Raumfahrt: Leitende Angestellte verlassen Blue Origin

Klagen und Werbekampagnen gegen SpaceX werden Blue Origin-Mitarbeitern peinlich. Leitende Angestellte der Raketen- und Mondlanderprogramme kündigen.

Artikel veröffentlicht am ,
Jeff Bezos bei der Vorstellung des Blue-Moon-Mondlanders.
Jeff Bezos bei der Vorstellung des Blue-Moon-Mondlanders. (Bild: Blue Origin / Screenshot (Golem.de))

Angestellte bis in die obersten Leitungsebenen verlassen reihenweise Jeff Bezos' Raumfahrtfirma Blue Origin. Grund sind sowohl die Klagen der Firmen gegen die Entscheidung der Nasa für einen Mondlander von SpaceX als auch eine Werbekampagne,, die den SpaceX-Vorschlag als besonders risikoreich darstellen soll. Ein Mitarbeiter fasste es anonym auf Reddit unter der Überschrift Wir sind NICHT so zusammen.

Stellenmarkt
  1. Research Scientist*(m/w/d) Risikobewertung KI
    Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut EMI, Efringen-Kirchen
  2. Senior Automation Engineer (m/w/d)
    Vesuvius GmbH, Borken
Detailsuche

Der Ingenieur erklärt dort, dass er und der größte Teil der Mitarbeiter bei Blue Origin den Infografiken und anderen Teilen der Werbekampagne nicht zustimmten. Sie sei ihnen peinlich und sie seien von ihr angewidert. Man unterstütze die Freunde bei anderen Raumfahrtfirmen und deren Erfolgen. Die Arbeitsbedingungen bei Blue Origin seien nicht besser als anderswo, mit vielen Wochen über 60 Arbeitsstunden. Er bat um Respekt und Unterstützung der Mitarbeiter von Blue Origin als Menschen, trotz des Verhaltens der PR-Abteilung.

Eine Reihe von leitenden Angestellten zogen bereits die Konsequenzen und verließen die Firma. Wie Michael Sheets für CNBC berichtete, waren darunter allein seit dem Flug von Blue-Origin-Chef Jeff Bezos am 1. Juli der Senior Vice President, der Technikmanager und der Avionik-Chefentwickler des New-Shepard- Projekts. Der Direktor des New-Glenn-Projekts kündigte ebenso wie der ihm unterstellte Direktor der Entwicklung der ersten Stufe, außerdem der Finanzmanager, der Produktestmanager und der leitende Integrations- und Testingenieur des BE-4-Haupttriebwerks der Rakete. Des Weiteren kündigten der Chef der Missiondurchführung und der Verkaufschef für Geheimdienstkunden sowie Mitarbeiter in den unteren Ebenen.

Nur 15 Prozent der Mitarbeiter sind zufrieden

Im US-Firmenbewertungsportal Glassdoor erreicht Blue Origin nur noch eine Zustimmungsrate von 15 Prozent unter den eigenen Angestellten, während es bei SpaceX 91 und bei der United Launch Alliance (ULA) 77 Prozent sind. Durch gerichtliche Klagen und Proteste hat es Blue Origin mehrfach geschafft, die Weiterentwicklung eines Mondlanders für das US-Mondprogramm Artemis zu unterbrechen. Zuletzt erwirkte die Firma einen Entwicklungsstillstand bei der Nasa bis zum 1. November 2021, obwohl der Rechnungshof der USA der Behauptung von Blue Origin widersprach, dass die Nasa in jedem Fall zwei Wettbewerbern einen Vertrag geben müsse.

Golem Karrierewelt
  1. Deep-Dive Kubernetes – Observability, Monitoring & Alerting: virtueller Ein-Tages-Workshop
    10.11.2022, Virtuell
  2. AZ-104 Microsoft Azure Administrator: virtueller Vier-Tage-Workshop
    07.-10.11.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Blue Origin gewann bei der ersten Ausschreibung 2020 einen Entwicklungsvertrag über 579 Millionen US-Dollar für die Entwicklung eines Mondlanders, während SpaceX nur 135 Millionen US-Dollar erhielt. Für die endgültige Entwicklung verlangte Blue Origin rund 6 Milliarden US-Dollar, während sich SpaceX mit rund 3 Milliarden zufriedengab. In der Planung der Nasa war ein Budget von 12 Milliarden US-Dollar für zwei Lander vorgesehen, aber nur ein Viertel davon wurde bewilligt. Deshalb entschied sich die die Nasa für SpaceX.

