Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Raumfahrt: Mit Kernfusion in drei Monaten zum Mars

Ein neuartiges Triebwerk könnte eine Reise zum Mars deutlich verkürzen: Mit Hilfe eines Fusionsantriebs soll ein Raumschiff in 30 bis 90 Tagen den Nachbarplaneten erreichen.
/ Werner Pluta
129 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Rakete mit Fusionstriebwerk: Magnetfeld mit Sonnenenergie betreiben (Bild: University of Washington/MSNW)
Rakete mit Fusionstriebwerk: Magnetfeld mit Sonnenenergie betreiben Bild: University of Washington/MSNW

Eine neue Triebwerkstechnik soll die Reise zum Mars deutlich verkürzen. Der Nachbarplanet ist weit weg und eine Reise dauert entsprechend lange: Anderthalb Jahre veranschlagte bisher etwa Dennis Tito für eine Reise von der Erde zum Mars und wieder zurück . Die US-Raumfahrtbehörde Nasa geht gar von vier Jahren aus.

Rakete mit Fusionsantrieb – Animation
Rakete mit Fusionsantrieb – Animation (00:04)

Mit den vorhandenen Raketentreibstoffen sei es kaum möglich, sich weit von der Erde zu entfernen, sagt John Slough(öffnet im neuen Fenster) , Wissenschaftler an der Universität von Washington in Seattle und Chef des Raumfahrtunternehmens MSNW(öffnet im neuen Fenster) . Er hat eine Triebwerkstechnik entwickelt, mit der sich die Reise zum Mars deutlich verkürzen lassen soll.

Magnetfeld komprimiert Metallringe

Kernfusion soll das Raumfahrzeug antreiben. Als Treibstoff wird das Wasserstoff-Isotop Deuterium dienen. Ein winziges Tröpfchen davon wird in die Brennkammer eingebracht. Ein Magnetfeld in der Kammer quetscht Ringe aus Lithium zu einer Hülse um den Tropfen herum zusammen. Die Ringe werden derart komprimiert, dass im Inneren der Hülle eine Fusionsreaktion ausgelöst wird.

Kompression der Lithiumringe – Animation
Kompression der Lithiumringe – Animation (00:06)

Die Reaktion dauert nur einige Millionstelsekunden, setzt aber genug Energie frei, um die Metallhülle zu ionisieren. Das Magnetfeld stößt das Metallplasma dann mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Sekunde aus dem Triebwerk aus. Der Vorgang soll sich im Minutentakt wiederholen und so das Raumschiff antreiben. Einen bis drei Monate würde eine solche Rakete mit Fusionsantrieb (Fusion Driven Rocket, FDR) nach Ansicht der Entwickler zum Mars benötigen.

Solarstrom für Magnetfeld

Das Magnetfeld könne von Solarzellen des Raumschiffs betrieben werden, sagte MSNW-Forscher Anthony Pancotti dem britischen IT-Nachrichtenangebot The Register(öffnet im neuen Fenster) . Das Triebwerk nehme etwa 200 Kilowatt auf. Das entspreche in etwa der Leistung, die die Solarmodule der Internationalen Raumstation lieferten.

Eine FDR soll nicht nur schneller sein als eine herkömmliche Rakete – ihr Start wäre auch deutlich günstiger, weil weniger Treibstoff benötigt werde, sagen die Forscher: Ein Sandkorn von ihrem Treibstoff erzeuge den gleichen Schub wie rund vier Liter herkömmlicher Treibstoff.

Zwei Mechanismen zusammen testen

Sloughs Team ist es bisher gelungen, die Deuterium-Tröpfchen herzustellen und sie auf die für die Fusion nötige Temperatur aufzuheizen. Zudem haben sie das Zusammendrücken von Ringen mit einem Magnetfeld getestet. Die Tests führten die Forscher um Slough mit Aluminium durch. In einem realen Triebwerk hingegen würde Lithium verwendet werden, da das Material sehr reaktiv ist. Im nächsten Schritt, der für den Spätsommer geplant ist, sollen die beiden Mechanismen zusammen getestet werden.

Sloughs Projekt wird von der Nasa im Rahmen des Programms Innovative Advanced Concepts(öffnet im neuen Fenster) (NIAC) gefördert. In den kommenden anderthalb Jahren sollen Slough und seine Kollegen zeigen, dass ihr Konzept realisierbar ist. Pancotti hält es für realistisch, bis 2020 eine funktionsfähige FDR zu konstruieren.


Relevante Themen