Raumfahrt: Irdische Mikroorganismen überleben im Weltraum
Außerirdisches Leben ist möglich: Wissenschaftler haben auf der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) Mikroorganismen anderthalb Jahre lang Weltraumbedingungen ausgesetzt. Die Mikroben erwiesen sich dabei als erstaunlich resistent.
533 Tage verbrachten die Mikroorganismen auf einer Plattform, die außen an der ISS angebracht war. Dabei waren sie dem Vakuum, extremen Temperaturschwankungen und intensiver ultravioletter (UV) Strahlung ausgesetzt. "Einige der Organismen und Biomoleküle haben im offenen Weltraum eine enorme Strahlungsresistenz gezeigt und kehrten tatsächlich als 'Überlebende' aus dem All zur Erde zurück" , sagt Jean-Pierre Paul de Vera(öffnet im neuen Fenster) . Er ist Astrobiologe am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt(öffnet im neuen Fenster) (DLR) in Berlin und hat das Projekt Biology and Mars Experiment(öffnet im neuen Fenster) (Biomex) geleitet.
Ziel von Biomex war, herauszufinden, ob Organismen von der Erde auch auf dem Mars überleben könnten, also ob Leben auf dem Mars existieren kann. Zwar sind die Voraussetzungen dafür gegeben – der Planet hat eine Atmosphäre, lebenswichtige Elemente wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel oder Phosphor sind ebenso vorhanden wie Wasser -, doch die Bedingungen sind auf dem kalten und trockenen Mars deutlich weniger angenehm als auf der Erde.
Die Forscher wählten extremophile Organismen aus
Für das Projekt hatten die Forscher extremophile Organismen(öffnet im neuen Fenster) ausgewählt, also Organismen, die auf der Erde unter extremen Umweltbedingungen vorkommen. "Wir haben unter anderem Archäen, also einzellige Mikroorganismen, wie es sie auf der Erde seit über dreieinhalb Milliarden Jahren im salzigen Meerwasser gibt, untersucht. Unsere 'Probanden' sind Verwandte, die aus dem Permafrost der Arktis isoliert wurden. Sie haben unter Weltraumbedingungen überlebt und sind zudem mit unseren Instrumenten detektierbar. Solche Einzeller wären Kandidaten für Lebensformen, die wir uns auch auf dem Mars vorstellen könnten" , sagt de Vera.
Die Ergebnisse aus dem Biomex-Projekt bedeuteten lediglich, dass Organismen auf dem Mars existieren könnten, sagt de Vera, nicht aber, dass es dort tatsächlich Leben gebe. "Aber die Suche danach ist nun mehr denn je die stärkste Triebfeder für die nächste Generation von Raumfahrtmissionen zum Mars."
Kam das Leben von außen auf die Erde?
Der Nachweis, dass Mikroorganismen auch im Weltraum überleben, stärkt zudem die Panspermie-Theorie(öffnet im neuen Fenster) . Diese geht davon aus, dass das Leben von außen auf die Erde gekommen ist. So könnten in der Frühzeit auf dem Mars Organismen existiert haben. Ein Asteroideneinschlag könnte Gestein von dem Planeten weggeschleudert haben. Diese wiederum könnten als Meteoriten auf der Erde eingeschlagen sein und die darin enthaltenen Organismen sich dort angesiedelt haben.
Für das Biomex-Projekt wurde am 18. August 2014 am russischen ISS-Modul Swesda ein Experimentkasten mit mehreren Hundert Proben angebracht. Dazu gehörten Moose, Flechten, Pilze, Bakterien, Archäen und Algen sowie Zellmembranen und Pigmente. Sie waren unter anderem in simulierten mineralischen Marsböden mit imitierter Marsatmosphäre eingebettet. Am 22. Oktober 2014 wurde die Schutzabdeckung entfernt, die Mikroorganismen waren bis zum 3. Februar 2016 den Weltraumbedingungen ausgesetzt. Derzeit findet in Berlin eine Konferenz statt, bei der das DLR den Abschlussbericht für Biomex vorstellt.
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