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Raumfahrt: Isar Aerospace gewinnt deutschen Raketenwettbewerb

Ein deutscher Raketenbauer erhält Startaufträge für 11 Millionen Euro vom DLR . Die Regierung hofft auf private Raumfahrt nach dem Vorbild der USA.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Der deutsche Wettbewerb soll Raketenbauern in ihrem Geschäft helfen. (Bild: DLR)
Der deutsche Wettbewerb soll Raketenbauern in ihrem Geschäft helfen. Bild: DLR / CC-BY 3.0

Der 2019 ausgeschriebene deutsche Raketenwettbewerb wurde von Isar Aerospace gewonnen(öffnet im neuen Fenster) . Die Firma entwickelt die zweistufige Spectrum-Trägerrakete mit einer Tonne Nutzlast in niedrige Orbits, etwa die halbe Nutzlast europäischen Vega-Rakete.

Das Unternehmen wird von der Bundesregierung Aufträge zum Start von zwei Satelliten im Wert von 11 Millionen Euro erhalten. Der Zeitrahmen für den ersten Start wurde dabei von 2022 auf 2023 erweitert. Der Gewinn des Wettbewerbs wird der Firma wohl auch leichteren Zugang zu Aufträgen der Esa gewähren.

Die Spectrum-Rakete(öffnet im neuen Fenster) ist im Aufbau vergleichbar mit der Falcon-9- oder Electron-Rakete, misst aber 27 m in der Höhe und 2 m im Durchmesser und verwendet das etwas effizientere Propan statt Kerosin als Brennstoff. Die erste Stufe wird von neun Aquila-Triebwerken mit je 75 kN Startschub angetrieben, die zweite Stufe benutzt ein Aquila-Triebwerk mit 94 kN Schub, das durch eine größere Düse für den Betrieb im Vakuum optimiert ist und mehrfach gestartet werden kann. Anders als bei der kleineren Electron wird deshalb keine dritte Stufe benötigt.

Die Bundesregierung hofft auf ein zweites SpaceX

Die Firma habe im Wettbewerb in allen ausschlaggebenden Bereichen der Technik, Betriebsfertigkeit und Finanzierung die besten Bewertungen erhalten, so Thomas Jarzombek, Schirmherr des Wettbewerbs und Koordinator für Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung. Er habe sich persönlich dafür eingesetzt, in der Europäischen Raumfahrt erstmals eine Trägerrakete nicht staatlich entwickeln zu lassen, sondern Verträge für Starts mit privat entwickelten Raketen abzuschließen. Die Nasa sei dabei eine entscheidende Inspiration gewesen.

2008 begann die amerikanische Raumfahrtbehörde, Aufträge zum Transport von Nutzlasten an private Firmen auszuschreiben, die sich nur auf die Dienstleistung der Lieferung der Nutzlast bezogen, ohne Vorgaben zur Technik der Trägerraketen zu machen. Dies machte die Entwicklung von Raketen zu deutlich niedrigeren Kosten möglich. Ein Ziel, das in Anbetracht von insgesamt rund 5 Milliarden Euro Entwicklungskosten für die verspätete und überteuerte Ariane 6 auch in Europa erstrebenswert ist.

Es wird noch einen zweiten Gewinner geben

Nächstes Jahr wird ein zweiter Preisträger unter den beiden verbliebenen Wettbewerbern ausgewählt, Hyimpulse und Rocketfactory Augsburg. Hyimpulse verwendet Hybridtriebwerke, die festes Paraffin mit Hilfe von flüssigem Sauerstoff verbrennen. Nach erfolgreichen Qualifikationstests hat die Serienproduktion dieser Triebwerke begonnen.(öffnet im neuen Fenster) In der zweiten Jahreshälfte 2021 soll eine erste Testrakete als Höhenforschungsrakete mit einem der Triebwerke gestartet werden.

Die Rocketfactory Augsburg verwendet kerosinbetriebene Hauptstromtriebwerke, deren Technik nicht selbst entwickelt wird, sondern aus der Ukraine stammt. Nach Informationen von Golem.de soll dieser Umstand den Wettbewerbsveranstaltern von Anfang an bekannt gewesen und unmissverständlich mitgeteilt worden sein. Öffentlich nahm das eng mit dem Satelliten- und Raketenbauer OHB verbundene Unternehmen dazu aber erst Stellung, als Golem.de die widersprüchlichen Aussagen der Rocketfactory Augsburg zu der Technik hinterfragte.


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