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Raumfahrt: Höhle auf dem Mond ist bestätigt

Die Höhle befindet sich in einer Grube auf dem Mond und soll bis zu 80 Meter lang sein. Das geht aus der Analyse alter Daten eines Nasa -Orbiters hervor.
/ Patrick Klapetz
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Aufnahmen der entdeckten Höhle auf dem Mond (Bild: Nasa, GSFC, Arizona State University)
Aufnahmen der entdeckten Höhle auf dem Mond Bild: Nasa, GSFC, Arizona State University

Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal die Existenz einer Höhle auf dem Mond nachgewiesen(öffnet im neuen Fenster) . Die Höhle befindet sich im Meer der Ruhe (Mare Tranquillitatis), etwa 400 Kilometer vom Landeplatz von Apollo 11 entfernt.

Für diese Entdeckung untersuchte das Team Radaraufnahmen, die zwischen 2009 und 2011 mit dem Mini-RF-Instrument (Miniatur-Radiofrequenz-Instrument) des LRO-Mondorbiters (Lunar Reconnaissance Orbiters) der US-Raumfahrtbehörde Nasa aufgenommen worden waren.

"Diese Höhlen werden seit über 50 Jahren vermutet, aber wir haben ihre Existenz zum ersten Mal nachgewiesen" , teilte Lorenzo Bruzzone von der italienischen Universität Trient mit(öffnet im neuen Fenster) . Vor einigen Jahren hatte allerdings auch eine japanische Forschungsgruppe den Fund einer Höhle auf dem Mond bekannt gegeben .

Die Entdeckung der Höhle

Mithilfe neuer Verarbeitungstechniken analysierte das Team die LRO-Daten erneut und entdeckte Radarreflexionen, die auf eine Grube hindeuteten. Anschließend wurden 3D-Radarsimulationen möglicher Geometrien der Grube und ihrer möglichen Höhle durchgeführt. Das Team wollte herausfinden, ob die Helligkeit, die sie auf den Radarbildern sahen, auf unterirdische Merkmale zurückzuführen sei.

"Die wahrscheinlichste Erklärung für unsere Beobachtungen ist eine leere Lavaröhre" , sagte Leonardo Carrer von der Universität Trient. Die Ergebnisse zeigten, dass es in der Grube einen Tunnel gebe. Dieser soll zwischen 30 und 80 Metern lang sein. Dabei kann es sich entweder um einen 45 Meter breiten und sehr flachen Eingang handeln oder der Tunnel ist um eine maximale Steilheit von 45 Grad geneigt.

Idealer Ort für eine zukünftige Mondbasis?

Der Fund könnte für den Aufbau einer unterirdischen Mondbasis von Bedeutung sein. Die Mondoberfläche ist ein unwirtlicher Ort, an dem Oberflächentemperaturen von 127 Grad Celsius bis -173 Grad Celsius herrschen. Zudem wären Astronauten einer intensiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt, die bis zu 150 Mal stärker als auf der Erde sein kann.

Zwar gibt es Konzepte für Unterkünfte auf der Mondoberfläche, welche zukünftige Besucher vor den rauen Gegebenheiten auf dem Trabanten schützen. Jedoch stellen Unterkünfte in Lavahöhlen eine praktische Alternative für die Besiedlung des Mondes dar.

"Die Erkundung von Mondhöhlen durch künftige Robotermissionen könnte eine neue Perspektive auf den Monduntergrund eröffnen und neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Mondvulkanismus liefern" , heißt es in der Studie. Zudem könne die direkte Erkundung bestätigen, ob eine stabile unterirdische Umgebung vor der Weltraumstrahlung schütze.

Auch die tatsächlichen Temperaturbedingungen und möglichen Schwankungen könnten Aufschluss darüber geben, ob die Höhle zukünftig von Menschen bewohnt und genutzt werden kann.

Ein weiteres Problem kann mit einer robotischen Mission geklärt werden: der Abstieg in die Höhle. Brauchen Mondastronauten dafür möglicherweise Jetpacks oder müssen einen Fahrstuhl oder eine Art Rolltreppe installieren? Die Fachwelt geht von vielen weiteren Höhlen aus.

Zur Studie

Die Studie wurde am 15. Juli in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht: Radar evidence of an accessible cave conduit on the Moon below the Mare Tranquillitatis pit(öffnet im neuen Fenster) (Radarnachweis eines begehbaren Höhlenganges auf dem Mond unterhalb des Mare Tranquillitatis).


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