der südkoreanischen Nuri-Rakete

Südkorea hat erstmals eine selbst konstruierte Rakete gestartet. Kurz nach dem Start wird Erfolg vermeldet, eine Stunde später zurückgezogen.

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Die Nuri hob bei ihrem ersten Flug erfolgreich ab.
Die Nuri hob bei ihrem ersten Flug erfolgreich ab. (Bild: Kari/Screenshot: Golem.de)

Nuri heißt die erste vollständig selbst entwickelte Rakete des Koreanischen Forschungsinstituts für Luft- und Raumfahrt, Kari. Um 10:06 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob die 200 Tonnen schwere Rakete erstmals ab. An Bord war keine Nutzlast, sondern ein 1,5 Tonnen schweres Gewicht an Stelle eines echten Satelliten. Das Ziel war ein 700 Kilometer hoher polarer Orbit, wie er etwa für Erdbeobachtungssatelliten benutzt wird. Dazu passt der Name der Rakete, der auf Deutsch Welt bedeutet. Kurz nach dem Start wurde Erfolg vermeldet, es müsse nur noch die Flugbahn analysiert werden.

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Aber schließlich trat der südkoreanische Präsident Moon Jae-in vor die Presse und teilte mit, dass die Rakete zwar 700 km Höhe, aber ihren Orbit nicht erreicht habe. Es sei aber die Zündung der beiden Raketenstufen demonstriert worden. Bei genauerer Betrachtung der Bilder vom Start wird das Problem deutlich: Kurz nach Trennung der zweiten Stufe und Zündung des Triebwerks geht das Triebwerk wieder aus. Aber im Livestream wird zu den lächelnden Moderatoren geschnitten und Startwiederholungen gezeigt, so als würde alles weiter normal verlaufen. Golem.de beobachtete ein ähnliches Vorgehen aber auch schon mehrfach in der europäischen Raumfahrt.

Die dreistufige Nuri wird beim Start von vier kerosinbetriebenen KRE-075-Triebwerken angetrieben, mit einem Schub von je 66 Tonnen (Gewichtskraftäquivalent), der sich im Vakuum auf knapp 76 Tonnen erhöht. Die zweite Stufe benutzt das gleiche Triebwerk mit einer verlängerten Düse und 80 Tonnen Schub. Aufbau und Leistungsdaten sind, vom Treibstoff abgesehen, vergleichbar mit der Ariane 1.

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Anders als bei der Ariane wird die dritte Stufe aber mit einem kerosinbetriebenen KRE-007-Triebwerk mit sieben Tonnen Schub ausgestattet, nicht mit dem viel effizienteren und mit Wasserstoff betriebenen HM7 der Ariane. Deshalb ist die Nutzlast der Nuri nur vergleichbar mit der europäischen Vega-Rakete, obwohl die Nuri mit 200 Tonnen Startgewicht fast 50 Prozent schwerer ist.

Die Rakete soll weiterentwickelt werden

Kari plant, die Rakete weiterzuentwickeln, mit dem schubstärkeren KRE-090-Triebwerk und einem effizienteren Oberstufentriebwerk. Dann sollen auch vier Seitenbooster mit je einem KRE-090-Triebwerk hinzukommen, ähnlich wie bei der Ariane 4. Die Entwicklung der Rakete dauerte zwölf Jahre und kostete bislang umgerechnet 1,5 Milliarden Euro, inklusive des Baus des Naro Space Center.

Genau genommen ist Nuri bereits die zweite südkoreanische Rakete. Aber ihr Vorgänger, die Naro-I, benutzte eine komplett in Russland gefertigte erste Stufe, die gleichzeitig ein Prototyp für die Angara war, und eine unterdimensionierte zweite Stufe. Das Ziel dieser Rakete war, noch vor Nordkorea einen Satelliten in den Orbit zu befördern. Aber erst der dritte Start der Naro-I war am 30. Januar 2013 erfolgreich, die nordkoreanische Unha-3 erreichte den Erdorbit bereits am 12. Dezember 2012.

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