Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Selbstüberschätzung in der Entwicklung gefährdet das Mondprogramm

Die sogenannte hardwarereiche Entwicklung des Starships, also der Bau einer großen Zahl von Prototypen in Originalgröße ohne Nutzwert oder Aussicht auf Wiederverwendung, hat sich als Fehler erwiesen. Sie hat bereits viel mehr Geld, Arbeit und Hardware in Anspruch genommen, als es ein moderates Entwicklungsprogramm mit wiederverwendbarem Booster und auf minimale Hardware reduzierte Oberstufen getan hätte.

Das wäre eine solide Basis für Satellitenstarts und das Sammeln von Erfahrung zur Entwicklung von Mondlandern und eines wiederverwendbaren Starships gewesen. SpaceX hätte eine hervorragende Technologie dafür. Besser als die mit Cost-Plus-Verträgen politisch gewollte Entwicklung von SLS wäre so eine SpaceX-Rakete in jedem Fall. Die angeblich schrittweise Entwicklung der New Glenn war derweil auch nicht besser als der hardwarereiche Ansatz von SpaceX.

Eine durch Ausfall der Oberstufe gescheiterte Mission und eine beim Test explodierte Rakete (eine weitere Oberstufe soll zuvor schon bei einem Drucktest in einem Gebäude zerstört worden sein) zeigen, dass Blue Origin noch nicht bereit für einen regelmäßigen Flugbetrieb war.

Tatsächlich bestand die Entwicklung nach der ersten erfolgreichen Landung der New Shepard im Jahr 2015 nur noch aus einem Schritt. Die zweistufige orbitale Schwerlastrakete New Glenn sollte bereits im Jahr 2020 starten, aber selbst mit der Verzögerung bis zum Jahr 2025 war der Schritt offenbar doch zu groß. Das war auch schon bei ihrer Ankündigung im Jahr 2016 absehbar.

Schwere Konsequenzen für Blue Origin

Das hat nun schwere Konsequenzen für Blue Origin, selbst ohne Rücksicht auf das Mondlanderprogramm. Der gleichzeitige Ausfall der New Glenn und der Vulcan bedeutet, dass nur noch einige Restexemplare der Atlas V und die Ariane 6 die Satelliten der Amazon-LEO-Satellitenkonstellation starten können. SpaceX hat noch dazu die geplante Zahl von Starts der Falcon 9 reduziert und keine Kapazitäten mehr. Nun drohen die Lizenzen für das genutzte Funkspektrum der Konstellation wegen unzureichender Nutzung auszulaufen.

Blue Origin hat jetzt eine Reihe schwerer Aufgaben vor sich: Zuerst muss die Ursache für die Explosion gefunden und beseitigt werden. Außerdem muss der Startplatz von Trümmern geräumt und alle zerstörten Teile wieder aufgebaut werden, was vermutlich rund ein Jahr dauern wird. Danach muss ein weiterer Qualifizierungsflug durchgeführt werden, bevor die New Glenn wieder als tauglich für reguläre Flüge gelten kann. Immerhin sind jetzt zwei Missionen gescheitert, auch wenn die Nutzlast der zweiten Mission unbeschädigt blieb.

2026: kein Start für goldenes Zeitalter amerikanischer Raumfahrt

Die angelaufene Serienproduktion von Oberstufen für die New Glenn wird nun endgültig unterbrochen werden müssen. Der Aufbau einer zweiten Startanlage und die Entwicklung einer größeren New Glenn, mit neun statt nur sieben Triebwerken in der ersten Stufe und 4 Triebwerken in der zweiten Stufe, kann hingegen wie geplant weiter gehen. Eine flugerprobte Raketenstufe ist ebenso noch vorhanden. Was Blue Origin nicht hat, ist ein Jahr mehr Zeit, um die Ziele von Artemis zu erreichen.

2026, das laut der Trump-Regierung den Anfang des goldenen Zeitalters der amerikanischen Raumfahrt darstellen sollte, wird stattdessen das erste Jahr mit einem Rückgang amerikanischer Raketenstarts und gestarteter Satellitenmasse seit 2019 sein.


Relevante Themen