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Raumfahrt: Erstes Modul der Chinesischen Raumstation gestartet

Die erste dauerhafte chinesische Raumstation ist im Erdorbit. Nach drei Crewflügen soll der Ausbau 2022 abgeschlossen werden.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Der Start der Raumstation war erfolgreich. (Bild: CGTN / Screenshot (Golem.de))
Der Start der Raumstation war erfolgreich. Bild: CGTN / Screenshot (Golem.de)

Tianhe, das erste Modul der neuen chinesischen Raumstation, ist um 5:18 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgreich vom Weltraumbahnhof Wenchang an Bord einer Changzheng-5 Rakete (Langer Marsch 5) gestartet. Der Start wurde live auf dem chinesischen Sender CGTN übertragen,(öffnet im neuen Fenster) auch in englischer Sprache. Dem 22,5 Tonnen schweren Modul werden zwei weitere folgen, bis die erste Ausbauphase im Jahr 2022 abgeschlossen ist. Anders als die kurzlebigen Vorgängerstationen Tiangong-1 und Tiangong-2 ist die chinesische Raumstation für eine Lebensdauer von 15 Jahren ausgelegt.

Der Start der Raumstation wurde, wie die chinesischen Mond- und Marsmissionen des chinesischen Weltraumprogramms , immer wieder durch Probleme mit der Trägerrakete verzögert. Die YF-77 Wasserstofftriebwerke der Zentralstufe zeigten Fehlfunktionen und mussten nach dem Absturz beim zweiten Start einer Changzheng-5 im Jahr 2017 überarbeitet werden.

Der aktuelle Flug war zuvor beim Testflug eines chinesischen Raumschiffs der nächsten Generation vorbereitet worden. Dieses wurde mit zusätzlichen Treibstofftanks ausgestattet, die sein Gewicht auf die 22,5 Tonnen von Tianhe brachten, um dessen Start zu simulieren. Für den Fall von Fehlstarts sollen für alle drei Module Duplikate gebaut worden sein, die entweder als Ersatz oder später zum weiteren Ausbau der Raumstation dienen könnten.

Vor dem weiteren Ausbau sollen drei Crews fliegen

Das zentrale Tianhe-Modul ist neben Wohnquartieren mit Lebenserhaltung, Antriebssystemen und Solarzellen mit zwei Andockschleusen für Raumschiffe und Frachter ausgestattet. Bis Mai 2022 sollen an der vorderen Schleuse drei Raumschiffe andocken und an der hinteren drei Frachter. Die Frachter sollen vor den Raumschiffen gestartet werden und werden den Raum auf der Station erweitern. Sie sind ähnlich aufgebaut wie die Raumstation der chinesischen Raumstation Tiangong-2.

Die vordere Andockschleuse ist Teil eines würfelförmigen Adapters am vorderen Zentralmodul. Die vier anderen Seiten bestehen aus einer Luftschleuse für Weltraumspaziergänge und drei Dockingadaptern. Die beiden anderen Raumstationsmodule werden seitlich der Luftschleuse angebracht. Gegenüber der Luftschleuse ist ein weiterer Dockingport für Raumschiffe und das geplante Weltraumteleskop Xuntian, das 2024 starten soll. Es soll im gleichen Orbit wie die Raumstation fliegen und bei notwendigen Wartungsarbeiten an der Station angedockt werden können.

Nach den Flügen der ersten drei Frachter und Raumschiff-Crews soll der Start der beiden Raumstationsmodule Wentian und Mengtian die erste Ausbauphase bis September 2022 abschließen. Sie wird dann ähnlich groß sein wie die Raumstation Mir in ihrer ersten Ausbaustufe. Die chinesische Regierung hat alle Länder zur Kooperation und Einsendung von Experimenten für den Stationsbetrieb eingeladen, was auch eine Reaktion auf den Ausschluss der Chinesen an der Beteiligung bei der Internationalen Raumstation (ISS) ist.

Jenseits des Starts der Raumstation in China waren es die hektischsten zwei Stunden Raumfahrt auf der Welt seit langem. Nur 85 Minuten zuvor startete eine Vega-Rakete zum 18. Flug, nachdem der 15. und 17. Flug abgestürzt waren, und 25 Minuten danach startete eine Falcon-9-Rakete mit 60 Starlink-Satelliten.


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