Raumfahrt: Esa lässt Satellit Aeolus kontrolliert abstürzen
Das Ende für Aeolus ist nahe. In wenigen Tagen will die Europäische Raumfahrtagentur (European Space Agency, Esa) den Satelliten kontrolliert abstürzen lassen. Ein solches Manöver hat die Esa noch nie durchgeführt.
Gesteuert wird der Satellit vom Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt. Voraussichtlich am kommenden Freitag soll das letzte Manöver für den kontrollierten Absturz von Aeolus geflogen werden. "Dann könnte er binnen fünf Stunden runterkommen" , sagte Esa-Teamleiter Jens Lerch der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Esa will den Satelliten so steuern, dass er ins Meer stürzt, so weit entfernt vom Land wie möglich.
Ohne Manöver könnte der Satellit überall in die Erdatmosphäre eintreten und Teile auf Landflächen stürzen. Die Esa bereitet deshalb seit Wochen den Wiedereintritt des Satelliten vor.
Aeolus ist seit 2018 in der Erdumlaufbahn. Der Satellit, der nach dem Windgott der griechischen Mythologie benannt ist, maß Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre . Ziel des Projekts war es, bessere Windvorhersagen über drei bis sieben Tage zu bekommen , damit Betreiber von Windparks die Einspeisung besser planen können.
Der wissenschaftliche Betrieb des Satelliten wurde vor zwei Monaten eingestellt. Die Esa und Eumetsat, die Europäische Agentur für meteorologische Satelliten, arbeiten bereits an einer Nachfolge. "Die präzisen Daten werden vorerst fehlen" , sagte Thorsten Fehr vom Aeolus-Team.
Ein kontrollierter Absturz ist nur Satelliten in einem erdnahen Orbit von einigen hundert Kilometern Höhe möglich, die zudem noch ausreichend Treibstoff an Bord haben. Diese Manöver sei "für Aeolus so nicht vorgesehen" gewesen, sagte Tim Flohrer, Leiter der Abteilung Raumfahrtrückstände. Später konzipierte Satelliten seien dafür ausgestattet oder aus Materialien gefertigt, die vollständig verglühen. "Das ist bei heutigen Missionen Standard."
Aeolus kreist 320 Kilometer über der Erdoberfläche und wird bereits durch die Schwerkraft zur Erde gezogen. Mit den Resten an Treibstoff an Bord soll er so gesteuert werden, dass er kontrolliert abstürzt. Ab einer Höhe von 80 Kilometern beginnt er zu verglühen.
Nachtrag vom 29. Juli 2023, 11:50 Uhr:
Wie die Esa unter Berufung auf das US Space Command(öffnet im neuen Fenster) mitteilte, verlief das Manöver erfolgreich. Der Satellit Aeolus sei am 28. Juli gegen 21 Uhr unserer Zeit über der Antarktis in die Erdatmosphäre eingetreten. Alle nicht verglühten Teile seien wie geplant in den Atlantik gefallen.
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