Raumfahrt: Polaris Dawn ist gestartet

Die privat finanzierte Weltraummission Polaris Dawn ist in den frühen Morgenstunden an der US-Ostküste gestartet. Seit den Flügen zum Mond wird es die erste Mission sein, die höher als 621 km fliegt. Diese Höhe erreichte das Spaceshuttle beim Aussetzen des Hubble-Space-Teleskops. In 1.400 km Höhe wird der Dragon auch für kurze Zeit die untere Grenze des Van-Allen-Strahlungsgürtels durchfliegen.
Der Start wurde mit vergleichsweise schlechter Streamqualität auf der Plattform X übertragen(öffnet im neuen Fenster) . Der Start musste mehrfach verschoben werden: zunächst zur Analyse der Probleme nach einem Fehlstart einer Falcon 9 durch ein Versagen des Oberstufentriebwerks und dann wegen schlechten Wetters in den Landezonen für den Notfall und über dem Startplatz in Florida.
Nach dem Start befindet sich der Crew Dragon mit Jared Isaacman, Anna Menon, Sarah Gillis und Scott Poteet an Bord in einem elliptischen Orbit mit einem höchsten Punkt von 1.200 km über der Erde. Der höchste Punkt des Orbits soll später auf 1.400 km angehoben werden und damit den Rekord von Richard Gordon und Pete Conrad für den höchsten Erdorbit mit menschlicher Besatzung mit Gemini 11 übertreffen. Anschließend wird die maximale Flughöhe auf 750 km gesenkt, um die Strahlungsbelastung für den Rest der Mission zu senken.
Neben Spendensammeln, dem Aufstellen eines neuen Rekordes und der Demonstration eines Weltraumspaziergangs am Donnerstag sollen während der 5-tägigen Mission vor allem detaillierte Messungen des Strahlungsumfeldes im unteren Van-Allen-Gürtel und der medizinischen Auswirkungen auf den menschlichen Körper unternommen werden.
Gemini 11 war spektakulärer und unbequemer
Polaris Dawn wird weit weniger spektakulär verlaufen. Um den hohen Orbit zu erreichen, musste Gemini 11 zuvor an eine zweite Raketenstufe im Orbit andocken, die kurz davor von einer zweiten Rakete gestartet wurde. Danach wurde deren Schub genutzt, um den hohen Orbit zu erreichen. Die Mission diente der Vorbereitung der Mondmissionen, deren Mondfähre nach dem Start vom Mond ebenso ein Andockmanöver im Mondorbit absolvieren musste.
Im Vergleich zur Gemini-Kapsel ist der Dragon selbst mit einer vierköpfigen Besatzung luxuriös groß, mit etwas mehr als 10 Kubikmeter Volumen. Gemini hatte nur 2,25 Kubikmeter für die beiden Astronauten zu bieten. Dabei war Gemini 11 mit nur 3 Tagen noch eine recht kurze Mission. Gemini 5 dauerte sieben Tage und Gemini 7 sogar zwei Wochen – eine lange Zeit für zwei Menschen in einer Kapsel mit dem Volumen einer Duschkabine.
Mehr Volumen bei kommerziellen Flügen mit dem Dragon, die nicht die ISS zum Ziel haben, wird es wohl erst mit geplanten privaten Raumstationen wie Haven-1 geben. Es besteht derzeit keine Aussicht, dass es zu kommerziellen Missionen von SpaceX zur chinesischen Raumstation kommt und nationale US-Missionen wurden von der Nasa ausgeschlossen.