Raumfahrt: SPD will ein nationales Weltraumgesetz

Deutschlands Rolle im All wird international immer wichtiger. Die SPD hat in einem Positionspapier erklärt, wie man dem gerecht werden will.

Ein Bericht von Patrick Klapetz veröffentlicht am
Künstlerische Darstellung eines Raketenstarts von einer mobilen Startplattform in der Nordsee
Künstlerische Darstellung eines Raketenstarts von einer mobilen Startplattform in der Nordsee (Bild: GOSA)

Die Sozialdemokraten (SPD) haben ein fünfseitiges Positionspapier zur Rolle Deutschlands in der Raumfahrt vorgelegt. Es lag zuerst der Süddeutschen Zeitung vor, ist mittlerweile aber auf der Parteiseite als Download einzusehen. Darin heißt es unter anderem, dass "das Leben in einer modernen und vernetzten Industrienation" ohne Weltrauminfrastruktur nicht möglich sei.

Inhalt:
  1. Raumfahrt: SPD will ein nationales Weltraumgesetz
  2. Zu Kooperationen mit China und Indien sagt die SPD nichts

Ob in der Telekommunikation, Mobilität, Landwirtschaft, Energieversorgung, Sicherheitspolitik oder beim Klimaschutz: Eine Störung – menschengemacht oder durch Umweltkatastrophen – würde zum Stillstand führen, heißt es in dem Positionspapier. Deutschland habe in vielen Raumfahrtbereichen weltweit eine führende Rolle, jedoch dürfe man sich darauf nicht ausruhen. Das Servicemodul der Artemis-Mondmission (ESM) wird größtenteils bei Airbus in Bremen produziert, Jena Optronik baut beispielsweise das Navigationsgerät für den Weltraum (Startracker) und OHB aus Bremen ist für seine zuverlässige Satellitentechnik bekannt. Und auch in der Forschung ist Deutschland ein angesehener Partner.

Deutschland übernimmt mehr Verantwortung in der Raumfahrt

Für eine gute Raumfahrtpolitik brauche es Rechts- und Planungssicherheit für Unternehmen und Forschungseinrichtungen (wie langfristige Partnerschaften und beispielsweise die Bereitstellung von Startlizenzen für Raketen und ihre Fracht) sowie wettbewerbsfähige Raumfahrtbudgets, heißt es weiter. Wenn es der SPD gelingt, ihre Ziele hinsichtlich des deutschen Raumfahrtprogramms durchzusetzen, könnte dies ein positives Zeichen für Start-ups und bereits etablierte Firmen sein. Um wie viel Geld es der SPD geht, erklärt sie nicht.

Merkwürdig erscheint die Forderung, dass die Bundesregierung mehr Verantwortung in der europäischen Raumfahrt übernehmen soll. Denn das muss sie ohnehin, da Deutschland für die nächsten drei Jahre die politische Vertretung der Esa (European Space Agency) gegenüber der Europäischen Union sowie den europäischen Mitgliedstaaten übernimmt, wie Walther Pelzer auf der diesjährigen Jahreskonferenz des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR in Berlin erklärte (siehe Video). Die Bundesregierung habe dafür den höchsten je zur Verfügung gestellten Betrag (vier Milliarden Euro) für die Raumfahrt reserviert. Pelzer ist beim DLR für die Deutsche Raumfahrtagentur zuständig.

Unabhängiger Zugang zum All

Ein wichtiger Punkt sei der uneingeschränkte Zugang zum Weltall, schreibt die SPD in ihrem Papier weiter. Bisher ist Deutschland auf seine internationalen Partner angewiesen, um Astronautinnen und Astronauten ins All zu befördern. Allen voran ist die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa einer der wichtigsten – wenn nicht sogar der wichtigste – Partner. Durch Russlands Krieg gegen die Ukraine ist die russische Föderation für die europäische Raumfahrtbehörde Esa und damit auch für die Bundesregierung keine Option mehr.

Satelliten können zwar auch vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou auf Französisch-Guayana gestartet werden. Jedoch fehlt es Europa an Trägerraketen. Die Ariane 5 startete mit der Juice-Mission zum letzten Mal und ihre Nachfolgerin, die Ariane 6, soll erst Ende 2023 zum ersten Mal abheben. Probleme gibt es auch bei der kleineren Vega-Rakete.

Für deutsche Raketenbauer für Microlauncher (Kleinraketen) wie die Rocket Factory Augsburg RFA, Isar Aerospace und Himpulse, aber auch deutsche Satellitenbauer könnte ein unabhängiger Zugang zum All in Zukunft einiges erleichtern.

Laut dem SPD-Positionspapier benötigt die Bundesregierung "explizit eigene Startkapazitäten und -plätze sowie eigene Trägerraketen und Satelliten, die schnell Ausfälle kompensieren können." Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die mobile Startplattform der Gosa (German Offshore Spaceport Alliance) in der Nordsee gelegt.

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