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Raumfahrt: Falcon 9 hat Fehlstart nach 335 erfolgreichen Missionen

Ein Defekt der Oberstufe verhindert die zweite Zündung des Triebwerks und beendet die längste Serie erfolgreicher Raketenstarts der Raumfahrtgeschichte.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Eis aus gefrorenem Treibstoff fällt während des Fluges in den Abgasstrahl des Triebwerks. (Bild: SpaceX)
Eis aus gefrorenem Treibstoff fällt während des Fluges in den Abgasstrahl des Triebwerks. Bild: SpaceX

Die Falcon 9 hat nach 335 erfolgreichen Flügen in Folge einen Fehlstart zu verzeichnen.(öffnet im neuen Fenster) Kamerabilder haben während des Fluges gezeigt, wie sich eine große Menge Eis am Merlin-1D-Triebwerk der Oberstufe der Rakete gebildet hat und am Ende auch ein kleiner Strahl einer Flüssigkeit ausgetreten ist. Vermutlich hat es sich um ein Treibstoffleck gehandelt.

Die zweite Stufe gelangte trotz der Fehlfunktion in den geplanten Parkorbit, dessen niedrigster Punkt nur etwa 140 km über der Erdoberfläche liegt.(öffnet im neuen Fenster) Nach einer halben Erdumkreisung sollte die Stufe für eine Sekunde neu gestartet werden, um den niedrigsten Punkt der Umlaufbahn anzuheben, was jedoch nicht gelang.

Die Starlink-Satelliten an Bord der Rakete wurden dennoch ausgesetzt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie wegen der geringen Flughöhe in der Erdatmosphäre verglühen werden, obwohl, wie Elon Musk sagte,(öffnet im neuen Fenster) die "Ionentriebwerke mit dem Equivalent von Warp 9 laufen" . Vermutlich wird das jedoch nicht reichen, um gegen die Luftreibung in der geringen Flughöhe anzukommen.

SpaceX setzt die Satelliten der Starlink-Konstellation mit Absicht in sehr geringer Flughöhe aus. Dabei wird einerseits die Nutzlast der Rakete maximiert, die ein paar Satelliten mehr starten kann. Andererseits sorgt die vergleichsweise hohe Luftreibung in niedriger Höhe dafür, dass defekte Satelliten schneller abstürzen und Weltraumschrott in wichtigen Orbits vermieden wird. Das ist für SpaceX gleichzeitig ein Nachteil, denn es bleibt weniger Zeit, defekte Satelliten zu analysieren und mit Software-Updates oder Steuersignalen zu retten oder eine zu niedrige Umlaufbahn zu korrigieren.

Der Defekt hinterlässt keinen Weltraumschrott

Die defekte Raketenstufe der Falcon 9 wird nun innerhalb einiger Tage oder Wochen unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten, was in der Vergangenheit der übliche Umgang mit Oberstufen in der Raumfahrt war. Normalerweise wird das Raketentriebwerk ein drittes Mal neu gestartet, um die Stufe kontrolliert über unbewohnten Teilen des Pazifiks mit wenig Schiffsverkehr abstürzen zu lassen. Fast alle Oberstufen der Ariane-Raketen sind unkontrolliert abgestürzt.

Die defekte Oberstufe der Ariane 6 wird wegen ihrer großen Flughöhe von 580 Kilometern zumindest über Jahrzehnte – aber wegen der großen Masse und kompakten Form möglicherweise sogar über Jahrhunderte – im Orbit verbleiben, zumindest ohne weitere Arbeit zur Entfernung von Schrott aus diesen wichtigen sonnensynchronen Orbits.

SpaceX wird nun analysieren müssen, wo der Fehler in der Oberstufe lag. Anders als die erste Stufe wird jede Oberstufe nur einmal verwendet, was die Fehleranalyse im Vergleich zur wiederverwendbaren ersten Stufe deutlich schwieriger macht. Andererseits verwendet SpaceX für beide Stufen weitgehend baugleiche Triebwerke, sodass die Firma sehr viel mehr Erfahrung mit möglichen Defekten ihrer Triebwerke hat als jeder andere Raketenbauer.

Während der Fehlstart bei einer der firmeninternen Starlink-Flüge stattfand, werden Kunden wie die Nasa und kommerzielle Satellitenbetreiber sicher sein wollen, dass für ihre Nutzlasten kein ähnliches Risiko besteht. Dabei kann SpaceX auf den Rekord von 335 erfolgreichen Starts in Folge verweisen, der in den nächsten Jahren wohl nicht mehr übertroffen werden wird.


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