Raumfahrt: Erste querschnittsgelähmte Person fliegt ins All

Mit der Mission NS-37(öffnet im neuen Fenster) steht ein Raumflug bevor, der in personeller Hinsicht bemerkenswert ist. Erstmals soll mit Michaela Benthaus eine querschnittsgelähmte Person einen suborbitalen Flug absolvieren und dabei die international anerkannte Grenze zum Weltraum überschreiten. Der Start der New-Shepard-Rakete des Unternehmens Blue Origin ist für den 18. Dezember um 17 Uhr deutscher Zeit vom Startgelände im US-Bundesstaat Texas vorgesehen.
Benthaus hatte 2018 einen Unfall mit dem Mountainbike. Dabei zog sie sich eine Rückenmarksverletzung zu. Diese führte zu einer vollständigen Lähmung der Beine; seither nutzt sie einen Rollstuhl.
Benthaus absolvierte ein Bachelorstudium der Mechatronik sowie ein Masterstudium der Luft- und Raumfahrttechnik, bei dem der Schwerpunkt auf den Bereichen Weltraum und Astrophysik lag.
Erfahrungen mit Schwerelosigkeit sammelte Benthaus bereits vor der Mission NS-37. Im Dezember 2022 nahm sie im Rahmen des Astroaccess-Programms an einem von dem Raumfahrtunternehmen OHB gesponserten Parabelflug in den Vereinigten Staaten teil.
Während des Flugs testete die bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa tätige Ingenieurin Anpassungen für querschnittsgelähmte Astronauten, darunter ein Hüftverankerungssystem sowie Verfahren für Notfall-Evakuierungen unter Bedingungen der Schwerelosigkeit.
Flug auf Höhe von über 100 Kilometern
Zur Crew gehören neben Benthaus fünf weitere Passagiere mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Dazu zählt der frühere SpaceX-Manager Hans Koenigsmann, der heute als Berater in der Raumfahrtbranche tätig ist.
Ergänzt wird die Besatzung durch Unternehmer und Investoren, wie sie auch bei früheren New-Shepard-Flügen regelmäßig an Bord waren. Die Zusammensetzung der Crew entspricht damit dem etablierten Profil der Missionen.
Der Flug selbst folgt technisch dem bekannten Ablauf der New Shepard Missionen. Nach dem senkrechten Start trennt sich die Crew-Kapsel von der Raketenstufe, steigt auf eine Höhe von mehr als 100 Kilometern und überschreitet damit die sogenannte Kármán Linie.
In der anschließenden Flugphase erleben die Insassen für wenige Minuten Schwerelosigkeit, bevor die Kapsel kontrolliert zur Erde zurückkehrt und per Fallschirm landet. Die Gesamtdauer des Flugs beträgt etwa zehn bis zwölf Minuten.
Blue Origin macht keine detaillierten Angaben zu besonderen Anpassungen an der Kapsel oder zu veränderten Auswahlverfahren. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine regulär vorbereitete Mission, die die üblichen medizinischen und technischen Prüfungen durchlaufen hat.



