Raumfahrt: Ukraine ist eine unterschätzte Raumfahrtnation

Ohne ukrainische Technik bleiben viele Raketen in den USA, Europa und Russland am Boden. Oft bleibt sie ungenannt oder wird sogar verheimlicht.

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Die Rocket Factory Augsburg benutzt ukrainische Triebwerkstechnik, spricht aber nicht darüber.
Die Rocket Factory Augsburg benutzt ukrainische Triebwerkstechnik, spricht aber nicht darüber. (Bild: RFA)

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur wegen der notwendigen Sanktionen gegen Russland schwere Auswirkungen auf die weltweite Raumfahrt. In den 30 Jahren seit dem Fall der Sowjetunion ist Raketentechnik aus der Ukraine zu einem wichtigen Teil der Entwicklung neuer Raketen geworden und aus der Ukraine importierte Technik ist unverzichtbar, auch für die Esa.

Inhalt:
  1. Raumfahrt: Ukraine ist eine unterschätzte Raumfahrtnation
  2. Die Ukraine kann auch ganze Raketen bauen

Die Beteiligung der Ukraine bleibt dabei oft verborgen oder wird sogar absichtlich verheimlicht. Das ist etwa bei der deutschen Rocketfactory Augsburg der Fall, die nur auf Druck zugegeben hat, ihre Technik aus der Ukraine zu beziehen. Bis heute erwähnt das Unternehmen dies nicht in der Firmenkommunikation.

Nicht viel besser ist es mit der europäischen Vega-Rakete, deren AVUM-Oberstufe von einem ukrainischen RD-843-Triebwerk angetrieben wird. Im Handbuch findet sich zwar der Hinweis auf den Hersteller Yuzhnoye, aber die Ukraine als unverzichtbarer Partnerstaat für Bau und Start der Rakete wird auch dort nirgendwo erwähnt. Der aktuelle Vorrat an RD-843 Triebwerken aus der letzten Bestellung von 2021 wird 2023 erschöpft sein.

Ukrainer entwickeln Hightech in US-amerikanischen Startups

Auch die US-amerikanische Firma Firefly entwickelte ihre kürzlich erstmals gestartete Alpha-Rakete mit ukrainischer Technik. Sie wurde 2017 von dem Ukrainer Max Polyakov vor dem Bankrott gerettet und mit neuer Triebwerkstechnik ausgestattet. Am 29. Dezember 2021 wurde Polyakov jedoch unter dem Vorwand nationaler Sicherheitsinteressen der USA gezwungen, seine gesamten Unternehmensanteile für 1 US-Dollar zu verkaufen. Ein bemerkenswerter Vorgang, besonders vor dem Hintergrund der folgenden Ereignisse.

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Das Unternehmen Launcher Space entwickelt in den USA ein hocheffizientes Kerosintriebwerk namens E-2 für kleine Raketen. Der Chefdesigner Igor Nikishchenko arbeitete zuvor für den ukrainischen Konzern Yuzhnoye. Ein Großteil der Ingenieursarbeit wurde aber in der Ukraine von Launcher Europe geleistet, das infolge des russischen Angriffskrieges aus der Ukraine evakuiert wurde und nun in der bulgarischen Hauptstadt Sofia arbeitet. Das Unternehmen geht mit der Herkunft seiner Technik sehr offen um, eine Seltenheit in der Branche.

Die Geschichte der Raumfahrt

Ukrainische Technologie war auch unverzichtbar für die Entwicklung des modernen chinesischen Raumfahrtprogramms. Alle neuen chinesischen Raketenmodelle seit der Langer Marsch 5 benutzen Kerosintriebwerke im Hauptstromverfahren, wie das YF-100, dessen Technik von eingekauften ukrainischen RD-120 Triebwerken abstammt. Das gleiche Triebwerk war das Vorbild für die Entwicklung des indischen SCE-200-Triebwerks, dessen erster Flug aber noch bevorsteht.

Die schwer beherrschbare Hauptstrom-Technologie des RD-120, das in der Ukraine zum RD-870 weiterentwickelt wurde, ist vergleichbar mit den hocheffizienten russischen Kerosintriebwerken wie dem RD-170, das die Booster des Buran-Spaceshuttles antrieb. Das RD-180 wurde davon abgeleitet und im Jahr 2000 zum Haupttriebwerk der Atlas-III- und später der Atlas-V-Rakete.

Die Krimkrise führte 2014 zu einer Begrenzung des Imports der russischen Triebwerke und zum absehbaren Ende der Atlas V, die durch die Vulcan-Rakete ersetzt werden soll. Allerdings nur, wenn Blue Origin die schon für 2019 versprochenen BE-4 Triebwerke liefern kann.

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Die Ukraine kann auch ganze Raketen bauen 
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M.P. 02. Mär 2022

"Die ukrainische Technologie" kann es ja immer noch sein. Für die Inder hat Yuzhmash die...

Gieskanne 02. Mär 2022

https://putler.io Raumfahrt sollte meiner Meinung nach immer unterstützt werden!!

Kakiss 01. Mär 2022

Zumal die Handhabung mit den Dingern auch richtig Asche kostet, das darf man nicht...

theFiend 01. Mär 2022

Wäre auch meine Vermutung. Allerdings muss es dann noch ein bisschen andere Ursachen...



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