Raumfahrt: Starliner-Crew könnte bis Februar auf der ISS bleiben

Die Rückkehr der Crew des Starliners zur Erde ist weiterhin ungewiss. Möglicherweise verbringen Barry "Butch" Wilmore und Sunita "Suni" Williams Weihnachten und den Jahreswechsel im Orbit. Eine Rückkehr könnte erst im Februar 2025 möglich sein.
Die US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics And Space Administration (Nasa) sucht nach einer Möglichkeit, Williams und Wilmore zurück zur Erde zu fliegen. Zwischen der Nasa und dem US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Rückflug mit dem Starliner von der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) zur Erde sicher ist, wie das US-Onlinemagazin Ars Technica berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Boeing hält einen Flug mit dem Starliner für sicher genug. Die Nasa hingegen sorgt sich um die Sicherheit der Crew. Die Zeit drängt für eine Entscheidung: Die Akkus des Starliners halten 90 Tage. Das Boeing-Raumfahrzeug müsste also im September zur Erde zurückkehren.
Die Nasa verhandelt mit SpaceX
Die Nasa betont zwar immer wieder, die Crew sei "nicht auf der ISS gestrandet" . Sie sucht aber bereits nach Alternativen. Eine naheliegende ist, dass Williams und Wilmore mit dem Crew Dragon, dem Raumschiff des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX fliegen. Die Nasa verhandelt auch schon mit SpaceX, die Starliner-Crew im Rahmen des Crew-Dragon-Programms zurückzuholen. Das wäre aber voraussichtlich erst im Februar 2025.
Für Boeing wäre das eine Demütigung. Boeing und SpaceX erhielten 2014 von der Nasa den Auftrag für Crew-Transporte zur ISS . SpaceX brachte 2020 erstmals eine Crew zur ISS .
Beim Starliner hingegen gab es ein Problem nach dem anderen, so dass das Boeing-Raumfahrzeug erst am 5. Juni mit Williams und Wilmore an Bord zur ISS flog. Geplant war ein Aufenthalt von rund acht Tagen. Inzwischen sind es über 60.
Der Starliner hat mehrere Lecks
Während des Flugs traten Triebwerksprobleme auf: Mehrere Steuertriebwerke fielen zeitweise aus, weshalb die Raumfähre erst im zweiten Versuch und mit über drei Stunden Verspätung an der ISS andocken konnte. Grund waren mutmaßlich Lecks im Heliumsystem, das erste war bereits vor dem Start entdeckt worden, zwei weitere während des Flugs und noch einmal zwei nach der Ankunft, also insgesamt fünf .
Wegen des gestrandeten Starliners verschiebt sich der gesamte Zeitplan für ISS-Missionen: Am 18. August sollte der Crew Dragon zur Station fliegen. An dem Port, an dem er andocken sollte, hängt aber noch der Starliner. Die Mission wurde deshalb verschoben und wird frühestens am 24. September starten.
Boeing kündigte an, eine Lösung für eine unbemannte Rückkehr des Starliners zu erarbeiten, wenn sich die Nasa dazu entschließt, Williams und Wilmore anderweitig zur Erde zu fliegen. Dazu wird unter anderem eine Änderung der Software gehören. Mit der aktuellen Konfiguration ist ein autonomes Abdocken nicht möglich.
Außer für das Ansehen von Boeing ist der Starliner auch finanziell ein Desaster: Im aktuellen Quartalsbericht(öffnet im neuen Fenster) wies Boeing für das Starliner-Programm einen Verlust von 125 Millionen US-Dollar aus. Insgesamt sollen sich die Verluste auf 1,6 Milliarden US-Dollar summieren .



