Abo
  • Services:

Auf eigenen Füßen

1991 hoffte die Isro, von der damaligen russischen Raumfahrtagentur Glavkosmos wasserstoffbetriebene KVD-1-Triebwerke für die Oberstufe ihrer neuen GSLV-Rakete importieren und sie später im eigenen Land bauen zu können. Das führte 1993 zu US-Sanktionen wegen angeblicher Verstöße gegen das Missile Technology Control Regime, mit dem die Verbreitung von Technologie für Interkontinentalraketen verhindert werden soll. Dabei verfügte Indien inzwischen längst über eigene Langstreckenraketen, nicht zuletzt mit Technologie aus den USA. Wasserstoff ist zudem für die militärische Nutzung völlig ungeeignet, er muss bei unter -253 Grad Celsius gelagert und ständig gekühlt werden.

Stellenmarkt
  1. Viega Holding GmbH & Co. KG, Attendorn
  2. Allianz Private Krankenversicherungs-AG, München

Indien begann daraufhin, eigene Wasserstofftriebwerke zu entwickeln. Indiens CE-7.5 beruht auf der gleichen Technik, ist aber schwerer und weniger effizient als das russische KVD-1. Die Entwicklung dauerte trotzdem 16 Jahre und hatte bei den ersten Flügen immer noch eine Fehlfunktion. In Anbetracht der letzten beiden Missionen der GSLV Mk II scheinen diese Probleme jetzt aber überwunden zu sein.

Inzwischen ist die indische Raumfahrt deutlich unabhängiger von ausländischer Technik als noch in der Anfangszeit. Das zeigt schon die Entwicklung der großen GSLV-Mk-III-Rakete. Mit über 600 Tonnen Startgewicht hat sie fast die Dimensionen einer Ariane 5 und sieht mit ihren beiden großen Feststoffboostern auch so ähnlich aus. Die zentrale Stufe wird aber nicht von einem hocheffizienten Wasserstofftriebwerk angetrieben, sondern von den Vikas-Triebwerken. Die Oberstufe benutzt das neue CE-20, ein fast dreimal so starkes Triebwerk wie das alte CE-7.5. Wegen der ineffizienteren zentralen Stufe hat sie nur die halbe Nutzlast einer Ariane 5, wird aber auch weniger als die Hälfte kosten.

Unabhängig, aber nicht eigensinnig

Dabei bleibt Indien weiter pragmatisch. Um die GSLV Mk III zu verbessern, soll die zentrale Stufe ein effizienteres Triebwerk bekommen. Seit 2006 besteht ein Vertrag mit der Ukraine zur Entwicklung eines Kerosin-Sauerstofftriebwerks SCE-200, das sehr viel effizienter als das Vikas sein wird. Vorbild dürfte das RD-810-Triebwerk sein, ein ukrainisches Lizenzprodukt auf der Basis des RD-120 Triebwerks aus der Sowjetzeit.

Die Technologie dafür stammt ursprünglich aus Betrieben in Russland. Mit dem Land hat Indien im vergangenen Jahr einen Vertrag über die Nutzung eines Teststands zur Entwicklung des indischen Triebwerks abgeschlossen. Über die offensichtlichen politischen Probleme in diesen Arrangements ist aber wenig zu hören.

Starts mit indischen Raketen decken heute das gesamte Spektrum ab. Im April hat Indien den siebten und letzten Satelliten des regionalen Satellitennavigationssystems IRNSS gestartet. Eine Konstellation, die in geosynchronen Orbits ausgesetzt wurde und die Aufgabe hat, das Territorium Indiens und seine Umgebung abzudecken. Dazu zählt das mit Indien verfeindete Pakistan, das ein nominaler Verbündeter der USA ist. Im Kriegsfall will Indien so unabhängig vom US-amerikanischen GPS sein.