Blue Origin fehlt Raumfahrterfahrung

In der 21-jährigen Firmengeschichte hat Blue Origin noch keine Rakete zum Erdorbit oder darüber hinaus gestartet, oder eine Rakete gebaut, die dazu in der Lage war. Die Firma hat noch keinerlei Erfahrung im Bau von Raumfahrzeugen vorzuweisen, die sich länger als eine Minute im Weltraum aufhalten. Die Entwickung der BE-4-Triebwerke, die sowohl die New Glenn als auch die neue Vulcan Rakete der ULA antreiben sollen, ist bereits drei Jahre verspätet.

Die Geschichte der Raumfahrt

Die Firma versucht nun, die Lieferung durch eine "erfolgsorientierte" Geschäftspolitik zu beschleunigen. Die ULA soll schon erste Triebwerke erhalten, noch bevor Blue Origin die Abnahmetests der Konstruktion in der eigenen Firma abgeschlossen hat. Die Hoffnung ist, dass bereits alle Fehler im Triebwerk gefunden sind.

Der bisherige leitende Integrations- und Testingenieur hat die Firma nun aber verlassen, was den Erfolg noch unwahrscheinlicher macht. Die Kampagnen und Klagen gegen SpaceX halten somit die Entwicklung bei beiden Firmen zurück und alle verlieren.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


masel99 26. Aug 2021

Das dürfte wie bei Tesla auch an den persönlichen Umständen liegen. Was dürfte man...

Prypjat 25. Aug 2021

Ist doch Standard ;)

kollege 24. Aug 2021

Jeff Bazos 2019: "...today there would be protests and the loosers would sue the federal...

mxcd 24. Aug 2021

Naja, nicht immer...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Wissensbasis
Wikipedia braucht eine neue Dimension

Manch ein Artikel auf Wikipedia ist so schwer zu verstehen, dass man sich nur noch einen einzigen Link wünscht: "Erklär es mir einfacher."
Ein IMHO von Boris Mayer

Wissensbasis: Wikipedia braucht eine neue Dimension
Artikel
  1. Flexpoint, Bfloat16, TensorFloat32, FP8: Dank KI zu neuen Gleitkommazahlen
    Flexpoint, Bfloat16, TensorFloat32, FP8
    Dank KI zu neuen Gleitkommazahlen

    Die Dominanz der KI-Forschung bringt die Gleitkommazahlen erstmals seit Jahrzehnten wieder durcheinander. Darauf muss auch die Hardware-Industrie reagieren.
    Von Sebastian Grüner

  2. Apple Watch 8 im Test: Eine Smartwatch für wirklich alle Fälle
    Apple Watch 8 im Test
    Eine Smartwatch für wirklich alle Fälle

    Die Apple Watch 8 sieht aus wie ihre Vorgängerin, im Test zeigt sich auch der Funktionsumfang sehr ähnlich. Es gibt aber interessante neue Sensoren.
    Ein Test von Tobias Költzsch

  3. Tata Tiago.ev: Indischer Autohersteller stellt 10.000-Euro-Elektroauto vor
    Tata Tiago.ev
    Indischer Autohersteller stellt 10.000-Euro-Elektroauto vor

    In Indien gibt es derzeit nur sehr wenige Elektroautos. Der größte Autohersteller des Landes bringt ein sehr günstiges Modell auf den Markt.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • CyberWeek nur noch heute • Xbox Series S + FIFA 23 259€ • MindStar (Mega Fastro SSD 1TB 69€, KF DDR5-6000 32GB Kit 229€) • PCGH-Ratgeber-PC 3000€ Radeon Edition 2.500€ • Alternate (Be Quiet Tower-Gehäuse 89,90€) • PS5-Controller GoW Ragnarök Limited Edition vorbestellbar [Werbung]
    •  /