Raumfahrt: Sojus MS-10 in Not

Beim Start der neuen Sojus-Mission zur ISS gab es ein Problem. Die Rakete erreichte nicht den Orbit. Rettungsmannschaften sind nach einer Notlandung unterwegs, um die beiden Astronauten an Bord zu bergen.

Artikel veröffentlicht am ,
Sojus MS-10 kurz nach dem Start. Wenige Minuten später endete der Flug durch eine Fehlfunktion.
Sojus MS-10 kurz nach dem Start. Wenige Minuten später endete der Flug durch eine Fehlfunktion. (Bild: Nasa/Screenshot: Golem.de)

Sojus MS-10 sollte heute Alexei Owtschinin und Tyler Hague in den Orbit zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Die Rakete startete um 10:40 Uhr unserer Zeit in Baikonur. Allerdings gab es beim Start ein ernsthaftes Problem bei der Abtrennung der vier Booster an der Seite der Rakete.

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Bilder aus dem Inneren des Raumschiffs an der Spitze der Rakete zeigten, wie die Astronauten durchgeschüttelt wurden. Anschließend herrschte nach Aussage der Astronauten Schwerelosigkeit, kurz darauf aber wieder Beschleunigungskräfte. Bald darauf ging der Kontakt verloren. Kamerabilder vom Boden zeigten eine ungewöhnliche, leicht asymmetrische Abtrennung der Booster und einige umherfliegende Trümmer.

Bald folgte eine Aussage der Nasa, dass die Astronauten versuchen, ein ballistisches Rettungsmanöver zu fliegen. Die Kapsel wird dabei von der Rakete abgetrennt, fliegt antriebslos durch die Atmosphäre und wird dabei von der Luftreibung abgebremst. Die Aerodynamik der Kapsel sorgt dafür, dass sie sich im Flug selbst stabilisiert, bevor auf festgelegter Höhe die Fallschirme öffnen. Das Manöver ist das Gleiche wie beim Wiedereintritt aus dem Orbit, nur niedriger und langsamer.

Anschließend dauerte es etwa eine halbe Stunde, bis wieder Kontakt zur Sojus bestand. Die Astronauten sind gelandet und wohlauf. Die Rettungskräfte werden allerdings rund 90 Minuten benötigen, um zur Landestelle zu gelangen.

Erste Fehlfunktion seit 35 Jahren

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Es ist die erste Fehlfunktion einer Sojus-Rakete während des Starts von Astronauten seit dem 26. September 1983, als sich Vladimir Titov und Gennady Strekalov mit den Rettungsraketen an der Kapsel vor einem Feuer an der Rakete am Boden retten mussten, wenige Sekunden, bevor die Rakete explodierte.

Die letzte Fehlfunktion ähnlich der heutigen war am 5. April 1975 bei der Mission Sojus 18A mit Vasili Lazarev und Oleg Makarov zur Station Saljut 4. Die damalige Fehlfunktion geschah aber in größerer Höhe bei höherer Geschwindigkeit, wodurch die Bremskräfte beim Wiedereintritt auf 21g stiegen. Ein normaler Wiedereintritt geschieht wesentlich sanfter, weil die Kapsel in einem flacheren Winkel eintritt und in der dünnen Luft der obersten Atmosphäre abbremst.

Es war der 139. Flug eines Sojus-Raumschiffs mit Besatzung. Davon endeten im Jahr 1967 der erste Flug und 1971 der zehnte Flug tödlich, beide durch Fehlfunktionen des Raumschiffs. Beim ersten öffnete sich vor der Landung der Fallschirm nicht, beim zehnten Flug öffnete sich ein Druckventil vor der Landung im Weltraum, die Crew erstickte.

Nachtrag vom 11. Oktober 2018, 14:03 Uhr

Inzwischen wurde bestätigt, dass die Crew aufgefunden wurde und in guter Verfassung ist. Bilder der russischen Weltraumagentur Roskomos zeigen sie wohlauf. Die Beschleunigungskräfte sollen auf 6-7 g begrenzt gewesen sein, immer noch doppelt so viel wie bei Raketenstarts üblich.

In den letzten zehn Sekunden vor dem Unfall zeigte die TV-Übertragung der Nasa mehrere kurze Schwenks während des Flugs der Rakete, die starken Kurskorrekturen gleichkommen. Außerdem zeigt sich im Abgasschweif eine deutliche Verbrennungsinstabilität eines Triebwerks etwa drei Sekunden vor der Abtrennung der Booster. (Anmerkung des Autors: Das ist ein normaler Teil der Stufentrennung.)

Dies wurde gefolgt von einer weißen Kondensationswolke, die von der Freisetzung großer Mengen flüssigen Sauerstoffs stammte. Gleichzeitig wurden die Seitenbooster abgetrennt, zusammen mit mindestens zwei größeren Trümmerteilen, die von der Rakete wegflogen.

Zur Ursache der Havarie ist noch nichts bekannt. Denkbar ist etwa eine Fehlfunktion des RD-108A-Triebwerks in der mittleren Stufe der Sojus, die zu dem Zeitpunkt noch einige Tonnen Treibstoff an Bord hatte und bis zur Abtrennung der Oberstufe weitergeflogen wäre. Sowohl Probleme mit einer der vier Brennkammern des Triebwerks als auch ein Platzen der Turbopumpe könnten zur Zerstörung einer Raketenstufe in Folge von Verbrennungsproblemen geführt haben. Auch andere Ursachen sind nicht ausgeschlossen.

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logged_in 13. Okt 2018

Da haben die sich die ESA als Vorbild genommen.

chefin 12. Okt 2018

Baikonur liegt südlich von 51°, nämlich bei 45°. Deswegen starten sie nach Nordosten, um...

chefin 12. Okt 2018

Jede Landung eines Raumschiffs wird als Bergung bezeichnet. Auch die, welche völlig...

chefin 12. Okt 2018

Also wenn ein BMW wegen Motorschaden liegen bleibt sind alle VW Motoren unzuverlässig...



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