Neben den Forschungsmissionen und eigenen Kommunikationssatelliten starten indische Raketen auch mit internationalen Aufträgen wie Satelliten für Singapur im letzten Dezember. Außerdem starten die PSLV-Raketen immer wieder kleinere Satelliten und Cubesats als Sekundärnutzlast, darunter eine Reihe deutscher Missionen.

Entgegen der häufig vorgebrachten Kritik wird nur ein sehr kleiner Teil des indischen Regierungsbudgets für die Raumfahrt und Weltraumforschung ausgegeben. Auch ein armes Land kann sich das leisten. Aber es bleibt zu hoffen, dass die sozialen Probleme Indiens eines Tages mit dem gleichen Enthusiasmus, Pragmatismus und dem gleichen Stolz gelöst werden, mit dem die Regierung dieser Tage die Starts von Raketen begleitet.

In einem Pilotprojekt mit Narando vertonen wir in den kommenden Wochen zwei bis drei Golem.de-Artikel pro Woche. Die Texte werden nicht von Robotern, sondern von professionellen Sprechern vorgelesen. Über Feedback unserer Zuhörer freuen wir uns - im Forum oder an redaktion@golem.de.

 Die halbzivile Technik der Nasa
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)
  2. 4,25€

Frank... 20. Jun 2016

Wie ich es in einem anderen Kommentar schon geschrieben habe: Es geht um ein delta-v...

tomatentee 18. Jun 2016

Das liegt aber mehr daran, dass die Bologna-Abschlüsse selbst wenn sie ehrlich erworben...

Jogibaer 18. Jun 2016

Finde ich auch, top!

Zeitvertreib 16. Jun 2016

Schön wäre das :) Aber leider nein. Masse ist auch im Weltall träge und um so mehr davon...

LASERwalker 16. Jun 2016

Mit solchen Programmen kann man gute Ingenieure und Know-How im Lang behalten. Ohne die...


Folgen Sie uns
       


Lenovo Moto G6 - Test

Bei einem Smartphone für 250 Euro müssen sich Käufer oft auf Kompromisse einstellen. Beim Moto G6 halten sie sich aber in Grenzen.

Lenovo Moto G6 - Test Video aufrufen
Automatisiertes Fahren: Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau
Automatisiertes Fahren
Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau

Der Staupilot im neuen Audi A8 soll der erste Schritt auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren sein. Doch die Verhandlungen darüber, was solche Autos können müssen, sind sehr kompliziert. Und die Tests stellen Audi vor große Herausforderungen.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Nach tödlichem Unfall Uber entlässt 100 Testfahrer für autonome Autos
  2. Autonomes Fahren Daimler und Bosch testen fahrerlose Flotte im Silicon Valley
  3. Kooperationen vereinbart Deutschland setzt beim Auto der Zukunft auf China

Indiegames-Rundschau: Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm
Indiegames-Rundschau
Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm

Gas geben, den weißen Hai besiegen und endlich die eine verlorene Socke wiederfinden: Die sommerlichen Indiegames bieten für jeden etwas - besonders fürs Spielen zu zweit.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Schwerelose Action statt höllischer Qualen
  2. Indiegames-Rundschau Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht
  3. Indiegames-Rundschau Mutige Mäuse und tapfere Trabbis

Segelschiff: Das Vindskip steckt in der Flaute
Segelschiff
Das Vindskip steckt in der Flaute

Hochseeschiffe gelten als große Umweltverschmutzer. Neue saubere Antriebe sind gefragt. Der Norweger Terje Lade hat ein futuristisches Segelschiff entwickelt. Doch solch ein neuartiges Konzept umzusetzen, ist nicht so einfach.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Energy Observer Toyota unterstützt Weltumrundung von Brennstoffzellenschiff
  2. Hyseas III Schottische Werft baut Hochseefähre mit Brennstoffzelle
  3. Kreuzschifffahrt Wie Brennstoffzellen Schiffe sauberer machen

    •  /