Abo
  • Services:

Raumfahrt: Mit Lasern gegen Weltraumschrott

Hunderttausende Schrottteilchen schweben durchs All. Sie sind gefährlich für Satelliten, aber auch für Weltraumstationen wie die ISS. Ein Forscherteam aus Stuttgart vermisst die Flugbahnen und will im Orbit aufräumen.

Artikel veröffentlicht am , Handelsblatt/Handelsblatt
Weltraumschrott umgibt die Erde.
Weltraumschrott umgibt die Erde. (Bild: Zanpei/CC BY-ND 2.0)

Wenn es im Weltraum kracht, kann das verheerende Folgen haben. Mehrmals im Jahr muss die Internationale Raumstation ISS wegen Weltraummüll Ausweichmanöver fliegen, "Schon ein 1,4 Zentimeter großes Stück kann die ISS gefährden", sagt Wolfgang Riede vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart.

Stellenmarkt
  1. BSH Hausgeräte GmbH, Traunreut
  2. Controlware GmbH, München, Ingolstadt

Das Problem: Durchs All schwirren Hunderttausende Trümmerteilchen. Sie sind die Überreste von Satellitenkollisionen, Abschüssen, Explosionen oder außer Kontrolle geratenen Geräten.

Das amerikanische Space-Surveillance-Network (USSSN) ortet 25.000 Objekte mit einer Größe ab fünf Zentimetern. Weil auch Wehrtechnik darunter ist, würden nur 16.000 veröffentlicht, sagt Riede. Über Zehntausende kleinere Teilchen wisse man gar nichts. Das USSSN warnt auf Basis seiner Daten regelmäßig vor Zusammenstößen im All. "Die Angaben sind allerdings relativ ungenau", sagt Riede.

Mit seinem Team arbeitet er von der Schwäbischen Sternwarte in Stuttgart aus an einer genaueren Vermessung der Flugbahnen des Weltraumschrotts. Dafür nutzen die Forscher die passiv-optische Detektion: Während in den Dämmerungsphasen morgens und abends Sonnenlicht die Objekte vor dunklem Himmel anstrahlt, verfolgt ein Teleskop den Verlauf. Ein Computerprogramm erkennt anhand der Sterne die genaue Position. "Wir haben von Stuttgart aus schon 30 Zentimeter große Objekte gesehen", sagt Riede.

Noch präziser sollen die Ergebnisse mit Hilfe eines Lasers werden, der die Partikel anstrahlt. Messstationen auf der Erde erfassen zurückgestrahlte Photonen, also Lichtteilchen. Erste Tests waren schon erfolgreich, wie Riede sagt. Das Ziel: Entfernungen sollen mit einer Genauigkeit von etwa einem Meter gemessen, die Flugbahnen in 1.000 Kilometern Entfernung auf fünf Meter genau ermittelt werden.

Alles muss schnell gehen

Allerdings haben die Stuttgarter morgens und abends je nur etwa zwei Stunden Zeit, in denen die Lichtverhältnisse passen. Zudem brauchen sie einen wolkenfreien Himmel - anders als zum Beispiel bei Radarmessungen, bei denen das Wetter keine Rolle spielt. So blieben im Schnitt sechs bis acht Beobachtungstage im Monat, sagt Riede.

Und dann muss es schnell gehen: Die Gegenstände, die die Forscher beobachten wollen, rauschen mit einem Tempo von rund acht Kilometern pro Sekunde vorbei und sind daher nur wenige Minuten sichtbar. Für das mehrere zehntausend Euro teure Spiegelteleskop ist das kein Problem, wie Mitarbeiter Daniel Hampf demonstriert. Gesteuert über einen PC dreht es sich in der geöffneten Schalenkuppel.

Später einmal will das Team den Weltraumschrott sogar mit einem Hochleistungslaser reduzieren. Die Geschwindigkeit müsse mit der Kraft des Lasers so stark verringert werden, dass die angestrahlten Teile in die Erdatmosphäre sinken, wo sie dann verglühen. Solche starken Laser brauchen laut Riede ein eigenes kleines Kraftwerk.

Das klingt zwar nach einem teuren Unterfangen. Allerdings werden die Wiederbeschaffungskosten der rund 1.000 aktiven Satelliten nach Angaben der europäischen Weltraumagentur Esa auf knapp 100 Milliarden Euro geschätzt. Ein Verlust sei somit deutlich teurer als die Kosten für etwaige Abhilfemaßnahmen.

