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Raumfahrt: Starship könnte die globale Kriegsführung verändern

Der Physiker Fred Hochberg sieht im Starship die Basis für orbitale Arsenale. Das wirft völkerrechtliche Fragen auf.
/ Nils Matthiesen
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Starship als Gamechanger für das US-Militär? (Bild: RONALDO SCHEMIDT/AFP via Getty Images)
Starship als Gamechanger für das US-Militär? Bild: RONALDO SCHEMIDT/AFP via Getty Images

Die Ambitionen von SpaceX für das Starship-System könnten über die zivile Raumfahrt hinausgehen und die Geografie der Kriegsführung beeinflussen. In einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) legt der Physiker und Unternehmer Fred Hochberg dar, dass eine drastische Senkung der Transportkosten in den niedrigen Erdorbit (LEO) den Weltraum perspektivisch in ein Lager für konventionelle Waffensysteme verwandeln könnte.

Massive Kostensenkung als strategischer Hebel

Aktuell gilt die Falcon Heavy mit rund 1.500 US-Dollar pro Kilogramm Nutzlast als günstigste Plattform. Elon Musk strebt mit dem Starship jedoch Kosten von lediglich 10 bis 100 US-Dollar pro Kilogramm an. Sollte dieses Ziel erreicht werden, verlören finanzielle Beschränkungen für orbitale Lasten laut Hochberg ihre Bedeutung. Ein solches System würde es ermöglichen, zehntausende konventionelle Munitionseinheiten permanent im Orbit zu stationieren, die innerhalb von Minuten jeden Punkt der Erde erreichen könnten.

Im Vergleich dazu benötigen aktuelle Langstreckenbomber wie die B-2 für einen Einsatz etwa gegen iranische Atomanlagen rund 37 Stunden Flugzeit bei Kosten von etwa 5 Millionen US-Dollar pro Maschine. Hochberg argumentiert, dass ein orbitales System die Notwendigkeit eliminieren würde, vor einem Schlag die Luftüberlegenheit herzustellen. Die Kapazität des Starship erlaube zudem den Transport wesentlich größerer Einzelmunition für Schläge gegen tief vergrabene Ziele.

Thesen zur Abschreckung und völkerrechtliche Hürden

Hochberg vertritt die Ansicht, dass ein solches "Fleet-in-being" -Szenario im Orbit eine hohe Abschreckungskraft besäße. Diese sei glaubwürdiger als die von nuklearen Interkontinentalraketen, da die Einsatzschwelle für konventionelle orbitale Schläge deutlich niedriger liege. Neben Waffen könnten laut dem Autor auch Drohnen oder medizinisches Material aus dem All abgeworfen werden.

Damit die USA diesen potenziellen Vorsprung behalten, fordert Hochberg, Schlüsseltechnologien des Starship wie Staatsgeheimnisse zu behandeln. Er schlägt vor, US-Unternehmen die Teilnahme an Raumfahrt-Ökosystemen gegnerischer Regime zu untersagen. Unklar bleibt jedoch die Vereinbarkeit solcher Pläne mit dem Weltraumvertrag (Outer Space Treaty), der die Stationierung von Massenvernichtungswaffen verbietet und die friedliche Nutzung des Alls betont. Die Stationierung konventioneller Arsenale im LEO würde völkerrechtlich und geopolitisch massive Spannungen provozieren.


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