Raumfahrt und Hygiene: Saubere Unterwäsche fürs All

Ein Wiener Startup arbeitet an hygienischer Unterwäsche für die Raumfahrt. Bisher müssen Raumfahrende ihre Unterhosen mehrere Tage anbehalten.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Ein Astronaut zieht seinen Weltraumanzug inklusive Unterwäsche für einen Weltraumspaziergang an.
Ein Astronaut zieht seinen Weltraumanzug inklusive Unterwäsche für einen Weltraumspaziergang an. (Bild: NASA, Robert Markowitz)

Hygiene ist im All ein Problem. Astronauten und Astronautinnen müssen ihre Unterwäsche mehrere Tage lang tragen und entsorgen sie dann. In Wien wird an einer Lösung geforscht, mit der die Weltraum-Unterwäsche länger frisch bleiben soll - und damit auch die Luft auf der Internationalen Raumstation ISS. Diese riecht derzeit nicht gut, sondern nach einer Mischung aus Desinfektionsmitteln, Müll und Schweiß, wie es der Nasa-Astronaut Scott Kelly beschreibt.

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Gernot Kroemer und sein Team des Österreichischen Weltraumforums (OeWF) sowie des Wiener Textillabors (VTL) möchten mit ihrer Forschung auch dazu beitragen, dass die Prozesse auf der ISS umweltfreundlicher werden. Die getragene Unterwäsche kann auf der ISS nämlich nicht gewaschen werden. Sie wird mit anderem Müll in eine Raumkapsel gefüllt und Richtung Erde geschickt. In der Erdatmosphäre verglüht dann die Kapsel mit der eingefrorenen Unterwäsche und am Himmel erscheint eine menschgemachte Sternschnuppe. "Nicht jede Sternschnuppe ist romantisch", sagte Groemer der Nachrichtenagentur dpa.

Hygiene ist ein Problem auf der ISS

Weltraummissionen und Spaziergänge im All werden immer alltäglicher und länger. Das wiederum bringt Herausforderungen mit sich. Für solche Missionen ziehen die Raumfahrenden zunächst eine Windel an - immerhin können sie die Weltraumspaziergänge nicht für den Gang zur Toilette kurzweilig unterbrechen. Darüber ziehen sie ihre private Unterwäsche, eine dritte Schicht trägt zur Kühlung bei. Diese müssen sich die Besatzungsmitglieder untereinander aber teilen - und das ungewaschen. "Das ist besonders problematisch für die Hygiene", sagt Gernot Groemer.

Zwar enthält das derzeitige Material bakterienbekämpfende Silberfäden. Doch dies sei keine ideale Langzeitlösung, da es potenzielle Nebenwirkungen hat. Deswegen hat die Europäische Weltraumorganisation ESA das OeWF mit der Lösungsfindung des Problems beauftragt. Man hoffe, neue Ideen bis 2023 zu finden.

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Die Schwerelosigkeit bringt für Raumfahrende hygienetechnisch noch ein weiteres Problem mit sich: Der Schweiß verteilt sich dort ganz anders auf dem Körper, erklärt die VTL-Chefin und Chemikerin Karin Fleck der dpa und führt aus: "Im Weltraum gibt es ein ganz eigenes Mikrobiom. Es gibt kein Gleichgewicht wie auf der Erde." Daher haben Raumfahrende ein höheres Risiko, Hautkrankheiten zu erleiden.

Mikroben waren bereits für die Mir-Raumstation eine Gefahr

Wie gefährlich Mikroben in einem abgeschirmten Raum sein können, kann man am Beispiel der russischen Raumstation Mir sehen. Diese war zu ihrem Ende hin so sehr mit Bakterien und Pilzen verseucht, dass Astronautinnen und Astronauten sie nicht mehr ohne Gefahr hätten nutzen können.

"Langzeitaufenthalte von Astronautinnen und Astronauten in einer Raumstation führen dazu, dass sich aus den mitgeschleppten Mikroorganismen eine eigene Mikroflora entwickelt. Dies kann Auswirkungen auf die Gesundheit der Astronauten haben - insbesondere, wenn sich die Zusammensetzung der Mikroflora unter den Bedingungen des Weltraumfluges verändert", heißt es dazu beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Für Groemer ist klar: "Unsere Forschung ist nicht so glamourös, aber sie ist wichtig."

Die Geschichte der Raumfahrt

Zukunft der Weltraumkleidung

Die neue Unterwäsche wird nicht nur für die ISS entworfen. Das Team untersucht auch, wie die Materialien auf Mondstaub oder Strahlung reagieren. Außerdem denke man über ein komplett neues Weltraum-Outfit nach, zu dem beispielsweise auch Handschuhe gehören, erörtert Fleck.

Auch auf der Erde sei man an den neuen Kleidungsstücken interessiert. Die ersten Gespräche mit Textilherstellern seien bereits im Gange, sagt Groemer. Schließlich sind viele Menschen daran interessiert, dass Unterwäsche länger frisch bleibt, was der Umwelt zugute käme. Als nächsten Schritt plant das österreichische Forschungsteam die Entwicklung einer Mars-Waschmaschine. Diese könnte das vorhandene Kohlendioxid auf dem Mars nutzen, um die nötige Feuchtigkeit zu erzeugen.

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schoenix 07. Sep 2021

Für so etwas wären Ionentriebwerke vermutlich nicht ganz schlecht, gerade um den...

dbettac 07. Sep 2021

Die Darmflora alleine reicht aus.

dbettac 07. Sep 2021

Wäre es nicht ebenso effektiv, das zu sterilisierende Material (Wäsche!) dem Vakuum...

Muhaha 06. Sep 2021

Meine zarter Babypopo ... Nein, ehrlich, wenn es hilft diesen inzwischen so typischen...



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