Raumfahrt: Rocketfactory Augsburg verliert Haupteigentümer OHB

Die Rocketfactory Augsburg fiel mit unglaubwürdigen Aussagen zu Rakete und Geschäftsmodell auf. OHB war mit 57 Prozent Hauptanteilseigner.

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Ein Start der RFA One, wie im Bild, sollte für nur 3 Millionen Euro verkauft werden.
Ein Start der RFA One, wie im Bild, sollte für nur 3 Millionen Euro verkauft werden. (Bild: Rocketfactory Augsburg)

Der Satellitenhersteller OHB zieht sich in wesentlichen Anteilen aus der Rocketfactory Augsburg zurück. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung.

OHB hielt 57 Prozent der Firmenanteile. Nun sollen Investoren gefunden werden, um die Entwicklung der RFA-One-Rakete weiter voranzutreiben. OHB-Chef Marco Fuchs sagte der Augsburger Allgemeinen, dass dafür zumindest noch ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag an Investitionen nötig sei.

Die Entwicklung der Rakete, insbesondere der Triebwerke, scheint seit Sommer 2022 stillzustehen, wie Golem.de bereits im Februar berichtete. Der Rückzug von OHB bestärkt die Vermutung schwerer Probleme in der Triebwerksentwicklung, die sich schon vor zwei Jahren abzeichneten.

Damals fiel die Firma mit dem großspurigen und gänzlich unglaubwürdigen Versprechen über die Triebwerkstechnik auf, dass sie "ultra-hohe Leistung mit ultra-niedrigem Preis" verbinde. Der erste Flug war damals noch vor Ende 2022 geplant.

Die Triebwerke nutzen die komplizierte Hauptstromtechnik, deren Entwicklung bei allen anderen Herstellern einen Zeitraum von wenigstens 10 Jahren in Anspruch nahm. Wie sich herausstellte, kaufte das Unternehmen zwar wesentliche Teile der Technik in der Ukraine ein, behauptete aber, das Triebwerk komplett selbst zu entwickeln.

Unglaubwürdiges Geschäftsmodell

Auch das Geschäftsmodell war unglaubwürdig. Starts mit über einer Tonne Nutzlast sollten für 3 Millionen Euro angeboten werden, weit unterhalb der Preise aller auch nur entfernt vergleichbaren Raketenanbieter. Tatsächlich wollte die Firma zuvor 3 Millionen Euro für den Start einer viel kleineren Rakete mit 200 kg Nutzlast verlangen.

Aber schon dieses kleinere Konzept scheiterte an der Entwicklung einer Turbine für das miniaturisierte Nebenstrom-Triebwerk, das nach Expertenangaben von Anfang an technologisch nicht umsetzbar war. Für die Elektron-Rakete von Rocketlab wurden Triebwerke vergleichbarer Größe benötigt und mit einer elektrischen Pumpe statt einer Turbine ausgestattet. Die größeren Triebwerke der Neutron-Rakete nutzen hingegen das für deren Größe bewährte Nebenstrom-Konzept.

Nach unabhängigen Aussagen von mehreren Firmeninsidern gegenüber Golem.de wurde das Projekt der Rocketfactory Augsburg von Anfang an durch OHB-Chef Marco Fuchs vorangetrieben, zunächst über die OHB-Tochterfirma MT Aerospace und dann als eigenständige Firma, die durch OHB finanziert wurde. In einem Interview Anfang 2021 konnten die juristischen Firmengründer auf fachliche Fragen zu Technik und Geschäftsmodell der Firma kaum zufriedenstellende Antworten geben.

Die Ankündigung des Rückzugs von OHB aus der Rocketfactory Augsburg erfolgt nur einen Tag, nachdem mit Virgin Orbit ein weiteres privates Raumfahrtunternehmen den Geschäftsbetrieb zumindest vorläufig einstellte. Auch die Raketenfirma Astra kämpft darum, weiterhin an der Nasdaq gelistet zu bleiben, nachdem zuletzt ein Start mit Satelliten der Nasa missglückte, die Firma den Bau ihres bisherigen Raketenmodells endgültig aufgab und nun ein Nachfolgemodell entwickeln will.

Besonders im aktuellen Geschäftsumfeld wird sich die Investorensuche durch die bislang fehlende Demonstration der technologischen Fähigkeiten der Rocketfactory Augsburg sehr schwierig gestalten.

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Frank... 09. Jun 2023

1) ich schreibe derzeit allgemein deutlich weniger. Deshalb ist auch nichts über das...

lemma1900 18. Mär 2023

KwT.

Sharra 18. Mär 2023

Die Frage ist: Wer sollte eine mittelklassige Feuerwerksfabrik kaufen? Die Firmen, die...

Sharra 18. Mär 2023

Geschäftsberichte sind auch nur Werbebroschüren. Was drin steht, muss durchaus wahr...



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