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Neues Paradigma von Raketenlandungen trotz mittelmäßiger Raketentechnik

Tatsächlich war es bereits der zweite Flug einer ersten Stufe der Langer Marsch 10, nachdem eine solche Raketenstufe schon im Februar für den Startabbruchtest einer Raumkapsel im Flug verwendet wurde. Dabei demonstrierte die Stufe den kontrollierten Flug zurück zur Erde, der allerdings mit einer Landung im Wasser endete.

Die genaue Variante der gelandeten chinesischen Rakete war die Langer Marsch 10B. Sie ist in Bezug auf die Nutzlast mit wenigstens 16 Tonnen in niedrige Erdorbits das chinesische Äquivalent zur Falcon 9. Sie hat mit 5 Metern Durchmesser und sieben YF-100 Triebwerken, die schubstärker und effizienter sind als die Merlin-1D der Falcon 9, etwa 10 Prozent mehr Schub und ein deutlich höheres Startgewicht. Das deutet gegenüber der Falcon 9 auf ein relatives Leistungsdefizit durch eine schlechtere Konstruktion mit viel höherer Leermasse hin.

Die zweite Stufe der Langer Marsch 10B ist für den Start von Satellitenkonstellationen in niedrige Erdorbits gedacht und nutzt Methan als Treibstoff. Die Varianten Langer Marsch 10 und 10A sind hingegen leistungsfähigere dreistufige Raketen für Regierungsaufträge. Dabei entspricht die Langer Marsch 10 mit zwei großen Seitenboostern einer Falcon Heavy. Sie erreicht 70 Tonnen Nutzlast in niedrige Erdorbits und 27 Tonnen auf Flugbahnen zum Mond. Sie nutzt Kerosin in der zweiten Stufe und Wasserstoff in der dritten.

Die Leistungsfähigkeit der chinesische Raketentechnik ist also insgesamt noch immer wenig beeindruckend, aber adäquat, um die geforderten Nutzlasten in den Orbit zu bringen. In der Raumfahrt zählt nur, ob die Nutzlast zu angemessenen Kosten zuverlässig dort ankommt, wo sie hin soll. Es gibt keine B-Note für besondere Eleganz.

Ein neues Paradigma für Raketenlandungen

Das neue Landeverfahren wirkt auf den ersten Blick unbeholfen. Aber es erlaubt unabhängig von der Rakete zusätzliche Freiheitsgrade, was eine paradigmatische Erweiterung der Landekonzepte von Raketenstufen darstellt. Die neue Technik erlaubt einfachere Landungen, statt noch präzisere Manöver zu fordern.

Die Falcon 9 muss für eine erfolgreiche Landung zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Winkel über dem richtigen Ort zum Stillstand kommen und sofort das Triebwerk ausschalten, weil sie nicht schweben kann. Die New Shepard, New Glenn und Super Heavy können vor der Landung schweben, womit der Zeitpunkt innerhalb einiger Sekunden frei wählbar ist und Korrekturen an allen anderen Parametern vorgenommen werden können, auch wenn der Spielraum bei der Super Heavy besonders eng ist.

Das Landeverfahren der Langer Marsch 10 erlaubt hingegen Restgeschwindigkeiten in alle Richtungen – auch auf- und abwärts – sowie gewisse Rotationen und Neigungswinkel gegenüber der Landeoberfläche, die bei anderen Verfahren zu abgebrochenen Landebeinen oder Kollisionen mit dem Landeturm führen würden. Dies kann dadurch auch Landungen von kleineren Raketen mit geringeren Leistungsreserven und schlechter steuerbaren Triebwerken oder bei größerem Wellengang vereinfachen.

Europa muss seinen Stolz aufgeben

Was das neue Verfahren noch nicht vereinfacht, sind Landungen auf dem Mond und dem Mars. Aber auch dort hat die chinesische Raumfahrt längst zuverlässige Landevorgänge mit herkömmlichen Methoden demonstriert. Derweil wähnt sich die europäische Raumfahrt mit Verweis auf einzelne ausgesuchte Leistungsparameter noch immer an der Weltspitze, während überall fundamentale Neuentwicklungen zu sehen sind.

Für Europa wird es Zeit, den Stolz hintenan zu stellen und von den Konzepten aus China und den USA die Raumfahrt des 21. Jahrhunderts zu lernen.

Nachtrag vom 11. Juli 2026, 7:11 Uhr

Der Artikel besagte zunächst, dass das Starship nur zwei Landeversuche unternahm, tatsächlich waren es drei.


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