Nur gibt es für das Problem Weltraumschrott keine Lösung, bloß ein paar Ideen: So könnten umhertorkelnde Überreste von Weltraummissionen von anderen Satelliten per Greifarm oder mit Netzen aufgesammelt oder Trümmer in erdnahen Bahnen kontrolliert zum Absturz gebracht werden. Welche Ansätze am meisten Erfolg versprechen, sei heute noch nicht zu beantworten, sagt Rodrigo da Costa, Leiter der Abteilung für Zukunftsprojekte und orbitale Systeme beim Satellitenbauer Astrium.

Auf die Frage, ob sich auch die Hersteller zu spät Gedanken über den zurückbleibenden Schrott gemacht haben, antwortet er: "Wir sind erst am Anfang der Raumfahrt." Seit 20 Jahren gehe es erst um die tatsächliche Nutzung für Bürger. Jetzt sei "also genau der richtige Zeitpunkt". Mit Blick auf sein Projekt sagt Riede: "Wir haben die Chance, mit dem Laser eine Vorreiterrolle zu spielen."



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 45,99€ (Release 19.10.)
  2. (u. a. The Crew 2 für 39,99€, Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands für 16,99€ und Rayman 3 für...
  3. 7,48€
  4. 4,99€

Raistlin 02. Jan 2014

Womit kann man es sich verdienen? Ich glaube du hast ein ernsthaftes Problem wenn dies...

Raistlin 02. Jan 2014

das wäre echt schön. Keine Fliegen mehr auf der Windschutzscheibe xD

burzum 01. Jan 2014

Nein... Nicht jedes Metall ist magnetisch. Und auch ein Gramm Hartplastik möchte ich...

Cinemati 01. Jan 2014

Wenn die Telchen nicht verglühlen, kommen sie dann in den Gelben Sack? ^^


Folgen Sie uns
       


Shadow of the Tomb Raider - Golem.de live Teil 2

In Teil 2 des Livestreams zu Shadow of the Tomb Raider finden wir lustige Grafikfehler und der Chat trinkt zu viel Bier, kann Michael aber trotzdem bei einigen Rätseln helfen.

Shadow of the Tomb Raider - Golem.de live Teil 2 Video aufrufen
Amazon Alexa: Echo Sub verhilft Echo-Lautsprechern zu mehr Bass
Amazon Alexa
Echo Sub verhilft Echo-Lautsprechern zu mehr Bass

Amazon hat einen Subwoofer speziell für Echo-Lautsprecher vorgestellt. Damit sollen die eher bassarmen Lautsprecher mit einem ordentlichen Tiefbass ausgestattet werden. Zudem öffnet Amazon seine Multiroom-Musikfunktion für Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller.

  1. Beosound 2 Bang & Olufsen bringt smarten Lautsprecher für 2.000 Euro
  2. Google und Amazon Markt für smarte Lautsprecher wächst weiter stark
  3. Alexa-Soundbars im Test Sonos' Beam und Polks Command Bar sind die Klangreferenz

Oldtimer-Rakete: Ein Satellit noch - dann ist Schluss
Oldtimer-Rakete
Ein Satellit noch - dann ist Schluss

Ursprünglich sollte sie Atombomben auf Moskau schießen, dann kam sie in die Raumfahrt. Die Delta-II-Rakete hat am Samstag ihren letzten Flug.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Stratolaunch Riesenflugzeug bekommt eigene Raketen
  2. Chang'e 4 China stellt neuen Mondrover vor
  3. Raumfahrt Cubesats sollen unhackbar werden

Elektroroller-Verleih Coup: Zum Laden in den Keller gehen
Elektroroller-Verleih Coup
Zum Laden in den Keller gehen

Wie hält man eine Flotte mit 1.000 elektrischen Rollern am Laufen? Die Bosch-Tochter Coup hat in Berlin einen Blick hinter die Kulissen der Sharing-Wirtschaft gewährt.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Neue Technik Bosch verkündet Durchbruch für saubereren Diesel
  2. Halbleiterwerk Bosch beginnt Bau neuer 300-mm-Fab in Dresden
  3. Zu hohe Investionen Bosch baut keine eigenen Batteriezellen

    •  /