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Raumfahrt: Erpressung mit der schönsten Nebensache der Menschheit

Die Reaktion auf Artemis II zeigt, wie Korruption in der Raumfahrt funktioniert. Wer Raumfahrt liebt, sollte die Mission nicht bejubeln.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Aufnahme der Erde mit Mond im Vordergrund, beim Vorbeiflug von Artemis II (Bild: Nasa)
Aufnahme der Erde mit Mond im Vordergrund, beim Vorbeiflug von Artemis II Bild: Nasa
Inhalt
  1. Raumfahrt: Erpressung mit der schönsten Nebensache der Menschheit
  2. Wer hier ein modernes Raumfahrtprogramm erwartet, wird enttäuscht werden
  3. Auch mehr Applaus bringt kein goldenes Zeitalter
  4. Der Mythos Raumfahrt ist besser ohne Erpressung

Die ersten Flüge zum Mond im Apollo-Programm waren eine beeindruckende Demonstration der Überlegenheit der freiheitlichen amerikanischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gegenüber dem diktatorischen System der Sowjetunion. Nach 54 Jahren Pause flogen nun erstmals wieder Menschen um den Mond und demonstrierten das genaue Gegenteil.

Doch trotz der offensichtlich rückständigen Technik zu weit überhöhten Kosten war die Berichterstattung fast durchweg positiv. Es ist wie ein Reflex: Menschen fliegen zum Mond, also muss das großartig sein. Plötzlich spielen die Kosten, die von US-Kontrollbehörden wie dem GAO immer wieder nur hilflos als völlig aus dem Ruder gelaufen kritisiert werden konnten, keine Rolle mehr.

Über 20 Milliarden US-Dollar kostete die Entwicklung der SLS-Rakete, die offiziell durch Wiederverwendung von Shuttle-Komponenten billiger werden sollte. Dabei wusste jeder halbwegs fachkundige Beobachter, dass die Verwendung von Shuttle-Tanks als Tank einer normalen Raketenstufe – für die sie nie vorgesehen waren – alles extrem komplex und teuer machen würde. Am Ende hat sie die halbe Leistung der Saturn V, bei größerem Schub und Startgewicht.

Kritik an der Technik ist keine Besserwisserei

Die Entwicklung von Orion, eine einfache Raumkapsel, kostete genauso viel wie SLS. Dabei hat SpaceX mit dem Dragon demonstriert, dass Kapseln keine 20 Milliarden Dollar zur Entwicklung brauchen. Dabei wurde die Entwicklung des Service-Moduls sogar an die Esa abgegeben, die natürlich ein gebrauchtes und völlig veraltetes AJ-10-Triebwerk aus einem Spaceshuttle verwenden musste. Das ist Technik aus der Apollo-Ära, durch die schon das Spaceshuttle angeblich billiger werden sollte.

Es geht hier nicht um Nuancen oder Besserwisserei von irgendwelchen Nerds. Die Entwicklung der Technik und die Durchführung der Flüge des Artemis-Programms kosten etwa zehnmal so viel, wie sie mit dem heutigen Stand der Technik kosten dürften. Ein vergleichbares Mondprogramm hätte längst mit Falcon Heavy und Crew Dragon stattfinden können. Die Kosten für die Qualifizierung der Falcon Heavy für solche Flüge hätten kaum mehr als einen Rundungsfehler im Budget von Artemis dargestellt.

Allein eines der vier Triebwerke der SLS-Rakete kostet so viel wie eine Falcon Heavy, die fast die gleiche Leistung wie die SLS hat. Wer hier keine Korruption sieht, weiß nicht, was Korruption ist – oder weiß um die Korruption und versucht sie vor sich selbst oder vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Es ist die gleiche Korruption, die heute in der US-Regierung überall zu sehen ist.

Überemotionalisierung der Raumfahrt

Möglich wird das alles durch eine Überemotionalisierung der Raumfahrt, die nirgendwo so offensichtlich wird wie bei einem Flug von Menschen um den Mond. Es ist eine Taktik, die in Politik und Wirtschaft überall instrumentalisiert wird, wo kritische Analyse und Gedanken vermieden werden sollen.

Der Flug zum Mond wird als so überwältigend wichtig dargestellt, dass am Ende alle Fragen nach den Kosten zuverlässig unterdrückt werden. Das viele Geld sei nun einmal notwendig, sonst gibt es eben keinen Flug zum Mond. Auf jahrzehntelange Kritik an den Kosten und der technischen Rückständigkeit folgen Jubel über den Flug zum Mond, Anerkennung für die angebliche technische Meisterleistung und Hoffnung auf weitere Mondmissionen.

Es ist eine Form emotionaler Erpressung.


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