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Raumfahrt: US-Spionagesatellit passiert ISS in geringer Entfernung

Unfähigkeit, Zufall oder Absicht? Der kürzlich gestartete US-Spionagesatellit hat sich der ISS bis auf wenige Kilometer genähert. Der Grund für das Manöver ist unklar.
/ Werner Pluta
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Start der Falcon 9 mit NRO-Satellit an Bord (am 1.5.2017): Begegnung über dem Südatlantik (Bild: SpaceX)
Start der Falcon 9 mit NRO-Satellit an Bord (am 1.5.2017): Begegnung über dem Südatlantik Bild: SpaceX

Vorbeiflug in geringer Entfernung: Ein US-Spionagesatellit hat die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) in nur wenigen Kilometern Entfernung passiert. Das Manöver ist rätselhaft.

Der Satellit war Anfang Mai vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX im Auftrag des US-Militärgeheimdienstes National Reconnaissance Office (NRO) ins All gebracht worden . Das geschah unter strenger Geheimhaltung: Über den Satelliten wurden keine Informationen bekannt gegeben, nicht einmal der Orbit.

Der Satellit flog über die ISS

Private Raumfahrtenthusiasten verfolgten den Satelliten und stellten fest, dass dieser Anfang Juni in geringer Entfernung die ISS überflog. Die ISS befand sich zu dem Zeitpunkt über dem Südatlantik. Einer der Beobachter schätzte(öffnet im neuen Fenster) die Distanz zwischen Satellit und Station auf 4,4 Kilometer.

NROL-76 Launch Webcast (SpaceX)
NROL-76 Launch Webcast (SpaceX) (22:10)

Ein anderer kam auf 6,4 ± 2 Kilometer. Um die ISS gibt es eine Sicherheitszone von 4 x 4 x 10 Kilometern. Wenn ein Objekt in diese Zone eindringt, macht die ISS ein Ausweichmanöver. Der Satellit sei gerade außerhalb der Zone geblieben, schreibt er(öffnet im neuen Fenster) .

Das NRO schweigt

Das US-Onlinemagazin Ars Technica hat versucht, dem nachzugehen, und bei der US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) sowie beim NRO nachgefragt. Die Nasa antwortete ausweichend, das NRO gar nicht.

Ein ehemaliger ISS-Astronaut hielt im Gespräch mit Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) den Vorbeiflug für keinen Zufall. Allerdings könne er sich nichts vorstellen, was eine solche Annäherung rechtfertige.

Auch der Astrophysiker Jonathan McDowell glaubt nicht daran, dass sich Station und ISS zufällig getroffen haben. Es sei zwar grundsätzlich möglich, dass der Satellit in einer ähnlichen Umlaufbahn ausgesetzt wurde, doch das wäre grobe Inkompetenz. Damit sei eine absichtliche Annäherung die wahrscheinlichere Erklärung. "Allerdings hätte ich erwartet, dass der Satellit nach der Begegnung ein Manöver durchführt" , sagte McDowell. Er scheine aber im gleichen Orbit geblieben zu sein.


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