Raumfahrt: Falscher Orbit nach Kontaktverlust zur Ariane 5

Im Livekommentar lief alles wie immer. Aber der Kontakt zur Rakete war längst verloren. Arianespace setzt damit das Vertrauen der Öffentlichkeit in seine Berichterstattung aufs Spiel. - Inzwischen steht fest: Die Rakete flog von Anfang an in die falsche Richtung.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Arianespace-CEO Stéphane Israël gab eine Stunde nach dem Start die Fehlfunktion bekannt.
Arianespace-CEO Stéphane Israël gab eine Stunde nach dem Start die Fehlfunktion bekannt. (Bild: Arianespace/Screenshot: Golem.de)

"3 ... 2 ... 1 ... Décollage" - so hört sich der Countdown bei jedem Start auf dem Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana an. Bei den Liveübertragungen von Arianespace, die für die Raketenstarts dort verantwortlich ist, kann jeder Zuschauer sehen, ob auch wirklich alles beim Start funktioniert. Zumindest ist Arianespace bemüht, diesen Eindruck zu erwecken. In der vergangenen Nacht ist das Vertrauen in diese Livebilder wieder einmal enttäuscht worden.

Inhalt:
  1. Raumfahrt: Falscher Orbit nach Kontaktverlust zur Ariane 5
  2. Zustände wie im chinesischen Staatsfernsehen

Der Anfang des Starts verlief tatsächlich noch völlig normal. Aufzeichnungen von Kameras auf der Rakete zeigen, wie Feststoffbooster und Nutzlastverkleidung abgetrennt werden und sich langsam von der Rakete entfernen. An Bord der Rakete waren die beiden Kommunikationssatelliten SES-14 und Al Yah 3. Dabei trägt SES-14 außerdem das Nasa-Experiment Global-scale Observations of the Limb and Disk (Gold) zur Beobachtung der obersten Atmosphärenschichten, der Ionosphäre und der Thermosphäre.

Anders als bei den Webcasts von SpaceX stellt Arianespace keine Videoübertragung von der Rakete selbst zur Verfügung. Stattdessen werden Animationen und Telemetriedaten eingeblendet. Ständig verändern sich die Angaben zu Höhe, Entfernung vom Startplatz und Geschwindigkeit der Rakete. In einem Diagramm zeigt ein gelber Graph der tatsächliche Flugbahn an, die exakt dem grünen Graphen der geplanten Flugbahn folgt.

Die Liveübertragung ist genau choreographiert

Dazu kommt der Livekommentar, der über die einzelnen Teile des Fluges informiert, welche Operationen die Rakete gerade durchführt und ob bisher alles funktioniert hat. Zwischendurch werden immer wieder Werbevideos der Hersteller und Auftraggeber der Satelliten gezeigt. Dabei ist die Übertragung von Arianespace nichts anderes als eine choreographierte Liveperformance. Während Gäste freundlich in die Kamera lächeln, liest der Kommentator live vom Skript ab.

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Aber nach Abtrennung der ECA-Oberstufe der Ariane 5 verschwand der Strom der Zahlen von der Telemetrie. Stattdessen waren nur noch schwarze Felder zu sehen. Die gelbe Linie der tatsächlichen Flugbahn verharrte bei 200 Kilometern Höhe und 1.800 Kilometer Entfernung. Es war kein Softwareproblem mit der Einblendung der Daten in den Livestream, wie leicht zu vermuten wäre. Arianespace hatte den Kontakt zur Rakete verloren.

Der Kommentator las derweil unbeirrt weiter vom Skript, das eine Viertelstunde nach Kontaktverlust schließlich den Höhepunkt der Performance des gestrigen Abends erreichte. "Offensichtlich haben wir die Bestätigung. Die erste gute Nachricht des Abends. Die erfolgreiche Abtrennung unserer ersten Nutzlast SES-14." Etwas später dann "Wie Sie bemerken, halten sich die Leute im Kontrollraum höflich mit dem Applaus zurück, da die Mission noch nicht vollendet ist." Das war glatt gelogen. Niemand wusste, was mit der Rakete oder den Satelliten geschehen war.

Die Aufzeichnung der Übertragung ist inzwischen vom offiziellen Youtube-Kanal von Arianespace verschwunden. Es gibt aber Mitschnitte, die auf anderen Kanälen zu finden sind.

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Zustände wie im chinesischen Staatsfernsehen 
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Kelran 05. Feb 2018

Das ist sehr bedauerlich. Es hat mit Moral zu tun.

Electrolurch 30. Jan 2018

Normalerweise hat ein geostationärer Satellit 14 Steuertriebwerke und einen Apogäumsmotor...

Trollversteher 29. Jan 2018

Ich trage heute ein Rick and Morty T-Shirt (dank meiner Frau) und hab noch keine einzige...

Frank... 28. Jan 2018

Also im Prinizip nein, aber es gibt hypothetische Ausnahmen. ;) Wenn es schlimm genug...



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