Zeitdruck und Planungsunsicherheit lassen Raumsonden abstürzen

Schon 2008 war absehbar, dass die Kosten für das Satellitennavigationssystem Galileo weit über den ursprünglich geplanten 3,4 Milliarden Euro liegen würden. Von 2014 bis 2020 werden sieben Milliarden Euro ausgegeben, weitere drei Milliarden sind für den weiteren Betrieb vorgesehen. Dabei befindet sich das System noch im Testbetrieb.

Das Exomars Programm soll die erste europäische Raumsonde auf dem Mars landen. Die im Bau von Marslandern unerfahrenen Ingenieure der Esa sollen dafür einen 35 Meter großen Fallschirm verwenden. Noch nie wurde auf dem Mars ein derart großer Fallschirm verwendet. Er funktioniert bislang noch nicht einmal auf der Erde.

Zuvor sollte die Technik mit dem kleineren Marslander Schiaparelli getestet werden. Der Test schlug 2016 fehl. Laut Untersuchungsbericht wurde das Verhalten von dessen Fallschirm - trotz Anzeichen von unerwartetem Verhalten in einigen Computermodellen - vor dem Flug nicht vollständig simuliert und auch nie in einem echten Flug getestet. Esa-Chef Jan Wörner sprach damals trotz des Absturzes von einem 80-Prozentigen Erfolg.

Realistische Erwartungen erhöhen die Erfolgsquote

In Hintergrundgesprächen ist von Esa-Mitarbeitern immer wieder zu hören, dass selbst geplante Projekte über Jahre nicht vollständig finanziert werden oder die Finanzierung plötzlich gestrichen und später doch wieder gewährt wird. Die Arbeitsbedingungen sind unsicher und oft müssen Projekte in zu kurzer Zeit realisiert werden, wenn das Geld endlich da ist. Untersuchungsberichte wie der von Schiaparelli zeigen immer wieder Fehler, die unter solchem Zeitdruck entstehen können.

Die europäische Raumfahrt braucht nicht mehr Geld, sondern interne Reformen bei der Esa, die Planungssicherheit für die Projekte möglich macht. Planungssicherheit wird auch erst durch realistische Erwartungen möglich. Wer noch nie einen Marslander gebaut hat, sollte nicht damit beauftragt werden, gleich neue Rekorde aufzustellen.

Zu den Problemen der Ariane 5 und Ariane 6 kommt außerdem der verfehlte Ansatz internationaler Kooperation in der Esa. Als "Geographic Return" wird es bezeichnet, wenn Industrieaufträge über die Esa-Staaten nach Proportion der Mitgliedsbeiträge verteilt werden. Wirtschaftlichkeit wird dabei außer Acht gelassen. Die unwirtschaftliche Bauweise der Ariane 6 ist erst durch diese Vergabepraxis von Aufträgen denkbar geworden.

Nur ein Beispiel: Ein Raketentriebwerk erhält Pumpen für Wasserstoff und Sauerstoff aus zwei verschiedenen Ländern, in einem dritten Land wird es zusammengebaut mit Teilen aus einem vierten und einem fünften Land. Derartiges gilt für jede Baugruppe einer Ariane 5 oder Ariane 6. Die Bürokratie zur Koordination des Ganzen macht jede neue Entwicklung teuer und unflexibel. Deshalb fliegt die Ariane 5 noch heute mit Technik aus den 70er Jahren - und ist mehr Technikmuseum als Hochtechnologie.

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 Raumfahrt: Mehr Geld für die Raumfahrt reicht nicht ausRaumforschung braucht Standardisierung und Massenproduktion 
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Terence01 24. Nov 2019

Das ist das Äquivalent von 50 Cent zu einem 500 Euro Schein...

frugalz 18. Nov 2019

Mit der Industrie kenne ich mich weniger aus, habe aber bei der ESA die Auswirkungen des...

A. Tomic 16. Nov 2019

Was ich nicht so ganz verstehe ist die Forderung, dass innerhalb eines Projektes der Geo...

Muhaha 15. Nov 2019

Das funktioniert so aber nicht. Der Kuchen ist in den letzten Jahrzehnten GEWALTIG...



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